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Almtage sind Höhepunkt für die Hirtenkinder

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Die Hirtenkinder übten im Soderkaser auf der Loferer Alm das neue Stück »Sehnsucht« für das Salzburger Adventsingen ein. (Foto: Mergenthal)

Was ihm als Hirtenbub beim Salzburger Adventsingen am besten gefällt? Bei dieser Frage muss Valentin Nagl (8) aus Anthering, der Jüngste der Hirtenkinder-Schar und begeisterter Trompeter, nicht lang nachdenken: »Die Tage auf der Alm.« Vier Tage lang studierten 15 Kinder im Alter zwischen acht und zwölf Jahren aus Salzburg und Umgebung im Soderkaser auf der Loferer Alm das neue Stück »Sehnsucht« für das Salzburger Adventsingen ein. Als einziges bayerisches Kind ist schon im zweiten Jahr Monika Schöne aus Bischofswiesen dabei.


Das zehnjährige Mädchen spielt im Stück die »Liesl«. Da sie gleich zwei Instrumente beherrscht, ist sie bei beiden Ensembles der Hirtenkinder dabei: mit der Blockflöte bei der Stubnmusi und mit der Klarinette bei der Tanzlmusi. »Mit der Flöte habe ich mit vier oder fünf Jahren angefangen«, verrät sie. Daheim spielt sie auch in einem Blockflötenensemble Renaissance- und Barockmusik. Auf die Klarinette kam sie durch ihren älteren Bruder, der sie auch bläst: Der Klang gefiel Monika so gut, dass sie dieses Holzblasinstrument unbedingt auch erlernen wollte. Ein bisschen aufgeregt sei sie letztes Jahr vor den Auftritten im Festspielhaus schon gewesen, gesteht sie. »Aber des is eh net so schlimm, weil ma bloß de ersten zwoa Reihen sieht«, erzählt sie.

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Die Proben des Hirtenspiels sind schon zum 12. Mal auf der Loferer Alm. Bereits seit Ostern hatte sich eine größere Gruppe mit Hildegard Stofferin wöchentlich zum Singen getroffen. Spielerisch gewannen die Kinder mit modernem Liedgut, Volksliedern und was immer ihnen Spaß machte Freude am Singen, rhythmische Sicherheit und Übung im schnellen, deutlichen Artikulieren. Im Juli wurden dann die vier Mädchen und elf Buben für die Neuinszenierung ausgesucht.

Sofort nach dem Beziehen des Matratzenlagers im Soderkaser wurden die Instrumente ausgepackt und mit dem heiteren Hirtenlied »Heissa Buam, steht's gschwind auf!« die Proben eröffnet. Neuzugang Simon Eichinger (8) aus Kuchl probierte am ersten Abend alle Instrumente aus. »Am meisten gefällt mir das Bassflügelhorn«, schwärmt er. Auf der Hütte wuchs die muntere Schar so richtig zusammen. Hoch her ging es bei einer Almwanderung, bei der Geburtstagsfeier von zwei Hiatabuam und beim freien Musizieren nach dem Pflichtprogramm.

Gudrun Köhl-Korbuly kümmert sich als »Hüttenmutter« darum, dass sich die jungen Musikanten wohl fühlen und kein Heimweh aufkommt. Dafür ist bei der heuer besonders guten Stimmung ohnehin gar keine Zeit. »Das ist eine super Gruppe«, findet Regisseurin Caroline Richards. Wichtig ist ihr, dass jedes Kind eine Rolle hat, mit der es sich identifizieren kann. Immer wieder staunt sie, wie sich die Kinder den gesamten Hirtenspiel-Text auswendig merken. So ist unkompliziertes, spontanes Einspringen möglich, wenn ein Akteur ausfällt oder seinen Satz nicht mehr weiß.

Das von Gesamtleiter Hans Köhl ausgewählte Lied- und Musikgut aus dem Salzburgischen und dem Steirischen studiert der Unkener Musiklehrer Simon Haitzmann ein. »Auf die Erfahrung der Kinder, wie ein Ländler oder ein Schleuniger funktioniert, können wir gut aufbauen«, zeigt er sich zufrieden. »Innerhalb kurzer Zeit muss hier sehr viel passieren und wird viel improvisiert«, beschreibt er den Reiz der immer wieder überraschenden Hüttenproben. Unterstützt wird er von Markus Helminger, ein früherer Hiatabua, der das Paschen und den Text mit den Kindern übt.

Neben Geige, Gitarre, Bassgeige, Akkordeon, Steirischer Harmonika, Hackbrett, Flöten, Klarinetten, Trompeten, Tenorhorn und Schwegel ist heuer erstmals wieder ein Dudelsack bei der Hirtenmusik dabei. Das »Hümmelchen« wird derzeit in Graz gebaut. Musiklehrer Michael Vereno, der Anfang der 90er Jahre das letzte Kind war, das beim Salzburger Adventsingen den Dudelsack spielte, wird das Spiel Simon Nagl innerhalb von zwei Monaten beibringen. Bis ins Spätmittelalter war der ursprünglich aus Indien stammende Dudelsack im Alpenraum verbreitet.

Für die Kinder, die aus dem »Hirtenalter« herauswachsen, gibt es übrigens ein schönes Abschiedsritual: Bei einem Skitag im Februar oder März, meist auf der Loferer Alm, bekommen sie eine Urkunde und ein Tonrelief von der Hirtenkindergruppe, am Tegernsee gebrannt nach einem alten Wachsrelief, wie es die Hirtenkinder bereits in den 50ern erhielten. Veronika Mergenthal