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Alpin-Trainer Berthold will seine Karriere beim DSV beenden

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Mathias Berthold
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Mathias Berthold trainiert die Herren im deutschen Alpin-Team. Foto: Marco Trovati Foto: dpa

Mathias Berthold ist einer der besten Trainer im alpinen Ski-Zirkus. Unter seiner Anleitung sind die deutschen Abfahrer nahe an die Weltspitze gerückt. Am Ziel sieht sich der Österreicher aber noch lange nicht. Seine Karriere will er als Coach beim DSV beenden.


Bormio (dpa) - Mathias Berthold weiß, wie man Olympiasieger macht. Unter seiner Regie holten Maria Höfl-Riesch und Viktoria Rebensburg Gold bei den Winterspielen 2010, vier Jahre später feierte er Olympiasiege im Slalom und der Abfahrt als Cheftrainer seines Heimatlands Österreich.

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Schon bei seiner Rückkehr im Sommer 2014 sprach er davon, mit den deutschen Speedfahrern in Pyeongchang um Medaillen fahren zu wollen - die jüngsten Ergebnisse machen das Vorhaben realistisch wie nie.

Dritter Platz in Beaver Creek, Sieg in Gröden: Warum sind die Speedfahrer im Deutschen Skiverband derzeit so gut?

Mathias Berthold: Gute Arbeit. Der Christian (Schwaiger, Speed-Trainer, Anm.) und die Crew, die sind einfach Weltklasse. Und die Jungs. Ich habe die schon beobachtet, als ich noch Trainer in Österreich war. Ich wusste, wie sie im Training fahren und war überzeugt, dass die was können. Warum es jetzt so läuft: Weil wir als Team extrem gut sind. Wir sind sehr kritisch, sehr direkt. Aber es wird nie persönlich.

Als Sie zurück zum DSV kamen, gab es Überlegungen, Abfahrt und Super-G einzustellen. Sie wollten diese Mannschaft unbedingt. Warum? 

Berthold: Als ich mit Wolfi (Alpinchef Wolfgang Maier, Anm.) über meine Rückkehr geredet habe, sagte er, Olympiasieger in der Abfahrt oder Kitzbühel-Sieger würde es nicht geben. Ich fragte: Warum nicht? Das ist das Ziel. Die Abfahrt in Kitzbühel zu gewinnen, Olympia-Gold in der Abfahrt, das ist einfach das Größte. Wer Kitzbühel gewinnt, ist unsterblich. Also habe ich mich mit den Abfahrern zusammengesetzt.

Was war die Botschaft im ersten Gespräch?

Berthold: Ich habe ihnen gesagt: Eigentlich gibt es euch nicht mehr. Aber ich stehe 1000-prozentig hinter dem Programm. Und meinte: Ihr habt mit Christian den besten Trainer, wir unterstützen euch. Von Wolfi wollten wir Zeit. Es durfte nicht nach drei Rennen gepoltert werden. Zauberei gibt es nicht, wir brauchten einfach Zeit. Die haben wir bekommen. Wir sind aber noch lange nicht da, wo wir hin möchten.

War dieses Potenzial bei den Speedfahrern der Grund, dass Sie zum DSV gekommen sind? Oder doch die Techniker um Neureuther?

Berthold: Das ganze Paket. Ich war ja früher sieben Jahre bei den Damen. Wolfi und ich, wir schätzen uns und können gut miteinander. Das Umfeld war wichtig. Und ich fühle mich wohl. Meine berufliche Heimat ist 1000 Prozent der DSV. Ich werde nie mehr irgendwoanders Trainer sein. Meine Planung ist beim DSV. Ich brenne für die Aufgabe.

Ferstl, Sander, Dreßen, alle betonen immer: Die Trainer haben den Sportlern vertraut. Warum sind Vertrauen und Glaube so wichtig?

Berthold: Weil sie das vorher nach eigener Aussage nicht hatten. Wir haben ihnen mehr vertraut, als sie sich selbst vertraut haben. Ich glaube, die sehen sich immer noch nicht da, wo sie sein können.

Wo können sie denn sein?

Berthold: An guten Tagen können wir vorne mitfahren, das haben sie jetzt bewiesen. Wenn ein Svindal einen guten Tag hat, dann geht das sicher nicht. Das ist perfekt, der Kerl ist wahnsinnig. Aber dahinter kommen dann schon auch wir. Technisch sind wir gleich gut wie die Topleute aus meiner Sicht. Es fehlt einfach noch das ein oder andere.

Nach einem Sieg und einem dritten Platz: Geht da noch mehr?

Berthold: Von den Platzierungen her können wir sicher noch besser werden. Für die nächste Zeit wünsche ich mir aber vor allem, dass die Jungs gesund bleiben. Wir müssen uns stabilisieren für ein oder zwei Rennen, das gibt Sicherheit und Selbstvertrauen. Aus einer solchen Situation heraus können wir nach ganz vorne angreifen.

Jetzt kommen Bormio, Wengen, Kitzbühel, Garmisch und dann Olympia. Welches Speed-Rennen ist Ihnen persönlich am wichtigsten?

Berthold: Den höchsten Stellenwert hat Olympia, dann kommt Kitzbühel. Aber es wird kein erfolgreiches Olympia geben, wenn es davor kein gutes Bormio, Wengen, Kitzbühel und Garmisch gibt.

Wer über Kitzbühel redet, spricht auch über Gefahren im Skisport. Wie oft müssen Sie das Thema ansprechen?

Berthold: Dass es gefährlich ist, wissen wir. Wir als Trainer tun, was wir können. Wir haben Athleten in Kitzbühel und Val d'Isère schon nicht starten lassen oder Trainings umgeplant, weil es zu gefährlich war. Das wissen die Jungs: Wenn es gefährlich ist, sind wir nicht dabei. Das schätzen sie, und deswegen vertrauen sie uns auch.

Wenn sich Ihre Athleten verletzen, wie zuletzt Felix Neureuther oder Stefan Luitz, wie sehr nimmt Sie das mit?

Berthold: Brutal. Brutal. Das ist das Schlimmste. Ich denke sehr oft nicht wie ein Trainer, sondern wie ein Athlet, und ich kann mich brutal gut in die Jungs hineinversetzen. Das ist schon hart. Felix hat brutal viel Zeit investiert, weil er gut sein wollte. Dieser Aufwand ist mit einem Fingerschnippen weg. Auf der anderen Seite ist er jetzt bei seiner kleinen Familie, man muss die Dinge schon auch in Relation sehen. Aber als Stefan sich verletzt hat - puh. Wenn deine besten Athleten in einer Klinik nebeneinander liegen, das ist hart.

ZUR PERSON: Berthold ist zum zweiten Mal Cheftrainer beim Deutschen Skiverband. In seiner Zeit als Chef der Damen wurde Maria Höfl-Riesch 2010 Doppel-Olympiasiegerin, Viktoria Rebensburg gewann Olympia-Gold im Riesenslalom. Bertholds Sohn Frederic ist Abfahrer in Österreich.

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