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Alte Reliquie in neuem Kunstwerk

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Pfarrer Thomas Frauenlob (l.) und Pfarrverbandsratsvorsitzender Michael Koller sind voller Eifer bei der Arbeit. Damit der Schrein und das Porträt perfekt passen, muss der Augustiner-Altar ausgemessen werden. (Foto: Voss)
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Bisher stand die Reliquie, die Kniescheibe des seligen Paters Stanggassinger, unbeachtet im vorderen Kirchenteil. (Foto: Pfnür)

Berchtesgaden – Die Reliquie des seligen Paters Kaspar Stanggassinger in der Stiftskirche bekommt einen eigenen Schrein. Ein Künstlerpaar hat diesen in sechs Monaten geschaffen. Am Sonntag wird er um 18 Uhr in einem feierlichen Gottesdienst von Kardinal Wetter enthüllt. Obendrein hat Walter Angerer der Jüngere den seligen Stanggassinger in einem »zeitgenössischen« Portrait verewigt, wie Pfarrer Thomas Frauenlob bei einem Treffen mit dem »Berchtesgadener Anzeiger« verrät. Das Bild, das auch erst am Sonntag enthüllt wird, setze »neue Akzente in der Kirche«, so der Pfarrer.


Noch wirkt der Augustiner-Seitenaltar in der Stiftskirche karg und leer. Morgen aber kommt das Künstlerehepaar Bernhard und Susanna Lutzenberger aus Bad Wörishofen. Sie haben den neuen Schrein für die Reliquie, die Kniescheibe des seligen Stanggassinger, im Gepäck und bauen ihn auf dem Platz auf. Auch das Portrait des Seligen, gemalt von Angerer dem Jüngeren, findet seinen Platz an der Wand neben dem Altar. Beides soll »zeitgenössisch« und »modern« werden, so, wie auch der Pater Zeit seines kurzen Lebens gehandelt hat (siehe Kasten).

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Pfarrer Thomas Frauenlob und Pfarrverbandsratsvorsitzender Michael Koller sind mitten in den Vorbereitungen, vermessen den Altar, schreiben die Maße auf und geben alle Informationen weiter. »Die Künstler können ja nicht immer zum Vermessen herfahren«, erklärt Michael Koller. Es herrscht Aufregung, denn die Zeit wird knapp. Bis Sonntag muss alles an seinem Platz sein. Denn dann kommt Friedrich Kardinal Wetter, in dessen Zeit als Erzbischof von München-Freising Stanggassinger selig gesprochen wurde.

Der Schrein besteht aus Tombak, also dunkler Bronze. Darin soll das Reliquiar, das von Alfred Essler geschaffen wurde, seinen Platz finden. Stanggassinger wurde seinerzeit im Taufbecken der Stiftskirche getauft, daher kommen in den Schrein auch die Ölgefäße. Das heißt, das Chrisam-Öl für die Taufe, Firmung und Altarweihe, das Katechumenenöl für die Taufbewerber, und das Krankenöl für die Kranken.

»Die Tür des Schreins ist eine vergoldete Fräsarbeit, mit der Biografie von Stanggassinger, die sich an dem Ort Stiftskirche orientiert«, informiert Frauenlob weiter. Daneben wird eine Stele aus dem selben Material aufgestellt. Dort hinein kommt das von Angerer dem Jüngeren geschaffene Bild. »Das Bild enthält eine Verbindung mit diesem Ort«, verrät der Pfarrer.

Im Barock habe man »Mords-Schreine« gehabt, mit »Knöcherl« drinnen, die auch beschrieben waren. »Das, was hier herkommt, ist eine moderne Installation, die sich gut in diese gotische Kirche einfügt, die ohnehin sehr behutsam mit dem Raum umgeht«, lautet Frauenlobs Einschätzung des Kunstwerks. »Es ist sehr schlicht, sehr reduziert und passt sich gut der gotischen Gesamtsituation an.«

Der Schrein, das Porträt, der Gottesdienst – Warum wird nun so ein Aufwand betrieben? Frauenlob nennt den Grund: »Der selige Pater Stanggassinger ist das Symbol für den neuen Pfarrverband Stiftsland Berchtesgaden. Er wird auch während des Gottesdienstes als Patron erwählt.«

Friedrich Kardinal Wetter, der 1982 bis 2007 Erzbischof von München-Freising war, zelebriert den Festgottesdienst am Sonntag um 18 Uhr in der Stiftskirche. Papst Johannes Paul II. hatte Stanggassinger 1988 selig gesprochen. »Am Anfang des Gottesdienstes wird Friedrich Wetter das Portrait enthüllen«, gibt Frauenlob einen Überblick über das Programm. »Erst danach werden die Liedhefte verteilt, auf denen das Bild auch abgedruckt ist.« So können sich die Besucher schon ihre ersten Gedanken zu dem »bunten« und »zeitgenössischen« Bild machen, fügt der Pfarrer mit einem Schmunzeln hinzu. Von diesem Bild gibt es hundert Siebdrucke. Diese wurden vom Künstler noch einmal nachbearbeitet. Einen bekommt der Kardinal geschenkt, die anderen wird es auch zu kaufen geben. Mit dem Erlös wird wiederum der Schrein bezahlt, der auch hauptsächlich durch Spenden finanziert wurde.

Die Chöre des Pfarrverbands und die Dürrnberger Bläser gestalten die Messe. Zum Schluss wird dann die Reliquie, »also die Kniescheibe von Stanggassinger«, in einem Gefäß in einer feierlichen Prozession durch die Kirche getragen und dann in den Schrein eingesetzt. Kardinal Wetter spricht ein spezielles Gebet zum Pfarrverband. Stanggassinger wird anschließend als Patron des Pfarrverbands erwählt.

Zum Schluss hat der Pfarrer noch ein Schmankerl für die Kirchgänger: »Im Anschluss gibt es draußen im Kreuzgang einen sehr romantischen Empfang, eine Agape. Dazu sind alle eingeladen.« Annabelle Voss

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