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Ahmeds Traum von der eigenen Lackiererei

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Mit Recht ist Lackierermeister Franz Graßl auf seine beiden Gesellen Ahmed Alo (r.) und Qais Anwari (l.) stolz, die bei ihm das Lackiererhandwerk gelernt haben. (Foto: Wechslinger)

Berchtesgaden – Der Syrer Ahmed Alo kam vor vier Jahren nach langer Flucht in Berchtesgaden an. Schnell fasste er Fuß, weil er sich als begeisterter Fußballspieler gleich dem TSV Berchtesgaden angeschlossen hat und durch sein sonniges Wesen sofort in die Mannschaft integriert war. Da er in seiner Heimat als Karosseriebauer gearbeitet hat, bewarb er sich bei Lackierermeister Franz Grassl. Der bot Alo ein Praktikum an.


Der erfahrene Meister erkannte, dass der junge Syrer ein williger, interessierter und engagierter Arbeiter ist und stellte ihn als Auszubildenden im Lackiererhandwerk ein. Alo war in der Schule fleißig, hat viel gelernt. Und immer sehr gute Noten gehabt. Nach einer dreijährigen Lehrzeit legte Ahmed Alo Anfang des Jahres die Gesellenprüfung ab und Grassl verpflichtete ihn weiter: »Ahmed schaut nicht auf die Uhr, wenn noch Arbeiten auszuführen sind. Er kommt auch mal am Samstag, wenn ich ihn brauche. Ich bin sehr zufrieden mit ihm«, so Grassl.

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Alo spricht inzwischen sehr gut Deutsch, hat den Führerschein gemacht und ist stolzer Besitzer eines Autos. Nur Freundin hat er noch keine: »Ich habe keine Zeit, weil ich arbeiten muss«, so der Syrer mit einem verschmitzten Lächeln. Der Lackierergeselle bezeichnet die deutsche Sprache als Schlüssel für die Integration. »Ich möchte ein Teil der Gesellschaft hier sein, dafür strenge ich mich an«, sagt Ahmed Alo, der auch weiterhin für den TSV Berchtesgaden die Abwehr dichthält.

Mit Alo hat auch der afghanische Flüchtling Qais Anwari die Ausbildung begonnen und ebenfalls mit Erfolg die Prüfung abgeschlossen. Allerdings zieht der Afghane an die Nordsee, wo seine Freundin auf ihn wartet. Ahmed hat seinem Meister schon bei Beginn seiner Lehrzeit mitgeteilt nach Syrien zurückkehren zu wollen, wenn dort endlich Friede einkehrt. »Dann möchte ich wie mein Meister Franz Grassl eine tolle Lackiererei aufbauen. Das wäre mein Traum«, so der Syrer, der natürlich Heimweh hat. Christian Wechslinger

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