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Hübsch gruselig: »Hänsel und Gretel« als Kindermusical im Traunreuter k1

Am Ende siegen immer die Guten

Am 23. Dezember 1893 in Weimar das erste Mal aufgeführt, zählt Engelbert Humperdincks düstere Oper »Hänsel und Gretel« (das Libretto schrieb seine Schwester Adelheid Wette) seitdem zu den meistgespielten Opern und wird besonders häufig in der Adventszeit aufgeführt. Ein Werk, das aber auch als Kindermusical bestens funktioniert, wie unlängst die Kleine Oper Bad Homburg bei ihrem Gastspiel im ausverkauften Saal des Traunreuter k1 bewies.

Sie ist zwar düster, aber eine der am meisten gespielten Opern: Hänsel und Gretel von Engelbert Humperdinck, hier in einer farbenfrohen und fantasievollen Aufführung im Traunreuter k1. (Foto: M. Heel)

Kindgerecht gekürzt auf gut 70 Minuten und aufgepeppt mit Rock- und Popeinlagen, gelang es dem spielfreudigen Ensemble dabei auf Anhieb, das bunt gemischte Publikum zu begeistern und ihm dieses urdeutsche Märchen auf ganz eigene Weise nahe zu bringen, so spannend wie humorvoll erzählt, mit vielen tollen Einfällen, fantasievollen Kostümen und einem aufwendigen Bühnenbild.

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So war’s zum Fürchten, aber auch zum Lachen, wie Hänsel und Gretel, glänzend gespielt von Jana Degebrodt und Ingrid El Sigai, mit Gesang und Tanz die böse Hexe (Christoph Kögel) ein ums andere Mal überlisteten, oder wie der anfangs »hexentreue« Kater (Wolfgang Vetter) sich am Ende auf die Seite von Hänsel und Gretel schlug und ihnen half, die Hexe in den Ofen zu stoßen. Kögel überzeugte auch in der Rolle des Vaters, und sehr gut war auch der Pianist Markus Neumeyer, der den erstklassigen Operngesang am Flügel begleitete.

Eine Aufführung wie diese lebt aber auch von ihren technischen Tricks und Spezialeffekten: So hüllte eine Nebelmaschine die Bühne in Dunst, während das Hexenbuch beim Öffnen Feuer spie und am Himmel Blitze zuckten. All dies entführte die Zuschauer hautnah in die Welt jener zwei Kinder, die im tiefen Wald ihren Vater suchen und dabei in die Fänge der schauderhaften Knusperhexe geraten. Freudig aufgenommen wurde auch, dass die Hexe obendrein auf einem hölzernen Motorrad daherkam, den Besen verwendete sie nur zum Kehren.

Kurzum, eine wunderbar geglückte Verbindung von Klassik und Moderne, die den jungen Zuschauern einen nachhaltigen Eindruck von der faszinierenden Welt der Oper verschaffte, ohne sie dabei zu überfordern. Und dass die Guten siegten, umso schöner. Wolfgang Schweiger