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»Alles geht vorbei, sogar das Leben …«

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Als wäre er mit dem Blues aufgewachsen: Hubert von Goisern bei seinem Konzert vor 3500 Besuchern auf dem Kapitelplatz in Salzburg. (Foto: M. Heel)

»Wannst an Blues mitbringst, dann ja von Louisiana«, hat Hubert von Goisern zu »Federn« erklärt, seinem neuen Studioalbum, zu dem er auf Musiksuche im Süden der USA war, von New Orleans bis nach Nashville. Und das, was er mitgebracht hat, ist stimmig, intensiv und begeistert, wie jetzt bei seinem Konzert vor rund 3500 Besuchern auf dem Salzburger Kapitelplatz zu erleben war.


Ein paar einleitende Worte, und schon geht es los mit dem berühmten Cajun-Song »Jambalaya« (on the Bayou) mit eigener Note: »ois geht vorbei, sogar des Leben«, singt Hubert von Goisern, und schon sind wir mittendrin in den Tiefen des Blues, den der mittlerweile 65-jährige Künstler so inspiriert und stilsicher zelebriert, dass man glatt meinen konnte, er wäre damit aufgewachsen, hätte wie seine amerikanischen Vorbilder den Blues einfach angenommen und instinktiv damit hantiert. Blues Power pur, die mit dem furiosen Protestlied »Snowdown«, einem Statement »für alle, die ihre Freiheit aufs Spiel setzen und ihr Leben riskieren«, zu einem rauschhaften Höhepunkt gelangt.

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Dazu trägt auch die exzellent aufspielende Begleitband bei, mit Severin Trogbacher an der Gitarre, Helmut Schartlmüller am Bass und Alex Pohn am Schlagzeug. Drei hervorragende, sich zu Höchstleistungen aufschwingende Musiker, die Hubert von Goisern kongenial ergänzen und so für ein perfektes Klangerlebnis sorgen. Entsprechend mitreißend klingen auch die vielen anderen Stücke, die Hubert von Goisern an diesem herrlichen Abend zu Füßen der Festung präsentiert, wobei er wie gewohnt und virtuos Akkordeon spielt, aber auch mal zur E-Gitarre greift oder sich ans elektrische Klavier setzt.

So hören wir beinahe andächtig zu, als er mit »So a Segen« seine Version von »Amazing Grace« über den Platz schickt, sind hingerissen vom sensationellen Drive, mit dem er seinen Klassiker »Brenna tuats guat« über die Bühne bringt, und schwelgen in Nostalgie, als er »Can't Find My Way Home« anstimmt, die Bluesballade von Steve Winwood aus dessen Blind Faith-Zeiten und hier mit »Neama vü Zeit« auf ergreifend persönliche Weise interpretiert – schöner geht’s nicht. Nicht zu vergessen die erstmalig dargebotene Alphorn-Einlage, zu der er erklärt, dass dieses urschweizerische Instrument vor rund 800 Jahren ganz woanders, nämlich in Mecklenburg-Vorpommern, erfunden worden sei.

Und weil jeder, der eine Reise unternommen hat, auch etwas zu erzählen weiß, unterhält uns Hubert von Goisern zwischendurch mit Anekdoten von seinem USA-Aufenthalt. Erfahren wir, dass man in Nashville »voll schlecht drauf ist«, dass für die Amerikaner »fundamental« und »liberal« kein Widerspruch sein muss, und dass sie ihren Schnaps wohl aus Erdölderivaten herstellen. Und er erzählt von einem Musikerkollegen aus den USA, der bei ihm in Salzburg zu Besuch war und erstaunt fragte, nachdem er Fotos von den Zerstörungen gesehen hatte, die der Salzburger Dom im Zweiten Weltkrieg erlitten hatte, warum Hitler dies getan habe. Die Antwort dürfte ihm nicht gefallen haben.

Mit seinem Klassiker »Weit, weit weg« neigt sich das Konzert dann dem Ende zu, und wer nicht dabei sein konnte, dem sei das wirklich großartige, ungemein vielseitige Album »Federn« ans Herz gelegt, denn der Blues kommt auf jeden mal zu, und Davonrennen nutzt gar nix. Wolfgang Schweiger