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»Am Anfang war der Mord«…

Einen Krimiabend der besonderen Art präsentierte die Autorin Julie Fellmann mit den Musikern Mulo Francel von Quadro Nuevo und Ralph Stövesandt in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS. Julie Fellmann stellte Passagen aus ihrem Erstlingswerk »Nacht der Einsamen« vor, realistisch, empathisch und humorvoll verfasst, begleitet und untermalt von extravaganter Musik, unter anderem mit einem »Ding, das ohne weiteres als Mordinstrument geeignet wäre«, und berichtete auch freimütig über ihre Arbeit.

Unsere Fotos zeigen (v. l.) die Musiker Ralph Stövesandt und Mulo Francel sowie die Krimiautorin Julie Fellmann. (Fotos: Heel)

Eine neblige Nacht. Eine Frau läuft durch einen einsamen Wald und stürzt. Sie fühlt sich verfolgt. In derselben Nacht wird der Bürgermeister des Dorfes erhängt in seinem Wohnzimmer gefunden. Wenig später eine Frau, die ziemlich zur selben Zeit ermordet wurde wie das Gemeindeoberhaupt, doch trotz aller Bemühungen lässt sich zwischen beiden Fällen kein Zusammenhang herstellen. Niemand hat etwas gehört oder gesehen, die Ermittler tappen buchstäblich im Dunklen, obwohl die Verdächtigen immer mehr werden… .

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Routiniert trägt Julie Fellmann einige Kapitel ihres Krimis vor, einige liest sie persönlich, andere wiederum kommen vom Hörbuch, das Michael Fitz und Caroline Ebner eingelesen haben. Das Publikum erfährt manches über Kommissar Alexander Garcia, der, wie Julie Fellmann berichtet, offensichtlich die Leserschaft ziemlich beschäftigt. Seien es nun Leute, die sich darin wiedererkennen zu vermeinen, oder eben jene, die sich mit seinem Charakter im Positiven wie im Negativen auseinandersetzen. Seine »Gegenspielerin« ist dabei Kollegin Franziska Lorenz. Garcia, der Teilzeit-Frauenheld und Franzi, das stille Wasser. Frau Fellmann hat ihre Figuren geschickt und ausbaufähig angelegt, unterschiedliche Charaktere treffen aufeinander, sowohl im Ermittlerteam als auch im Kreis der Verdächtigen und Befragten, wie die Autorin berichtet, und es dürfte sich beim Lesen sicher die einer oder andere Überraschung ergeben.

Offen, sympathisch und frei erzählt Julie Fellmann über ihre bisherige Arbeit als Drehbuchautorin und Dramaturgin für TV-Serien wie »Ein Fall für Zwei« und andere bekannte Krimiserien. Für die Arbeit an ihrem ersten Kriminalroman holte sie sich Rat bei einem der bekanntesten Mordermittler Deutschlands: Josef Wilfling, ehemaliger Leiter der Mordkommission in München und mittlerweile selbst Autor. Seine wichtigsten zwei Ratschläge: »Sucht das besondere Ereignis im Vorfeld der Tat!« und »Die ersten 48 Stunden sind entscheidend für die Aufklärung eines Mordes.«

Zu ihren Protagonisten stellt sich Julie Fellmann die Fragen nach der größten Angst und der größten Sehnsucht der Person. Auf dieser Basis entwickeln sich die Figuren »von selber weiter« ohne Zutun der Autorin. Für ihr Hörbuch habe sie übrigens 30 Prozent des Textes streichen müssen, was zu der Überlegung führte, wie die Musik die Beschreibung von Gefühlen und/oder Personen übernehmen könnte, um keine Lücken entstehen zu lassen.

Die musikalische Umsetzung für das Hörbuch haben keine geringeren als Quadro Nuevo übernommen. In der Bühnenfassung obliegt dieser Part dem Multiinstrumentalisten Mulo Francel, der, »bewaffnet« mit Klarinetten, Saxofonen, Gitarren und anderen »exotischen Instrumenten«, den Charakteren und Gefühlen der Protagonisten und Stimmungen der Geschichte ein eigenes musikalisches Gesicht gibt. Unterstützt wird er dabei von Ralph Stövesandt, der seiner singenden Säge mit äußerst kreativen Methoden Geräusche und Töne entlockt, die einen gelegentlich das Gruseln lehren und die unheimliche Krimistimmung bildhaft unterstreichen. Seien es nun der sägenpfeifende »Garcias Tango« oder der saxofongeprägte schmissige »Kriminalswing« als Zwischenstückchen und roter Faden des Kriminalprogramms.

Besonders gut kommt auch die extravagante Säge-Sax-Variante von Ravels traumhaftem »Bolero« an. Was jedoch das Konzept besonders gelungen und einzigartig macht, ist die Tatsache, dass Musik nicht nur als Zwischenspiel zur Überleitung ins nächste Kapitel dient, sondern auch auf charakteristische Art und Weise, Vorgetragenes untermalt, ausmalt, Stimmungen und Bilder verstärkt und den Zuhörer unmittelbar und intensiv in das Geschehen mit einbezieht. »Nacht der Einsamen« gibt es als Taschenbuch sowie als sechsteiliges Hörbuch mit Musik von Quadro Nuevo. Maria Ortner