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Am Pulsschlag Europas

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Der Grundgedanke zum Europakonzert der Universität Mozarteum in Kooperation mit den Bad Reichenhaller Philharmonikern und der Initiative »Pulse of Europe« verweist auf das verbindende Element der Musik und das verbindende Element Europas.


Wie im Orchester Musiker unterschiedlicher Nationalität, ungeachtet ihrer Herkunft und Gewohnheiten, in der Musik eine harmonische Gemeinschaft in die gleiche Richtung bilden, sollten auch die unterschiedlichen Länder das gemeinsame Europa in friedlichem Miteinander leben. »Wir leben Europa, weil wir Europa sind«, lautet das Motto der Initiative »Pulse of Europe« und die Rektorin der Universität Mozarteum, Prof. Elisabeth Gutjahr, meinte in ihrem Grußwort dazu: »Das Leben wieder neu zu erfinden im Gedanken Europas ist eine wunderbare Aufgabe, die weit über das hinausreicht, was Musik und Kunst vermag, nämlich für die Gesellschaft eine Zukunft zu zeichnen.«

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Rüdiger Horstmann, Mitinitiator der Initiative, überreichte der Rektorin einen Schirm mit Europa-Emblem, »damit Europa Sie beschirme«. In launigen Versen ging er auf die europäische Länderfamilie, ihre Geschichte und Widersprüche ein. Dr. Sebastian Huber, zweiter Salzburger Landtagspräsident, zitierte in seiner Rede Österreichs ehemaligen Vizekanzler Alois Mock: »Ich glaube, dass die Europäische Union uns die höchste Sicherheit bietet für Frieden ... diese Gemeinschaft ist Garant dafür, dass es in Europa nie mehr Krieg geben wird.«

Leider stehe die aktuelle Situation diesem Vermächtnis entgegen, bedauerte Huber. Er erinnerte an die Zeiten, als die Reisetätigkeit zwischen den Ländern Europas weit weniger leichtgängig war und rief zur Besinnung auf, nach den Katastrophen der Kriege das Glück zu schätzen, im freien Europa leben zu dürfen. Es liege an uns, das Friedens-und Wirtschaftsprojekt Europa für unsere Kinder und Kindeskinder abzusichern. Es liege an uns, dass es in Europa nie mehr Krieg geben werde.

Die musikalische Feier schickte sich an zu einer Reise durch Europa in 60 Minuten. Nicht alle Länder konnten dabei vertreten sein, aber das Orchester brachte 14 beliebte und charakteristische Stücke von Komponisten aus 12 Ländern in einem schillernden Kaleidoskop verschiedener Farben und Rhythmen zum Glänzen, was zu einer genussvollen und freudigen Repräsentation des musikalischen Europa wurde. Christian Simonis überließ für einige Nummern das Pult dem jungen Dirigenten Brian Liao aus Taiwan, der seinen Masterabschluss am Mozarteum macht und als vielversprechende Begabung beeindruckte.

Frankreich machte den Anfang mit Marc-Antoine Charpentiers Intrada aus dem Te Deum, die allen bekannt ist als die Titelmelodie bei Eurovisionssendungen im Fernsehen. Französische Musik war außerdem vertreten durch Charles Gounod mit dessen charmantem Faust-Walzer aus der gleichnamigen Oper. Giuseppe Verdis Ouvertüre zu »Nabucco« schwelgte in den melodischen Themen, die zur Freiheitshymne Italiens wurden.

Zu klingendem Wort kam sozusagen Alt-Österreich durch Johann Nepomuk Hummel, im damaligen Ungarn in Pressburg geboren, das heute als Bratislava die Hauptstadt der Slowakei ist. Er wurde Haydns Nachfolger beim Fürsten Esterhazy und ging später nach Weimar. Mit dem ersten Satz von Hummels Trompetenkonzert brillierte der aus Sarajevo stammende Zoran Curovic mit seinem glanzvollen Trompetensolo. Vom Hamburger Johannes Brahms, der in Wien lebte, gab das Orchester einen zündenden ungarischen Tanz. Nach Russland ging die Reise zu Pjotr I. Tschaikowskis kräftigem Trepac aus der »Nussknacker«-Suite, dem der »Valse Triste« von Jean Sibelius folgte. Dabei müsse finnische Weite und Schwermut bei jeder Aufführung neu empfunden werden, merkte Simonis zu den zarten Klängen an. Gefühlvoll realisierten die Philharmoniker diesen Anspruch.

Der flotte »Champagner Galopp« gilt als das bekannteste Stück vom »Strauß des Nordens«, dem Dänen Hans Christian Lumbye. Tschechische Folklore lieferte die Polka aus Friedrich Smetanas »Die verkaufte Braut« und ungeachtet des drohenden Brexits wähnte man sich ganz in London beim Knightsbride-Marsch von Eric Coates. Gerónimo Giménez’ Intermedio aus der rassigen Zarzuela »La boda de Luis Alonso« entzündete spanisches Temperament. Zum feierlichen Abschluss setzte Beethovens Europa-Hymne das markante Zeichen zum Thema. Elisabeth Aumiller

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