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Als drei Brüder auf die Sunnseitn des Ramsauer Tals zogen

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Ramsau: Stöckl-Brüder bauten das Haus »Drischlag« – Geschichte der »Dri-ein«
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Das Haus »Drischlag« an der Holzengasse gibt es seit 1932.

Ramsau – Die »Dri-ein« sind bekannt, nicht nur in der Ramsau. Der Hausname der Familie Stöckl bezieht sich auf das Haus »Drischlag«, das einst drei Brüder erbauten. Christoph Karbacher hat sich für diese ganz spezielle Ramsauer Familiengeschichte interessiert und sie in einem Bericht zusammengefasst.

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Im engen Tal der Ramsau war es natürlich, dass sich die Bauernlehen auf den beiden Seitenhängen ansiedelten.

Mit Glück konnte man sich einen Platz auf der Sunnseitn sichern. Aber die Ramsauer auf der Schattseitn, meist fröhlicher und einfallsreicher, waren deshalb nicht verdrießlich.

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Seppl, der Drechsler, und Franz, der Wagner, arbeiten in ihrer gemeinsamen Werkstatt am Ramsauer Mühlbach.

Genau im Talgrund, an der Ache, stand das Haus »Saxen«, ein schönes altes Bürgerhaus. Direkt an der Dorfstraße und nahe der Kirche. In diesem Haus »Saxen« wohnte um 1900 eine Forstarbeiterfamilie mit zwölf Kindern. Die Familienmitglieder waren also beengte Wohnverhältnisse gewohnt. Deshalb entschlossen sich drei Brüder dieser Familie Stöckl im Jahre 1927 zu einem wagemutigen Schritt: Sepp, Franz und Toni begannen zu dritt und eigentlich ohne Geld, ein gemeinsames Haus zu bauen.

In brüderlicher Gemeinsamkeit wurde der Entschluss in die Tat umgesetzt. Schon mit dem Grundstück auf der Sunnseitn hatten sie ja Glück gehabt, deshalb vertrauten sie weiterhin auf den Segen Gottes. Bei den skeptischen, aber trotzdem wohlwollenden Dorfbewohnern bekam das Haus der drei Brüder den bezeichnenden Namen »Drischlag«.

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Bergführer Uli Stöckl.

Der »Drischlag«-Hausbau an der Holzengasse zog sich wegen fehlender Mittel über volle fünf Jahre hin. Erst 1932 konnten die drei Brüder mit Stolz folgenden Spruch in die Dachbalken schnitzen:

»Drischlag wird dies Haus geheißen, ist gut zu sagen, man braucht sich nicht die Zung abbeißen. Um ihr eigen Heim zu gründen, 3 Brüder sich taten zusammenfinden. Ihre Namen tun sie hier bekannt: Seppl, Franz und Toni Stöckl benannt. 5 Jahre bauten wir am Haus, die Zeit war schwer und teuer, gar oft war uns die Stirne kraus, doch fertig wurd' es heuer. Gott sei Dank anno 1932. Am eignen Nest halt Dich fest.« Anton Stöckl war im Übrigen ein begnadeter Künstler. Noch heute erinnern viele Denkmäler und Plastiken an ihn.

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Toni Stöckl.

Am bekanntesten ist sicher das Brunnenbuberl in der Metzgergasse. Anton wurde Leiter der Holzschnitzschule. Tragischerweise verstarb er dann im Zweiten Weltkrieg in russischer Gefangenschaft. Viele Nachfahren der »Dri-ein« sind in der Ramsau noch sehr präsent. Der erst kürzlich verstorbene Bergführer Uli Stöckl war der Sohn von Sepp Stöckl.

Bis zuletzt erlebte man den Uli als zähen Kämpfer bei der Watzmann-Gams. Dann ließ seine »Schmalz« plötzlich nach. Sein überraschend schnelles Ableben wurde von allen Bergfreunden bedauert. Uli verstarb im Januar 2019. Bernhard Stöckl ist sein Bruder und der Volkstänzer Sylvest ebenfalls. Die Schwestern Rike Woodcock und Anneliese leben auch noch, letztere in München. Noch lebende Drischlager wären dann noch Stefan, Richard und Martin, alle drei Kinder von Franz, und dann noch Toni und Stefanie.

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Drei »Drischlager« (v.l.): Toni und Anneliese Stöckl sowie Stefanie Kick.