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21-jähriger Mann schlug mit einem Stuhl auf einen anderen Gefangenen in Laufen ein – Erneut acht Monate Jugendstrafe

Afghane in der JVA »außer Rand und Band«

Laufen – Eine Nichtigkeit hat wohl den Ausschlag gegeben, dass der heute 21-jährige Afghane am 13.  Februar 2017 in der Justizvollzugsanstalt Laufen-Lebenau ausrastete und auf Mitgefangene losging. Zu guter Letzt schlug er mit einem Plastikstuhl auf einen 17-Jährigen ein. Der mehrfach vorbestrafte Täter wandert für acht Monate hinter Gitter.

Ein Afghane hatte Sportschuhe und Tabak gestohlen. Daraufhin war er festgenommen worden und kam in die JVA Laufen. Dort rastete er aus und ging auf Mitgefangene los. Dafür musste er sich nun vor Gericht verantworten.

»Er hat im Hof schon gestritten«, berichtete der 17-Jährige. »Später hat er dann drinnen Stress gemacht.« Zunächst sei er auf einen anderen Mitgefangenen losgegangen und habe dem eine Watschn verpasst. »Ich bin hin, um ihn abzuhalten«, berichtete der 17-Jährige – »und dann schlägt er mit dem Stuhl zu«. Mit der Hand hatte der Zeuge den Schlag abwehren können, sich dabei aber zwei Fingergelenke schmerzhaft verletzt. Im Gerichtssaal entschuldigte sich der Afghane per Handschlag bei dem Opfer.

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Haschisch und Heroin

Der Angeklagte hatte im Alter von zwölf Jahren bei einem Autounfall beide Eltern verloren. Anschließend lebte er bei einem Onkel und einer Tante, durfte da aber keine Schule besuchen. Mit 14 floh er aus seinem Heimatland und erreichte nach zwei Jahren Deutschland, wo er mit Haschisch und Heroin in Berührung kam. Später ging er nach Dänemark, wo er jedoch wieder nach Deutschland ausgewiesen wurde. Hier lebte er in Hamburg und dann in München auf der Straße.

Im August 2016 war er verurteilt worden, weil er ein angeblich gefundenes iPhone im Wert von 600 Euro und ein ebenfalls angeblich gefundenes iPad im Wert von 100 Euro verkaufen wollte. Kurz nach dieser Tat stahl er einen Ring im Wert von 100 Euro, dann Tabak zum Preis von 57 Euro. Nach sechstägiger U-Haft griff der Afghane erneut zu Tabak, ohne den zu bezahlen. Am gleichen Tag ließ er Sportschuhe im Wert von 180 Euro mitgehen und war daraufhin zu acht Monaten ohne Bewährung verurteilt worden.

Die saß er bis Ende April in der JVA Lebenau ab, wo die nun angeklagte Tat geschah. Ein Justizinspektor hatte den Vorfall zunächst an seinem Monitor beobachtet, war dann nach oben gelaufen, um die Angelegenheit zu schlichten. »Er wurde zuerst von anderen Mitgefangenen gestoppt«, berichtete der Zeuge, »dann hat er mit dem Stuhl und mit Fäusten zugeschlagen.« Der Afghane habe sich nicht beruhigen lassen, »er war außer Rand und Band.« Über den Verletzten sagte der Justizbeamte: »Der hat schon eine große Klappe und wird schnell beleidigend.« Bilder aus der Überwachungskamera zeigten, wie man zunächst gemeinsam friedlich Fernsehen schaute, ehe die Sache eskalierte.

Als »massive Geschichte« wertete Staatsanwalt Florian Richter den deutlich sichtbaren Schlag mit dem Stuhl, diese abstrakte Gefährdung mochte Richter als strafschärfend gewichten und plädierte für eine Jugendstrafe von zehn Monaten als »erzieherische Maßnahme«.

»Er ist nie gefestigt worden«

»Er ist nie gefestigt worden«, blickte Rechtsanwalt Harald Baumgärtl auf das Leben des Angeklagten zurück. Die Verletzung sei folgenlos verheilt und sein Mandant habe sich entschuldigt. Vor allem habe es während der fünfeinhalbmonatigen U-Haft keinerlei Vorkommnisse gegeben, was der Verteidiger als »erkennbare Wirkung« einstufte. Baumgärtl erachtete die Mindeststrafe von sechs Monaten für ausreichend.

»Ich habe daraus gelernt«, beteuerte der Afghane und bat »um eine Chance.« Als »Pech« wertete Jugendrichter Winfried Köpnick, dass der junge Mann die vorangegangene Strafe von acht Monaten vollständig abgesessen habe, denn damit sei die nicht mehr einzubeziehen, was die Gesamtbilanz für den Angeklagten günstiger hätte ausfallen lassen. So aber entschied das Jugendschöffengericht erneut auf acht Monate wegen vorsätzlicher Körperverletzung, der Ohrfeige, und wegen gefährlicher Körperverletzung, dem Schlag mit dem Stuhl. »Er hatte wohl keine Erziehung«, fasste Köpnick die Lebensgeschichte zusammen, »keine Sozialisation entsprechend unserem mitteleuropäischen Kulturkreis.«

Der Richter machte gegenüber den Prozessbeteiligen deutlich, dass das Urteil durchaus gut durchdacht sei, denn nach den in der U-Haft bereits verbüßten fünfeinhalb Monaten blieben nun noch ein paar Wochen Zeit, um alles Weitere für den jungen Mann in die Wege zu leiten. Der möchte besser Deutsch lernen, um dann eine Lehre als Mechaniker beginnen zu können. »Wir wollen hoffen, dass er die Kurve kriegt«, schloss Köpnick die Verhandlung, »man kann ihm nur alles Gute wünschen.« höf