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»Als Trainer musst du viel offener sein«

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Gut gelaunt beim gemeinsamen Training: Trainer Andi Birnbacher (links) und Simon Schempp. (Foto: Wukits)

Vor zweieinhalb Jahren hat Andi Birnbacher nach der Biathlon-Weltmeisterschaft in Oslo seine sportliche Karriere beendet. Seinem Sport ist der Schlechinger jedoch treu geblieben. Der 37-Jährige macht derzeit seine Trainerausbildung in Köln und ist für die Nachwuchsbiathletinnen des DSV als Trainer zuständig.


Sieben Sportlerinnen hat er unter seinen Fittichen, die im IBU-Juniorcup starten werden. Dazu ist er am Stützpunkt Ruhpolding für das Training mit Simon Schempp verantwortlich. Nach seiner Verletzung und einer OP an der Schulter hat er zusammen mit Birnbacher an seiner Fitness gearbeitet. »Er hat viel Erfahrung und weiß, was er zu tun hat. Ich habe in meiner Karriere auch einige Verletzungen gehabt und kann ihm da mit Tipps zur Seite stehen. Wichtig ist, die Moral hochzuhalten, ihn aufzubauen und die Ruhe zu bewahren«, erklärt Birnbacher. In solchen Situationen gilt es oft, den Kopf des Sportlers zu erreichen.

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Schempp gilt allgemein als gereifter, geradliniger und kompromissloser Athlet, was seinen Weg betrifft. »Er ist einer, den du nicht zum Training prügeln musst. Er kommt von alleine und ist eher jemand, den man bremsen muss«, beschreibt er seinen Schützling, mit dem ihn ein freundschaftliches Verhältnis verbindet. Beide kennen sich gut und waren während der sportlichen Laufbahn von Birnbacher auch Zimmergenossen.

Ob Schempp bis zum Saisonstart im November fit werden wird, ist noch offen. »Wir haben noch ein paar Baustellen und gehen konzentriert an die Sache heran. Ich denke wir schaffen es, dass er rechtzeitig international konkurrenzfähig ist.« Aus seiner Erfahrung weiß der ehemalige Biathlet, wie wichtig ein guter Einstieg in die Saison ist. Davon kann oft der ganze Winter abhängen. »Natürlich ist es möglich, im Verlauf einer Saison Highlights zu setzen. So ist es ihm in der vergangenen Saison mit der Silbermedaille bei Olympia gelungen. Trotzdem wollen wir mit einem ordentlichen Ergebnis in die ersten Weltcups einsteigen.«

Hauptaufgabe des Schlechingers ist aber die Betreuung der Juniorinnen. Unter den sieben Sportlerinnen sind mit Franziska Pfnür von der SK Ramsau und Sophia Schneider vom SV Oberteisendorf auch zwei heimische Athletinnen. Nach der Neuordnung des Juniorenalters wurden die 21-Jährigen von den Senioren zu den Junioren zurückgestuft. »Sophia ist unsere Spitzenathletin und sehr talentiert«, beschreibt er sie. »Allerdings muss sie sich auch mal bei den 'Big Points' selber beweisen, heißt eine Medaille bei einer Juniorenweltmeisterschaft anstreben. Sie muss die Bremse im Kopf überwinden, um richtig gut dabei zu sein. Da tut ihr jetzt das zusätzliche Jahr bei den Junioren ganz gut«, gibt er ihr auf den Weg.

Positiv überrascht hat ihn Franziska Pfnür mit dem Gewinn der Silbermedaille bei der Junioren-WM. »Das war eine tolle Leistung, von der sie, glaube ich, selbst ein wenig überrascht war«, so Birnbacher über die 19-Jährige. Betreuen wird er seine Sportlerinnen bei den Trainingslehrgängen und den Wettkämpfen im IBU-Juniorcup. »Wir haben noch einiges an Arbeit vor uns. Die Spitze der Senioren ist noch einiges entfernt. In den nächsten Jahren wollen wir diese Lücke schließen und näherkommen.« Seine Rechnung ist klar, pro Jahr sind Leistungssprünge von bis zu zwei Prozent möglich. Derzeit beträgt der Rückstand auf die Weltspitze 15 Prozent. »Das ist zu viel und es braucht viel zu lange, um das aufzuholen. Da spielen auch die Behörden, die die Sportler fördern, nicht mit. Also müssen wir den Nachwuchs schneller an das Weltcupteam heranbringen.« Deswegen gibt es für Birnbacher eine klare Ansage: »Ich muss den Sportlerinnen klar machen, dass es ein harter und steiniger Weg wird. Spitzensport ist kein Zuckerschlecken.«

Für den jungen Trainer ist die Arbeit mit seiner Truppe eine ganz andere Ausgangsposition als etwa die Zusammenarbeit mit Simon Schempp. »Man muss die Mädchen aber nicht vorsichtiger anpacken als die Jungs. Die verstehen auch Kritik und von der Motivation sind keine Unterschiede da. Vor allem sind sie jedoch Menschen und keine Maschinen. Sie sind alle verschieden und ich muss das Gespür dafür aufbringen – das muss ich aber auch noch lernen«, gibt er zu.

Der Vorteil dabei: Birnbacher weiß, wie es im Spitzensport abläuft. Daher hat er auch ein gutes Auge, auf gewisse »Pappenheimer« wie er sie bezeichnet. Eines hat der Vater von zwei Söhnen auch schon festgestellt. Der Trainerjob bringt mehr Aufwand, als es in seiner sportlichen Karriere der Fall war. Zum Studium in Köln kommt das Training vor Ort. »Ich komme vor den Sportlern und gehe auch später. Dazu sitze ich vermehrt am Computer. Ich mache Trainingspläne und bereite Einheiten vor. Grundsätzlich macht mir das Trainerdasein mindestens genauso viel Spaß wie die Zeit als Leistungssportler. Die Begeisterung für den Biathlonsport ist in mir.«

Noch fehlt ihm die Erfahrung als Trainer. »Als Aktiver habe ich in meinem eigenen Kosmos gelebt. Als Trainer musst du viel offener sein.« Seine Zukunft als Trainer im Biathlon sieht er pragmatisch. »Die Sportler sollen sagen, die Arbeit mit dem Andi hat mir was gebracht. Ich muss aber nicht in fünf Jahren Trainer im Weltcup sein, das steht noch gar nicht zur Debatte«, meint er bescheiden. SHu