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Alte Bäume mussten Straßenausbau weichen

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Jetzt ragen nur noch Stümpfe aus der Wiese: Im Bereich der Böschung beim Haus Rufinus in Seeon wurden mehrere alte Eichen gefällt. Das war nach Angaben des Landratsamts »unausweichlich« notwendig, um die Kreisstraße zwischen Kloster Seeon und der Gemeindegrenze Pittenhart auf einer Länge von 600 Metern auszubauen. (Foto: Rasch)

Seeon-Seebruck – So manchem Seeoner blutet das Herz: Wo früher alte Eichen standen, ragen jetzt nur noch Stümpfe aus der Wiese. An der Kreisstraße TS 22 zwischen Seeon und Wattenham wurden mehrere Bäume und Sträucher entfernt.


Dass die zum Teil über 100 Jahre alten Bäume der Motorsäge zum Opfer gefallen sind, ist dem Straßenausbau geschuldet. Der marode Abschnitt der Straße zwischen dem Haus Rufinus und der Gemeindegrenze Pittenhart wird auf einer Länge von 600 Meter erneuert und auf bis zu 5,50 Meter verbreitert.

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Nach Informationen der Gemeinde handelte es sich um Bäume mit einem stolzen Alter. »Leider ist es so, dass zwei der gefällten Bäume älter als 100 Jahre waren, was anhand der Jahresringe an den Stümpfen feststellbar ist. Die anderen vier Bäume dürften zwischen 50 und 60 Jahre alt gewesen sein«, bestätigte Bürgermeister Bernd Ruth auf Anfrage des Traunsteiner Tagblatts. Ruth bedauerte auch, dass die Gemeinde vom Landkreis Traunstein als Straßenbaulastträger der Kreisstraße von der Baumfäll-Aktion sehr kurzfristig in Kenntnis gesetzt worden sei: »einen Tag zuvor«.

Dass die Bäume gefällt wurden, ohne die Öffentlichkeit davon in Kenntnis zu setzen, kritisiert auch Max Bräutigam aus Seeon, der den Stein ins Rollen gebracht und sich an die Presse gewandt hat. »Ich bin erschrocken, als ich das gesehen habe«, sagte Bräutigam. Er sei in der Großstadt aufgewachsen und habe vielleicht auch deshalb eine höhere Sensibilität für die Natur.

Die Verwaltungsbeamten hätten sicher korrekt gehandelt. Aber der Bürger empfinde anders, so Bräutigam. Nämlich, dass ohne Notwendigkeit und Zweck, vermutlich in einer Nacht- und Nebel-Aktion unter Ausschluss der Öffentlichkeit die Bäume umgesägt und entsorgt worden seien.

Die Pressestelle des Landratsamtes Traunstein teilte auf Anfrage mit, dass an der Kreisstraße TS 22 noch heuer der marode Abschnitt zwischen Seeon und Wattenham auf einer Länge von 600 Metern erneuert und auf bis zu 5,50 Meter verbreitert werde. Im Bereich des Einschnitts betrage die Straßenbreite derzeit nur etwa vier Meter. Bei Gegenverkehr entstünden dadurch erhebliche Probleme und Gefahren für die Verkehrsteilnehmer. Deshalb sei es unausweichlich gewesen, auf einer Seite der Straße einige Bäume zu fällen. Da die nördliche Böschung deutlich stärker bewachsen sei, seien die Bäume an der südlichen Böschung gefällt worden. Nach Abschluss der Straßenbaumaßnahme sollen an der südlichen Böschung vier Eichen neu gepflanzt werden.

Die Abholzung der Eichenallee hat auch Gerd Raepple auf den Plan gerufen. In einem Antrag an die Landkreisbehörde fordert er, den Nordteil der Eichenallee an der Kreisstraße zwischen Seeon und Pittenhart, die Eichenallee entlang der Staatsstraße 2094 (Seebruck–Obing) von Scheitzenberg bis zum Parkplatz vor dem Kloster Seeon und die historische Zufahrts-Allee zum Kloster im Bereich des Gemeindeparkplatzes als Naturdenkmäler festzusetzen.

Nach Angaben der Pressestelle des Landratsamtes sei es grundsätzlich möglich, »Einzelschöpfungen der Natur« aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen oder landeskundigen Gründen oder wegen ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit als Naturdenkmal unter Schutz zu stellen. So sollen jetzt die drei angeführten Bereiche durch den fachlichen Naturschutz und den Kreisgartenfachberater besichtigt werden. Anschließend werde beurteilt, ob es sich hierbei um eine einzigartige Eichenallee oder um besonders alte und seltene Großbäume handle, die für den Landkreis herausragende Bedeutung haben und die Kriterien für ein Naturdenkmal erfüllen. Je nach Beurteilung entscheide dann das Landratsamt, ob ein sogenanntes Inschutznahmeverfahren eingeleitet werde. ga