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Als Autor und Mensch unvergessen

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Die Protagonisten beim letzten Treffen der Chiemgau-Autoren: (von links) Karl-Heinz Austermeyer, Helga Castellanos und Hans-Peter Kreuzer. (Foto: Witt)

»Der Reinhard Hauswirth ist vor lauter Schreiben nicht zum Publizieren gekommen«, meinte Uta Grabmüller, die das letzte Literaturtreffen der Chiemgau Autoren im gut besuchten Studio 16 in Traunstein moderierte.


Reinhard Hauswirth, Vorstandsmitglied im Verein »Chiemgau-Autoren e.V.«, war Anfang des Monats nach schwerer Krankheit verstorben. Eine Veröffentlichung seines Schaffens soll aber nachgeholt werden. Ein Versprechen, das ihm Helga Castellanos am Krankenbett gegeben hatte. Die Schriftstellerin, Übersetzerin und Leiterin des Literaturkreises Saaldorf-Surheim würdigte den kürzlich verstorbenen Reinhard Hauswirth als einen herausragenden Mundartdichter und überaus liebenswerten, hilfsbereiten Menschen, der viele Literaturschaffende in unserem Raum vorbildlich unterstützt hat.

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Helga Castellanos trug ausgewählte Stücke seiner Wortkunst vor, in denen viel an Hintergründigkeit und Humor zum Ausdruck kommt. Die Freiheit des Autors empfand Reinhard Hauswirth als Privileg. Jedenfalls klingt es so in seinem Gedicht »Ich bin so frei«, wenn er da am Ende von seinen Hunderten von Welten spricht, die er ersinnen kann, und die alle einen gemeinsamen Namen haben: »Fiktion«.

Uta Grabmüller stellte dann den Autor Hans-Peter Kreuzer vor. Er war in seinem Berufsleben Anwalt. Im Ruhestand schreibt er Romane, Kurzgeschichten und Gedichte, die er im Selbstverlag herausbringt. Für die Lesung wählte er ein Kapitel aus seinem neuesten Buch »Anwalt Happinger – Der Mietnomade und andere kuriose Fälle«. Kreuzer profitiert natürlich hier von langjähriger Berufserfahrung und dem ihm eigenen Interesse am Allzumenschlichen. Sein Anwalt Happinger wird aufgesucht und um Rechtsbeistand ersucht von einem Gennaro Loppio. Dieser hat entdeckt, dass sein Nachbar mittels eines Lochs in der Wand regelmäßig sein Liebesleben ausspioniert hatte. Wie nun dieser Sizilianer – begleitet von seiner sichtlich genervten Verlobten – dem Happinger darlegt, was sich da im Schlafzimmer abgespielt hat, das war urkomisch im Text und im Vortrag durch den Autor.

Wie immer wurde auch an diesem Abend eine Lesung unter den anwesenden Autoren verlost. Vom Glück begünstigt war Karl-Heinz Austermayer, der – passend zur Jahreszeit – weihnachtliche Themen beisteuern konnte. In einem seiner tiefsinnigen Mundartgedichte beschäftigte er sich mit dem Wort »Warten« als mittlerweile rare Alltagserfahrung im Sinne von Geduld haben können, aber auch in der Bedeutung von Advent, als Ausschau halten auf die Ankunft Christi. Beim Thema »Geschenke« machte er darauf aufmerksam, dass man die wertvollsten Dinge der Welt nicht kaufen kann: die Liebe, den Frieden und die Gesundheit.

Am Ende dieses sehr kurzweiligen Abends gab Uta Grabmüller bekannt, dass die Textwerkstatt auch im kommenden Jahr fortgeführt wird. Interessierte, die professionelle Unterstützung für ihr eigenes Schreiben erhalten wollen, können sich bei ihr melden. Meike K.-Fehrmann, die Vorsitzende des Vereins, machte auf einige Programmpunkte im Jahr 2019 aufmerksam, wie z.B. die Teilnahme an den Chiemgauer Kulturtagen. Das nächste Treffen der Chiemgau Autoren findet am 28. Januar um 19 Uhr im Studio 16 statt. Peter Witt

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