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Alle Augen richten sich auf München

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Deutschlandweit werden sich am Sonntag, 16. März, alle politisch interessierten Augen auf München richten: Der neue Oberbürgermeister wird gewählt – und erstmals seit einem Vierteljahrhundert könnte es passieren, dass die SPD die Wahl in der angeblich heimlichen Hauptstadt verliert. SPD-Amtsinhaber Christian Ude beendet seine Amtszeit, und die CSU hofft, die größte rote Bastion Bayerns schleifen zu können.


Der Kampf um den OB-Sessel am Marienplatz wird im Rampenlicht stehen – doch geht es bei den Kommunalwahlen um viel mehr als nur München. Bayernweit werden etwa 39 000 Mandate in Gemeinderäten, Stadträten und Kreistagen vergeben. Neben dem Münchner Stadtoberhaupt werden 18 weitere Oberbürgermeister der kreisfreien Städte gewählt und 58 der 71 bayerischen Landräte.

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Ein alter Lehrsatz unter Politikern besagt, dass Kommunalwahlen Persönlichkeitswahlen seien und überregionale Themen keine große Rolle spielten. »Bei den Kommunalwahlen geht es um den politischen Wettbewerb der besten Ideen für die Heimat vor Ort«, sagt CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer staatsmännisch.

Dennoch zeigen auch Kommunalwahlen den generellen Trend an. So erlitt die CSU bei der Kommunalwahl im März 2008 deutliche Verluste. In der Rückschau war das ein erstes Anzeichen des erdrutschartigen Einbruchs bei der Landtagswahl im September 2008.

Für die CSU hätte ein Sieg in München die größte symbolische Bedeutung, doch ist das nur ein Teil des Gesamtbilds. Die CSU als größte Partei hat auch die meisten Bewerber: »Wir haben 1800 Bürgermeisterkandidaten und etwa 40 000 Gemeinde-, Stadtrats- und Kreistagskandidaten«, sagt Scheuer. »Wir wollen die Städte, in denen wir den Bürgermeister stellen, halten und dort, wo wir bislang nicht regieren, zulegen.«

Die SPD dagegen hofft, nicht nur München, Nürnberg und Würzburg zu verteidigen, sondern auch Regensburg zu gewinnen, wo der langjährige CSU-Oberbürgermeister Hans Schaidinger aufhört. Auch in Ingolstadt rechnet sich die SPD mit der parteilosen OB-Kandidatin Veronika Peters Chancen aus, wie Bayerns SPD-Generalsekretärin Natascha Kohnen sagt.

Die bayerische SPD ist in den großen Städten weit stärker als auf dem Land, bei den Freien Wählern verhält es sich umgekehrt. Derzeit sind 46 der 71 bayerischen Landkreise CSU-regiert, 14 Landräte stellen die Freien Wähler und 11 die SPD.

Dementsprechend konzentrieren sich die Freien Wähler (FW) auch viel mehr auf die Eroberung zusätzlicher Landratsposten als auf die OB-Sessel. Diese 14 Landräte will die Partei auf jeden Fall halten, wie FW-Generalsekretär Michael Piazolo sagt. Höchst willkommen wäre naturgemäß der eine oder andere zusätzliche Landratsposten. So tritt im Kreis Regensburg Tanja Schweiger an, die Lebensgefährtin des Parteichefs Hubert Aiwanger.

Die Grünen können ziemlich sicher mit Stimmengewinnen rechnen. Der einfache Grund: Bisher hatte die Partei immer das Problem fehlender Kandidaten auf dem Land. Die Grünen sind immer noch eine Stadtpartei. Auch jetzt treten in der Mehrzahl der über 2000 bayerischen Gemeinden keine Grünen-Listen an, doch gehen wesentlich mehr grüne Kandidaten ins Rennen als 2008.