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Am Ende des Jahres fehlten rund 160.000 Euro

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Traunstein: Bewirtschaftung des Stadtwaldes ergab erneut Defizit – Holzpreise sinken
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Mit Abstand die höchsten Einnahmen bei der Bewirtschaftung ihres Waldes erzielt die Stadt über den Holzverkauf. (Foto: Pültz)

Traunstein – Erneut zu einem Fehlbetrag führte die Bewirtschaftung des Stadtwaldes. Wie der Jahresrechnung 2019 zu entnehmen ist, erzielte die Stadt Einnahmen in Höhe von 276.000 Euro. Ihnen standen 437.000 Euro an Ausgaben gegenüber. Als Hauptgrund für das 161.000 Euro hohe Defizit nannte Stadtförster Gerhard Fischer im Ausschuss für Mobilität, Umwelt und Nachhaltigkeit des Stadtrats, dass die Einnahmen um ein Drittel wegbrachen – und zwar vor allem deswegen, weil die Holzpreise in den Keller rutschten.


Jede Menge Wald besitzt die Stadt. Im Bügerwald und im Haidforst ist sie Grundstückseigentümerin, ebenso in Froschham. Und über die Stiftung Haselberger verfügt sie über Waldungen in Truchtlaching. In seinem Jahresbericht 2019 sagte Fischer, dass die Stadt im vergangenen Jahr etwa 2,6 Hektar übernommen habe – womit sich die gesamte Waldfläche auf 614 Hektar erhöht habe.

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Der Stadtförster machte kein Hehl daraus, dass er »etwas in Sorge« sei, wenn er sich das Betriebsergebnis 2019 anschaut. »Bis vor drei Jahren hatten wir immer eine schwarze Null«, sagte Fischer. Dann jedoch kam er: der Preisverfall. Landauf, landab brachten die Waldbesitzer immer mehr Holz auf den Markt – die Konkurrenz stieg. Und letztlich bekam dann auch die Stadt immer weniger in ihre Kasse.

Gerhard Fischer erläuterte, dass sich die Bewirtschaftung des Stadtwaldes in der Hauptsache über den Holzverkauf finanziert. 2019 seien im Stammbetrieb – also ohne die Stiftung Haselberger – 85 Prozent aller Einnahmen über die Entnahme zustande gekommen.

Der Holzeinschlag habe im vergangenen Jahr 5199 Festmeter betragen, so Fischer. 64 Prozent dieser Bäume habe die Stadt aus den Wäldern entfernen müssen, weil sie – bedingt durch verschiedenartige Einwirkungen – Schäden aufwiesen. So sagte Fischer, dass 2350 Festmeter Schneebruchholz, 1050 Festmeter absterbende Eschen und 215 Festmeter Borkenkäferholz angefallen seien.

»Stärkster Preiseinbruch seit Wiebke 1990«

Weil durch das Schneechaos im vergangenen Jahr besonders viel Bruchholz auf den Markt kam, erfolgte laut Fischer der »stärkste Preiseinbruch seit dem Sturm Wiebke 1990«. Der durchschnittliche Erlös für einen Festmeter Holz sei im vergangenen Jahr auf 54 Euro gefallen.

Licht am Ende des Tunnels sieht der Stadtförster nicht. Er geht davon aus, dass die Lage auf dem Markt angespannt bleibt. »Ich habe keine Hoffnung, dass der Fichtenpreis in den nächsten Jahren anziehen wird.«

In seinem Ausblick sagte er, dass alle Bemühungen um die »desolate Situation auf dem Holzmarkt« kreisen. Gerade auch im Bayerischen Wald werde sehr viel Holz gemacht – Festmeter um Festmeter, die dann gerade auch die Verkaufserlöse drücken, die die Stadt Traunstein erzielt. Doch auch eine erfreuliche Nachricht hatte der Stadtförster parat: »Die Eschen sind heuer befallsfrei.« Junge Bäume sprießen, alte regenerieren. Der Stadtwald sei, insgesamt betrachtet, stabil. Er weise keine großen Kahlflächen auf, der Umbau zum Mischwald laufe.

Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer (CSU) betonte, dass die Stadt sehr viel Wert auf die Umgestaltung weg von der Mono- hin zur Mischkultur lege. Denn sie setze sich zum Ziel, dem Wald eine Zukunft zu geben.

»So wie sich der Wald zeigt, ist er ein Traum«, lobte Simon Schreiber (CSU) die Arbeit von Gerhard Fischer und seinen Kollegen. Insbesondere sagte Schreiber auch, dass der Verbiss durch das Wild gering sei. Man merke, dass die Stadt die Jagd in eigenen Händen halte – und dass auch der Förster jagt, was »nicht selbstverständlich ist«.

Angesprochen auf den Wegebau sagte Fischer, dass ihn die Stadt – weil ihr das Personal fehlt – nicht selbst erledige. Die Bewältigung dieser Aufgabe sei fast schon ein Fass ohne Boden. »Der Wegebau ist so teuer geworden, dass wir ihn uns kaum mehr leisten können.« Der Stadtförster erläuterte, dass ein Kubikmeter Kies bereits 20 Euro kostet. »Die Wege werden immer wieder überbelastet«, weiß Fischer aus seiner Erfahrung zu berichten. Sie zu pflegen und zu hegen sei ein »ewiger Kampf«. Er setzt sich zum Ziel, die Wege in einem Zustand zu halten, »dass sich niemand mit dem Radl überschlägt«.

Valentin Rausch (Bündnis 90/Die Grünen) freute sich, dass die Stadt Traunstein über so ausgedehnte Waldflächen verfügt, die sich in so einem guten Zustand befinden. So etwas sei »absoluter Luxus«.