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Am Scheideweg – Bypass-Pläne für den Bahnhofskreisel vorgestellt

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Drei Herren mit Plan (v.l.): Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp, Verkehrstechniker Peter Nolden und Baudirektor Martin Bambach. (Foto: Fischer)

Berchtesgaden – Der als »Kreuzungspapst« deutschlandweit bekannte Verkehrstechniker Peter Nolden aus Essen referierte am Mittwochabend im AlpenCongress über Sinn und Zweck des geplanten Bypasses Richtung Ramsau am Berchtesgadener Bahnhofskreisel.


Anhand mehrerer Videos und Animationen konnte der Wissenschaftler nachweisen, dass die für Herbst geplante Maßnahme die gerade im Sommer heftigen Verkehrsprobleme an diesem Knotenpunkt beheben kann.

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Nur wenige Interessierte waren der Einladung der Marktgemeinde in den Kleinen Saal des AlpenCongress gefolgt. Das mag daran liegen, dass die Einheimischen inzwischen ziemlich baustellenmüde sind. Oder daran, dass die Ideen und Erkenntnisse nicht wirklich neu sind. Immerhin wurde ein wie jetzt geplanter Bypass bereits vor dem Bau des inzwischen deutlich überlasteten Kreisverkehrs am Bahnhof im Jahr 2006 diskutiert. »Ich kenne die Situation, bin aber nicht verantwortlich dafür«, stellte Baudirektor Martin Bambach vom Staatlichen Bauamt in Traunstein gleich zu Beginn der Veranstaltung klar.

Wie Bambach erläuterte, habe man kleinere Schwächen des Kreisverkehrs bereits kurz nach der Fertigstellung des Kreisels erkannt und behoben. Doch die Probleme mit Rückstaus, vor allem Richtung Marktschellenberg, seien stets schlimmer geworden. Spätestens seit 2014 hätten Marktbürgermeister Franz Rasp und Marktbaumeister Peter Hasenknopf abwechselnd im Bauamt für die Bypass-Lösung geworben. »Aber, es war kein Geld da«, stellte Bambach klar. Das habe sich erst mit dem Investitionshochlauf in der Bundesrepublik geändert.

Kosten: rund 1,3 Millionen Euro

Damit die eingeplanten rund 1,3 Millionen Euro fließen können, hätte die Behördenleitung aber ein Gutachten, das die Effektivität eines Bypasses belegen soll, gefordert.

Dazu war Verkehrstechniker Peter Nolden mit seinem Team im August vergangenen Jahres am Kreisverkehr im Einsatz. An vier Tagen filmten zwölf Kameras jeweils zwischen 6 und 19 Uhr die Verkehrsströme am Bahnhof. Bei der Auswertung gab es selbst für den Verkehrsexperten Überraschungen. Zum Beispiel: »Es gibt in Berchtesgaden keine regelmäßigen Spitzenstunden«, so Nolden. Die auch als Rush Hours bekannten Zeiträume der höchsten Verkehrsbelastung können demnach in Berchtesgaden zu jeder beliebigen Tageszeit auftreten.

Weitere Erkenntnisse: Niemand nutzt die Innenspur. Außerdem sind laut Nolden die Kreisverkehrfahrer überaus zuvorkommend gegenüber dem ÖPNV und Fußgängern. Übrigens einer der Hauptgründe für die Staus. Genauso wo der Panoramablick, vor allem zum Watzmann, der die Einfahrgeschwindigkeiten bremse. Der Rückstau Richtung Salzburg sei im Schnitt 390 Meter lang gewesen und habe die Ampelanlagen Bavaria-Knoten deutlich überstaut.

Hochrechnung bis zum Jahr 2030

Ausgehend von den jeweiligen Maximalwerten errechnete der Wissenschaftler einen Prognosehorizont bis zum Jahr 2030. Mit Verkehrsteigerungen von 1 Prozent pro Jahr. Das Ergebnis sei eindeutig: Die Rückstaulängen würden sich mit Bypass fast bei allen Einfahrten drastisch reduzieren. Mit dem Effekt, dass man bei den Ampeln am Bavaria-Knoten wieder auf normale Umlaufzeiten zurückgreifen könne. »Die Wartezeit der Fußgänger sinkt von 90 auf 60 Sekunden«, erklärte Peter Nolden.

Höchst problematisch war aber immer noch der Rückstau Richtung Königssee. Um den zumindest etwas einzudämmen, sei nun zusätzlich eine Ausfädelungsspur von Königssee kommend Richtung Salzburg geplant. »Es gibt keine rechnerische Variante, in der es Richtung Königssee keinen massiven Stau gibt«, so der Verkehrsexperte.

In der anschließenden Fragerunde meldeten sich vor allem Busfahrer zu Wort. Sie bezweifelten, dass die Busausfahrt über zwei Spuren funktionieren wird. Wie Nolden und Bambach aber erklärten, könne dies eine Ampel garantieren. Und auch um die Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern müsse man sich keine Sorgen machen, so der Bürgermeister.

»Ich baue nicht nur ohne Stau, ich baue ohne Ampel«

Franz Rasp erklärte weiter, dass der Busbahnhof während der Bauzeit von Herbst bis Frühling auf den Salinenplatz verlegt werde. Somit könne man den Verkehr Richtung Ramsau am Bahnhof vorbeileiten. Auf Nachfrage des Bischofswieser Gemeinderats und Fuhrunternehmers Bernhard Heitauer, bekräftigte der Bürgermeister erneut sein Versprechen, diese Baustelle besser zu planen als die Kollegen der Nachbargemeinde im vergangenen Jahr bei der Erneuerung der Ortsdurchfahrt. »Ich baue nicht nur ohne Stau, ich baue ohne Ampel.« Christian Fischer