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»Alles geht – außer Naturschutz«

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Bischofswiesen: »Alles geht – außer Naturschutz«
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Der Bund Naturschutz will nicht, dass die landwirtschaftliche Nutzfläche »Ganghoferfeld« (rechts unten) zugebaut wird. (Foto: privat)

Bischofswiesen – Die Ortsgruppe des Bundes Naturschutz (BN) hatte in ihrer jüngsten Monatssitzung viel zu besprechen. Zum Beispiel die geplante Bebauung des Ganghoferfelds in Bischofswiesen, das Salettl am Watzmannhaus, das FFH- und Landschaftsschutzgebiet in Winkl, die Jenner-Bergstation, der Götschen-Ausbau und das Wasserkraftwerk im Zauberwald.


Die Versammlungsteilnehmer sprachen sich gemeinsam mit dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) gegen die Bebauung des Ganghoferfeldes an der B 20 aus. Das Feld stehe am Ende einer Kette kartierter Biotope, die bis Ramsau reicht. Es ist der Südost- bis Südabfall des Götschen-Bergstocks, der auf Moränendecken angelegt und von den Werfener Schichten überlagert ist. Einem Teil der dazugehörigen Biotope wurde der Schutzstatus eines FFH-Gebietes zugeordnet. In einer Biosphärenregion würde man erwarten, dass die Biotope miteinander vernetzt werden statt sie zu zerstückeln.

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Da erst vor wenigen Wochen der Bebauungsplan »Burgergraben« in der Strub mit 70 Wohneinheiten verabschiedet wurde, am Kressenfeld der Bau für fünf Einfamilienhäusern vorbereitet wird – alles für Einheimische – stellte sich Ortsvorsitzender Paul Grafwallner die Frage, ob wirklich eine weitere Wiese, noch dazu in einer landwirtschaftlichen Gunstlage, verbaut werden müsse.

Als weiteres Projekt in Bischofswiesen ist der Ausbau des Skisportgeländes am Götschen vorgesehen, an dem die Umweltverbände bisher nicht beteiligt wurden. Hier plant dasselbe Büro wie am Jenner. »Ohne Umweltverträglichkeitsprüfung, die alle Eingriffe erfasst und abwägt, wird es vom Bund Naturschutz keine Zustimmung geben«, stellte Kreisvorsitzende Rita Poser klar. Im Unterschied zur Bedrohung des Birkhuhns am Jenner sei hier das streng geschützte Auerhuhn beheimatet. Wie eine aktuelle Untersuchung ergeben hätte, sei es bereits durch den bisherigen Skibetrieb aus wesentlichen Teillebensräumen verdrängt worden.

Die Kreisvorsitzende informierte weiter über den aktuellen Stand beim Watzmannhaus. Hier werde noch immer mit der DAV-Sektion München nach einer für beide Seiten akzeptablen Lösung unter Beachtung der Nationalparkverordnung gesucht.

Auch an der Jenner-Bergstation gibt es kurz vor der Eröffnung strittige Punkte bezüglich der Öffnungszeiten. Das Motto »Alles geht am Jenner« deute laut Poser darauf hin, dass es sich dabei nicht um Naturschutz handle, obwohl das Gebiet vom Nationalpark umgeben ist. Die gewünschten Öffnungszeiten der Berggaststätte würden es ermöglichen, dass dort Silvester gefeiert werden kann. Dies wollen die Naturschützer unbedingt verhindern.

In der Kritik des BN steht auch das genehmigte Almdorf auf Vorderbrand, womit die Zersiedelung der Landschaft immer weiter voranschreite. Mit »allen zur Verfügung stehenden Mitteln« wollen die Naturschützer das Hotelprojekt am Königssee verhindern. Der Grund: Dort sollen laut BN auf bergsturzgefährdeten Gelände Chalets errichtet werden.

Zuletzt berichtete Rita Poser über einen Ortstermin im Zauberwald in der Ramsau, wo in exponierter Lage ein Wasserkraftwerk errichtet werden soll. »Ausgerechnet gegenüber der vielbesuchten und romantischen Uferzone ist ein groß dimensioniertes Ausleitungsbauwerk geplant«, so Poser. Das Ausleitungsrohr mit einem Innendurchmesser von 1,20 Meter solle »in der vielgestaltig-schönen« Uferböschung verlaufen. Die BN-Vertreter erteilten diesem Projekt deshalb eine Absage. fb