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An der Schnittstelle zwischen Leben und Tod

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Ungemein authentisch wirkt Gerhard Wittmann als glückloser, aber liebenswerter Kleindarsteller. (Foto: Heel)

Ob dem Schauspieler Klaus Maria Brandauer sein zweiter Vorname jemals geschadet hat, wissen wir nicht. Seinem (fiktiven) Kollegen Felix Maria Brandner, gespielt von Gerhard Wittmann, hat er jedenfalls sehr geschadet. Aber das erfahren wir erst im Verlauf dieser Tragikomödie um Schein und Sein, um geplatzte Träume, Lebenslügen und späte Selbsterkenntnis, die jetzt im Studiotheater des Traunreuter k1 aufgeführt wurde.


Einziger Schauplatz des Stücks ist Brandners spärlich möbliertes Apartment, wo er zunächst beim Abendessen fernsieht. Einen Krimi, in dem er mitspielt, wie seinem Kommentar zu entnehmen ist. Und zwar als Gerichtsmediziner, der allerdings nicht viel mehr als »Genaueres erst nach der Obduktion« zu sagen hat.

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Und genau das ist sein Dilemma. Denn eigentlich wollte er als Schauspieler mal groß rauskommen, wie er nun in einem langen Monolog ausführt. Anfangs beim Theater, wo seine Rolle als Woyzeck aber so schräg ausfiel, dass das Stück gleich nach der Premiere wieder abgesetzt wurde. Zum Glück traf er kurz darauf seinen Schulfreund Uwe, der in einer Krimiserie den Kommissar spielte und ihm die Rolle des Gerichtsmediziners verschaffte. Eine Rolle, die er nun seit 18 Jahren »ausfüllt«, mit 6 bis 8 Drehtagen pro Jahr. Und die ihm längst keinen Spaß mehr bereitet. Nicht nur, dass er kaum Dialog hat und seine Vorschläge stets abgelehnt werden: »Jetzt sei halt nicht so anstrengend«, als »die liebe Maria« wird er, wie seinerzeit schon in der Schule, auch noch verspottet. Dazu kommt, dass andere Rollen nicht in Sicht sind. Und dann erfährt er auch noch, dass für die nächste Folge einer der Schauplätze der Großmarkt sein wird: Also der Ort, wo er seit Langem seine Brötchen verdient. Was Uwe und die anderen aber nicht wissen ...

Für die Rolle des Schauspielers, der einsehen muss, dass er kein Star, sondern einer wie Du und Ich ist, war Gerhard Wittmann die Idealbesetzung. Bekannt aus Kinoerfolgen wie »Dampfnudelblues« oder »Wer’s glaubt wird selig« sowie von seinen Auftritten als Oberbürgermeister Reiter bei der Salvatorprobe am Nockherberg, wirkte er als glückloser, aber liebenswerter Kleindarsteller ungemein authentisch und gewann so rasch die Sympathien der Zuschauer. Weshalb man froh war, dass sich letzten Endes doch noch ein Happy-End abzeichnete.

Geschrieben haben das Stück Ulrich Zrenner und Armin Kaiser, zwei Profis aus der TV-Branche, die seit vielen Jahren als Drehbuchautor bzw. Regisseur und Produzent von TV-Filmen tätig sind. Entsprechend waren die besten Szenen des Stücks auch die, in denen die Hierarchie am Filmset ins Spiel kam. Und natürlich die Traumsequenz, in der Uwe (gespielt von Jürgen Tonkel) der »Maria« den Vorschlag macht, mal die Rollen zu tauschen. Aber nur, um ihn dann furchtbar lächerlich zu machen. Kurzum, ein sehr amüsanter, aber stellenweise auch bitterböser Blick hinter die Kulissen des Filmgeschäfts, der zu Recht mit viel Applaus bedacht wurde. Wolfgang Schweiger