weather-image
24°

Adventsstation im Kunstraum Klosterkirche

Seit vielen Jahren ist die musikalische Adventsstation des Chiemgau-Chores ein besinnlicher Ruhepol in der Traunsteiner Vorweihnachtszeit. Trotz der Kälte in der Traunsteiner Klosterkirche hatten sich so viele Zuhörer eingefunden, dass sogar zusätzliche Stühle herbeigeschafft werden mussten. Irmgard Belser, Präsidentin des Chiemgau-Chores, stimmte die Zuhörer auf das Kommende ein.


Schon mit dem ersten Lied »Es treibt der Wind im Winterwalde« von Lorenz Maierhofer gelang dem Chor und seinem Chorleiter Michael Felsenstein ein ganz besonderer Auftakt, indem er die geheimnisvolle Stimmung, welche dem Lied in Text und Melodie innewohnt, spannend interpretierte. Die stimmige Auswahl der noch folgenden Chorliteratur des Abends begeisterte die Zuhörer genauso wie deren Umsetzung. Mit dem »Himmlischen Adventsjodler« von Lorenz Maierhofer, dem Lied »Leih’ aus deines Himmels Höhen« von Friedrich Willibald Gluck und dem bekannten »Im Wald is so staad« aus der Heiligen Nacht von Ludwig Thoma zeigte der Chor seinen Facettenreichtum und brachte neben den freudigen Jubelklängen auch Hauchzartes zum Klingen, sodass die Gänsehaut bei den Zuhörern sicher nicht allein der Kälte geschuldet war.

Anzeige

Michael Felsenstein kommunizierte mit seinem Chor mittels lebhaft-lebendigem Dirigat und entlockte so seinen Sängern sichtbares Engagement, das sich in ein harmonisches Klangbild verwandelte. Zudem bereicherten zwei Solisten das Konzertgeschehen. Die Sopranistin Martha Bergert, deren Stimme sich seit Jahren ihre jugendliche Frische bewahrt hat, sang zum Atemanhalten schön, begleitet von Anna Ecker an der Querflöte und Michael Felsenstein am Piano aus »Neun deutschen Arien« von Friedrich Händel »Süße Stille, sanfte Quelle«, und Rudi Obermaier, Bass – etwas nervös, aber mit hervorragender Stimmqualität – sang »Sei stille dem Herrn« von Felix Mendelssohn Bartholdy.

Die Harfenistin Kathi Bochter schenkte den andächtig lauschenden Zuhörern mit ihrem besinnlich-feierlichen Spiel der Stücke »Les Gouttes de Roseé« und einer Ballade von Alphonse Hasselman das Glück musikalisch ausgedrückter Ruhe, die in der Adventszeit ja gerne mal zu kurz kommt. Dass die Welt nicht eine Insel der Glückseligen ist und wir über den Tellerrand unseres schönen Bayernlandes hinausschauen sollten, das machte Jutta Bräutigam mit einem treffenden Text deutlich. Mit ihrem Beitrag »Menschen auf der Flucht« unterstrich sie mit aktuellen Zahlen aus der Tagespresse das Elend, das unglaublich viele Menschen, darunter auch viele Kinder, erleben müssen, wenn sie ihr Heimatland verlassen und als unwillkommene Asylanten in den reichen Ländern mit Ausgrenzung und Misstrauen zurechtkommen müssen.

Gemeinsam mit dem Publikum sang der Chor am Ende »Tochter Zion« von Georg Friedrich Händel. Sichtlich gut gestimmt machten sich die Zuhörer dann auf den Weg nach Hause, von einem Konzerterlebnis beglückt, das ohne süßliche Weihnachts-Sentimentalität auskam und ein festliches, freudvoll-besinnliches Erlebnis war. Barbara Heigl