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Almerschließung mit Kanal, Wasserleitung und Strom?

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Schönau: Almerschließung an Königsberg-, Königsbach- und Büchsenalm? | Königssee
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Den meisten Gemeinderäten gefällt der Gedanke, Königsberg-, Königsbach- und Büchsenalm mit Abwasserkanal, Wasserleitung und Strom zu erschließen. (Foto: Dippold & Gerold)

Schönau am Königssee – Wie viel Sinn macht es, die Kaser im Gebiet von Königsbach-, Königsberg- und Büchsenalm mit Abwasserkanal, gemeindlichem Trinkwasser und Strom zu versorgen? Darüber diskutierten die Gemeinderäte von Schönau am Königssee am Dienstag, nachdem Hannes Höglauer vom Priener Ingenieurbüro Dippold & Gerold eine Machbarkeitsstudie zu dem Projekt vorgestellt hatte.


Eine mögliche Bezuschussung in Höhe von 75 Prozent könnte den Lokalpolitikern die Zustimmung erleichtern. Vieles wird aber davon abhängen, wie stark die Almbauern selbst dahinter stehen. Einige Bauern von der Königsbergalm haben das Projekt nach den Worten von Bürgermeister Hannes Rasp angestoßen. Deshalb habe der Gemeinderat die Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben.

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Sollte man die Alm­erschließung tatsächlich in Angriff nehmen, könne später auch einmal die Priesbergalm erschlossen werden. Ein Förderprogramm, das aktuell noch bis Ende 2021 laufe, möglicherweise aber verlängert werde, ermögliche einen Zuschuss in Höhe von 75 Prozent der Kosten.

Trinkwasser für Stahlhaus und Schneibsteinhaus

Wie von Hannes Höglauer zu erfahren war, will man auch das Stahlhaus und das Schneibsteinhaus in das Projekt einbinden. Dort gibt es zwar bereits Abwasserleitungen, die über das Joch hinüber zum Mitterkaser führen, jedoch keinen Trinkwasseranschluss. Der soll über den Trinkwasserspeicher in der Jennerbahn-Bergstation ermöglicht werden. Die Leitung würde im Weg vergraben werden und über den Sattel bis zu Stahl- und Schneibsteinhaus führen. »Der Speicher in der Bergstation wäre dann quasi der Hochbehälter«, sagte Höglauer. Auch die Polizeihütte in Nachbarschaft des Schneibsteinhauses könnte man anschließen.

Die Trasse würde dann im Weg weiter bis zur unterhalb liegenden Königsbergalm führen. In den Graben würde man auch den Abwasserkanal einbringen. Das Abwasser würde unterhalb der Königsbergalm gesammelt und dann mit einer noch zu errichtenden Pumpstation hinauf zum Schneibsteinhaus und in das bestehende Abwassernetz gepumpt. Ein Stromanschluss der Königsbergalm ist über die beim Schneib­steinhaus stehende Trafostation möglich. Entsprechende Leerrohre sollen mitverlegt werden. Insgesamt müssten hier rund 1,8 Kilometer Schmutzwasserkanal und 3,1 Kilometer Trinkwasserleitung verlegt werden.

Die Kosten dafür würden sich laut Höglauer auf insgesamt rund 1,68 Millionen Euro belaufen, wobei nach Abzug der Förderung noch ein Restanteil von 494.000 Euro zu begleichen wäre.

Leitungsverlegung im Königsweg

Königsbach- und Büchsen­alm würden aus Richtung Mittelstation über den Königsweg ver- und entsorgt werden. Die Leitungen müssten von der Strubalm aus verlängert werden, am höchsten Punkt am Königsweg ist der Bau eines Trinkwasserhochbehälters erforderlich. Über das Steinerne Bankei ist eine Verlegung im Weg bis hinunter zur Königsbachalm und sogar weiter bis zur Büchsenalm geplant.

Das Abwasser würde mithilfe einer unterhalb der Königsbachalm zu errichtenden Pumpstation den umgekehrten Weg in Richtung Mittelstation nehmen. Die Kosten für diesen Projektabschnitt belaufen sich auf rund 2,05 Millionen Euro, nach Abzug der Zuschüsse verbleiben Restkosten von rund 578.000 Euro. Auch hier ist an eine Stromversorgung gedacht, die entsprechenden Leerrohre sollen mitverlegt werden.

Die Nationalparkverwaltung stimme dem Projekt laut Bürgermeister zu, wenn man nicht ins Gelände gehe. Mit den Almbauern habe man bislang noch nicht gesprochen. Das werde man nun nachholen, denn es gehe ja auch um die Höhe der Beteiligungen.

»Steht das dafür?«

Skeptisch zeigte sich Michael Lochner (Freie Wähler). Auch wenn es hohe Zuschüsse gebe, so handle es sich dabei doch auch um Steuergelder. »Ob das für die paar Almen dafür steht?«, fragte sich Lochner. Schließlich gebe es dringendere Sachen zu erledigen. Sein Fraktionskollege Stefan Pfnür hatte Verständnis für die Bauern, für die die Alm arbeit immer schwieriger werde. »Wenn wir uns für den Bau entscheiden, werden wir die Kosten aber sicherlich nicht alleine tragen«, betonte Pfnür.

»Ein bisserl Luxus« wollte Stefan Punz (CSU) in dem Projekt schon erkennen. Dennoch räumte er ein, dass ihm eine solche Erschließungsmaßnahme super gefallen würde. »Die Almbesucher werden ja immer mehr. Auch der Strom wäre für die Bauern eine Erleichterung bei der Almarbeit.«

Beppo Maltan (Freie Wähler) gab zu bedenken, dass die Fördergelder ja bereits frei gestellt seien. »Wenn wir das nicht machen, dann nehmen es andere«. Und welchen Vorteil ein Kanal habe, erlebe er täglich auf dem Blaueis. »Du hast einfach keine Arbeit mehr mit dem Abwasser.«

Mit den Bauern reden

Von einer »super Sache für die Bauern« sprach Rudi Schwaiger (CSU) und auch Sepp Springl (CSU), selbst Almbauer auf der Königsbergalm, hält das Projekt für eine »Riesensache«. Aktuell könne man den vielen Besuchern nur ein Plumpsklo zur Verfügung stellen, beim Melken würden zwei Aggregate laufen.

Hans Hölzl (Freie Wähler) hielt zumindest eine Erschließung der Büchsenalm für übertrieben. Die Alm werde nur rund zehn Wochen im Jahr bewirtschaftet. Ohnehin müsse man die Bauern erst einmal fragen, ob sie bei dem Projekt mitmachen. So sah es auch Thomas Janzen (Freie Wähler): »Entscheidend ist, dass die Bauern maximal dahinter stehen. Sonst hat sich das Projekt bei über 1 Millionen Euro Restkosten erledigt.« Das bestätigte Bürgermeister Hannes Rasp, der vom Gemeinderat einstimmig den Auftrag bekam, entsprechende Verhandlungen zu führen.

Ulli Kastner