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Al Jones bluest das Magazin4

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Yvonne Isegrei und Al Jones ließen es im Magazin4 krachen: Mitreißende Stücke begeisterten das Publikum bei einem Konzert voller Gefühl. (Foto: Kewitsch)

Dreckiger, sauberer Blues. Ein Widerspruch? Nein. Al Jones gelingt dieser scheinbare Spagat spielerisch. Er nennt es nur »Hot 'n' heavy«, seine neue CD. Von der ersten Note an »bluest« es durch und durch im Magazin4 in Bad Reichenhall – sauber aber eben auch bluestypisch dreckig. »Bittersweet« ist eine mitreißende Hommage an diesen Musikstil. Die Band, allen voran Al Jones an der Gitarre, aber auch Thilo Kreitmeier (Saxofon) und vor allem Yvonne Isegrei (Gitarre, Gesang) lassen es die nächsten 120 Minuten geradezu krachen.


Bereits 2011 gelang dem gebürtigen Oberpfälzer damals ein mitreißender Auftritt in der Alten Saline. Seit über 30 Jahren ist er das Maß der Dinge, wenn es um echten, reinen R'n'B geht. Stand er doch schon mit den ganz Großen seiner Zunft wie B. B. King oder Johnny Winter auf der Bühne.

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Niemand denkt daran, seinen Platz zu verlassen

»You don't have to go« ist sicherlich ans Publikum adressiert, doch niemand denkt im Entferntesten daran, seinen Platz zu verlassen. Auch die »Society Women« oder das klangvolle »Lonely Man« reißen mit, zaubern Grinsen in die Gesichter der Anwesenden.

Die Gitarre von Al Jones (eigentlich sind es an diesem Abend zwei) ist »straight«, geradeaus, nicht experimentell, sondern gradlinig und präzise. Die Riffs gehen sauber von der Hand, Yvonne Isegrei fügt sich nahtlos und perfekt mit Ihrer E-Gitarre ein. Thilo Kreitmeier und sein Saxophon machen aus nahezu jeder Nummer eine klangvolle Obsession – das ist wohlgemerkt ausdrücklich positiv zu verstehen. Björn Kellerstrass gibt an diesem Abend gleich zwei fulminante Soli am Schlagzeug.

Es folgen mitreißende Stücke wie »Tribute to L. Red« oder auch die Nummern »Have you ever had« oder »Homework« und »Sweet little Angel« bei denen Yvonne Isegrei auch ihre gesangliche Leidenschaft unter Beweis stellt. Die zierliche Schwäbin scheint einer Schülerband entsprungen, weiß sich aber im Laufe des Abends als vollwertiges Bandmitglied zu etablieren und überzeugt durch sympathische Zurückhaltung ebenso wie durch den richtigen »drive im Blues«.

Die Musik lässt die Beine der Zuhörer zucken

Die Stimmung im Magazin4 ist freudig beglückt, wenngleich die Musik die Beine zucken lässt, so ist doch die durch Bestuhlung »erzwungene« Ruhe überaus angenehm. Zurücklehnen, genießen, sich dem Blues ergeben – sozusagen passives Tanzen, das hat man auch nicht alle Tage. Sehr angenehm.

Al Jones lebt den Blues, in den er stets neue Einflüsse mischt. Von tief im Innern verborgenen Leidenschaften erzählend, singt er von Siegen und Niederlagen und scheut sich dabei nicht, seine ganz persönlichen Geschichten preiszugeben: Nach dem Start mit »ihr sollt nicht gehen« lautet eine der Zugaben »Going home«, das darauf folgende »I feel good« bescheinigt die gesamte Stimmung des Abends: Ein Konzert voller Groove und Gefühl, druckvoll und wuchtig, und dabei immer virtuos. Eben sauberer, dreckiger Blues, alles andere als ein Widerspruch. Udo Kewitsch

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