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Aktuell, treffsicher und scharfzüngig

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Treffsicher legt Urban Priol den Finger in die Wunden, scharfzüngig bis an die Schmerzgrenze. (Foto: Heel)

Es war im Herbst 1982, als der damalige Lehramtsstudent Urban Priol angefangen hat, »zusammen mit Helmut Kohl Kabarett zu machen«. Inzwischen ist »der Dicke« längst Geschichte, und der 1961 in Aschaffenburg geborene Kabarettist fühlt sich angesichts »einer Regierung, die sich gerade selbst zerlegt«, unterfordert.


Wenn sein Auftritt auf der Freilichtbühne von Schloss Triebenbach, wo er im Rahmen der Salzach Festspiele sein Programm »Gestern – heute – morgen« vorstellte, dennoch gut zweieinhalb Stunden dauerte, dann auch deswegen, weil er sich trotzdem ausgiebig mit Angela Merkel & Co. beschäftigte. Weil er sich in Rage redete über Politiker wie Volker Kauder und Peter Altmaier, »diese Palasteunuchen der Kanzlerin«, den Grünen Winfried Kretschmann, »der für Merkel betet«, oder Alexander »Morbus« Dobrindt.

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Mit einer Mischung aus Spott und Empörung wetterte er auch gegen die Autokonzerne, die bei Lohnforderungen oder Auflagen zum Umweltschutz sofort mit dem Totschlag-Argument »Das gefährdet Arbeitsplätze« hantierten und sich das Kürzel TDI bzw. »Täuschung durch Ingenieure« ehrlich verdient hätten. Aber das Wohl der Aktionäre stehe halt meist über dem anderer, mittlerweile sogar bei Krankenhäusern. Stattdessen werde von Merkel, diesem »unbefleckten Verhängnis«, eine Politik des Kaputtsparens betrieben und die innere Sicherheit, abgekürzt: IS, forciert.

Priol erfindet das Kabarett dabei nicht neu. Aber er legt die Finger meist treffsicher in offene Wunden, scharfzüngig bis an die Schmerzgrenze. Egal, ob es um die Schimäre namens »Fluchtursachenbekämpfung« geht, um unser skurriles Steuersystem oder die einstmals aufmüpfigen Grünen (»FDP mit Fahrrad«). Dabei kann er auch mal richtig böse werden, etwa bei seiner Einschätzung der Rolle von Rentnern bei Wahlen: »Über die Zukunft entscheiden diejenigen, die gar keine mehr haben.«

Und Donald Trump? Da leistete der Kabarettist Abbitte bei Ronald Reagan und George W. Bush, die im Vergleich zu »dem Irren aus Washington« geradezu linksliberal bzw. ein Kind der Woodstock-Generation gewesen seien. Ansonsten sei Trump nicht zu toppen, das müsse man als Satiriker akzeptieren. Weitermachen werde er dennoch, schon deshalb, weil er sich vorgenommen habe, nicht vor Merkel abzutreten. Also nicht vor 2033.

Getreu der Devise des großen Philosophen Immanuel Kant »Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen«, die er dem Publikum mit auf den Heimweg gab.

Weiter geht es auch mit den Salzach Festspielen, wie Stefan Feiler, der Kulturreferent der Stadt Laufen, in seiner Begrüßungsrede versichert hatte; Schlossherr und Stadtrat hätten grünes Licht für die nächsten fünf Jahre gegeben. Wolfgang Schweiger