Almbauerntag des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern in Unterwössen

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Der Festzug der Almleute und Bauern führte mit der Musikkapelle Wössen unter Leitung von Martin Nieß in einer Runde zurück zur Achentalhalle. Dort erfreuten die Aktiven des Trachtenvereins »D' Achentaler« Unterwössen auf dem Vorplatz mit einem Sterntanz. (Foto: Flug)

Unterwössen – Der Almbauerntag des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern fand heuer in Unterwössen statt. Die Redner waren sich einig: Ein schwieriges Jahr liegt hinter den Almleuten und dem Verein. Die Zukunft bringt erhebliche Herausforderungen. Ebenso einig sind sie sich darin, dass das mit beherztem Zupacken im Miteinander zu meistern ist.


In der Achentalhalle meinte Josef Glatz, der Vorsitzende des Vereins, in seinem Rückblick: »Alles ausgefallen«. Die großen Veranstaltungen fielen Corona zum Opfer. Das habe die Arbeit extrem erschwert. »Man spricht sich nicht, man hört nichts, niemand erfährt, wo der Schuh drückt.« Da empfand Glatz die Hauptalmbegehung in Unterwössen als Erlösung. Die Gemeinde habe mit dem Verein alles unternommen, die Almbegehung und den Almbauerntag mutig durchzuziehen. Und auch wenn die Hauptalmbegehung heuer kleiner ausgefallen sei, es habe endlich wieder regen Gedankenaustausch gegeben, so Glatz.

In der Naturwaldausweisung nach dem Bayerischen Waldgesetz »haben wir gute Sachen ausgehandelt«, zog Glatz Zwischenbilanz. Zu Beginn sei den Almbauern zu wenig Mitspracherecht gewährt worden, der Umgang der Politik mit den Almbauern habe ihm zeitweise wenig gefallen, bedauerte er. »Aber immer, wenn wir auf die Fachleute in den Behörden trafen, fühlten wir uns gut aufgehoben.« Manche Flächen zur Ausweisung seien sehr nahe am Almgebiet. »Da müssen wir noch Lösungen finden.«

Entscheidungen im Umgang mit dem Thema Wolf hingen im Landesamt für Umwelt fest. Für Wolf und Biber sei es falsch, sie europaweit gleichrangig zu schützen. Während andernorts das Miteinander mit dem Wolf seit Jahrzehnten funktioniere, sei es in Oberbayern nicht vorstellbar, wie eine Alm aussehen könnte, die das Vieh vor dem Wolf wirklich schützt. Glatz kritisierte einseitige Stimmungsmache für den Wolf in der Bevölkerung. Er riet, das Thema realistisch zu bewerten, und »dann kann es nur eine Lösung geben. Entnahmen müssen zulässig sein.«

Der Vereinsausschuss beschloss, den Beitrag nach Jahren moderat zu erhöhen und die Gruppen zu reduzieren. In nur noch zwei Gruppen zahlt das normale Mitglied 27 Euro im Jahr, der Almbauer 45 Euro. Kassier Christian Neuner berichtete von einem leichten Plus aus dem Geschäftsjahr 2020.

Gastredner Klaus Steiner, der unter anderem Mitglied des Ausschusses Ernährung, Landwirtschaft und Forsten im Bayerischen Landtag ist, sah die Almbauern wie in einem Schraubstock aus einerseits hoher Anerkennung, andererseits würden sie als Umweltzerstörer und Klimakiller in politischen Entscheidungen behandelt. In diesem Zwiespalt sei es falsch, sich zurückzuziehen. In der Politik brauche man Mehrheiten. Die schaffe man mit offensiver Öffentlichkeitsarbeit. »Dazu müssen wir unsere Strategien überdenken, uns anders aufstellen. Wir müssen der Bevölkerung und der Politik verdeutlichen, dass wir Bauern in Bayern auf einem fortschrittlichen Weg sind.« Er rief dazu auf, dem Bürger vor Augen zu halten, dass er seine Behauptung für gute Lebensmittel einen guten Preis zu zahlen, im Lebensmittelmarkt nicht einhalte.

Bürgermeister Ludwig Entfellner erinnerte, wie sich das Ansehen der Alm die letzten 100 Jahre geändert habe. Habe sie in den 20er Jahren für den Mythos Freiheit gestanden, stehe sie heute für den Mythos Freizeit. Ein großer Teil der Bevölkerung übersehe, dass dies nicht ohne Landwirtschaft funktioniere. Auch vor Spannungsfeldern zwischen Landwirtschaft und Touristen bleibe er Optimist. »Schon heute packen viele gemeinsam an und bringen den Idealismus mit, die Herausforderungen der Zukunft anzugehen.« Aber alle Seiten müssten bereit sein, Kompromisse einzugehen.

Alfons Zeller, Präsident der Arbeitsgemeinschaft für Bergbauernfragen, sah neben den angesprochenen Idealisten aber auch viele, die mitreden, »obwohl sie vom Thema weit entfernt sind. Die wunderbare Landschaft haben wir nicht dem Tourismus, sondern den Almbauern zu verdanken.« Für die Zukunft müsse das Ziel sein, Natur, Landschaft und Eigentum in eine Einheit zu bringen. Moderne gesetzliche Vorschriften fand er erträglich. Jetzt komme es darauf an, was die Unteren Naturschutzbehörden daraus machen. »Ich hege da Hoffnung. Das sind Leute, die sich in ihrer Region auskennen.«

Erich Schwärzler, Obmann der österreichischen Almwirtschaft, forderte, der Bevölkerung die Herausforderungen für die Almbauern aufzuzeigen. »Bringt sie in Gespräche mit den Betroffenen, lasst sie die Auswirkungen von Entscheidungen persönlich spüren. Das bringt uns in gemeinsame Lösungen.« Für das Engagement der Almbauern sei es wichtig, ihnen ein Umfeld zu schaffen, in dem sie für ihre Leistungen angemessen bezahlt werden. »Dann übernehmen wir die Verantwortung.« Alfons Leitenbacher, Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Traunstein, lenkte das Augenmerk der Almleute auf den Klimawandel.

lukk