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»Al Dente« allein zu Haus

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Auch wenn es hier nach gemütlicher Runde aussieht, verbirgt sich dahinter doch eine ganze Reihe schwelender Konflikte: Was sich so an Reibereien in einer WG ergibt, wird von Al Dente musikalisch und szenisch genussreich aufgearbeitet. (Foto: Eder)

Misstöne gibt es wohl in jeder Wohngemeinschaft, auch bei den Mitgliedern von Al Dente in ihrem Konzertprogramm »Allein zu Haus«. Aber so wie diese ihre menschlichen und allzu menschlichen Probleme in der WG miteinander austragen, entsteht daraus ein musikalischer Genuss der Sonderklasse. Die je vier Sängerinnen und Sänger bescherten ihrem begeisterten Publikum im atmosphärischen Rahmen der neuen Theaterfabrik von Mathias Mollner an der Trostberger Straße einen musikalischen Abend voller schöner Melodien und voller Situationskomik.


Es ist wohl anzunehmen, dass manch eine oder einer aus dem Ensemble so seine Erfahrungen mit dem Zusammenleben ganz verschiedener Menschen auf relativ engem Raum am eigenen Leib erlebt hat. Sehr wirklichkeitsnah wurde all das thematisiert, an dem man sich tagtäglich reiben kann: nix Gscheites zum Essen, Engpässe im Bad und bei den Finanzen, unaufgeräumte Räume, Zigarettenrauch, Differenzen um Fernseh- und Radioprogramm, aber auch Stimmungsschwankungen oder gar Liebeskummer. Diese Befindlichkeiten wurden in die passenden Lieder umgesetzt.

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Die acht Mitglieder des Vocalensembles Al Dente, die hauptsächlich aus Traunreut stammen, sind alle herausragende Sänger: Elke Seidl und Irmgard Leineweber im Sopran, Corinna Raab und Anneliese Lindner im Alt, Stefan Waldherr und Hannes Uhrmann im Tenor, Oliver Dudla und Richard Löw, der für Bernd Bjarsch erst vor kurzem neu dazugekommen ist, im Bass. Sie alle kommen von einem Konzert nach Haus – so der Einstieg ins Programm. Und: Es ist so gut wie nichts zu essen da, lediglich ein Fischlein, das dann aber umso inniger und begeisterter besungen wird: mit Franz Schuberts »Forelle«. Und weil diese gar so klein war, wurde sie dann noch umso vielfältiger mit sehr melodiösen Variationen über die »launige Forelle« akustisch aufgepeppt. Wenn schon die Küche kalt blieb, so gab es quasi als Ausgleich schwere musikalische Kost, wenn auch humoristisch versetzt: »Insalata Italiana« von Richard Genee, eine Parodie auf Opern-Instrumentierung.

Ein weiteres Thema in der WG war die Auswahl von Radio- beziehungsweise Fernsehsendungen. Als man sich endlich auf »Wetten dass« geeinigt hatte, erklang dazu eine verswingte Version der Eurovisions-Melodie, und da auch der »Schuh des Manitu« Gnade in der WG fand, hörte man den musikalischen »Superperforator« aus diesem Streifen – theatralisch aufgepeppt mit Oliver Dudla in der Rolle des pistolenbehangenen Sky du Mont. Bei acht Leuten kann man sich leicht ausmalen, dass der Andrang im Bad beträchtlich ist: Als Sänger Stefan Waldherr zerzaust und im Bademantel aus der Badwanne kommt, singt man »Conquest of Paradise« – und stellt damit den Zusammenhang mit dem ähnlich bekleideten Boxer her, dessen Triumphmelodie einst dieser Ohrwurm von Vangelis war. Und da man schon beim Baden war, erklang auch noch das Liebeslied »Lass mich dein Badewasser schlürfen« – zwar mit inniger Melodie, aber vom Text her stark veräppelnd.

Nach der Pause erleben die Besucher die eher muffige WG-Atmosphäre am Morgen, als die Bewohner schlecht gelaunt ins Wohnzimmer schlurfen. Auch Irmi Leineweber, die »Ökotussi«, kann mit ihrem Ingwerwasser und dem Angebot eines Morgenkreises die Stimmung nicht wirklich aufhellen – auch wenn dazu das stimmungsvolle Lied »Let there be light« erklingt. Und so geht es weiter: Die von den Männern unverstandene Verschwendung in Form eines Schuhkaufs wird mit dem Song »Ich wär so gerne Millionär« kommentiert, der Liebeskummer eines Mitglieds – »Killing me softly« – endet in der Erkenntnis, dass das einzige was zählt, die Liebe sei. Umso blöder, wenn man dann zum Rendezvous zu spät kommt: weil »Ich finde keinen Parkplatz, ich komm zu spät zu dir, mein Schatz« – nach Herbert Grönemeyers »Mambo«. Aber wenn dann doch alles geklappt hat, ist man »guat drauf«: »Singin’ in the rain«.

Und so erleben die Besucher in der Theaterfabrik ein – inklusive Pause – rund zweistündiges Programm, das wunderbaren Musikgenuss beinhaltet, eingebettet in eine amüsante Rahmenhandlung, die den Zuhörern immer wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Faszinierend, wie in der Pausenunterhaltung vielfach angesprochen, finden es die Zuhörer, wie die acht Sänger all die Texte und Melodien verinnerlicht haben und sie mit Leichtigkeit und eigener Freude an der Darbietung rüberbringen.

So dürfte es Stefan Waldherr, dem Mann mit der Tenorstimme, der die Gläser zum Klirren bringen kann, ein Anliegen gewesen sein, auf Folgendes hinzuweisen: Dies sei zwar der letzte Abend des Programms »Al Dente allein zu Haus«, aber nicht das letzte Programm von Al Dente. »Wir lassen uns schon wieder was Neues einfallen«, versprach er und konnte sich dabei des großen Beifalls der Besucher sicher sein. Hans Eder