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Analyse: SAP und Oracle kämpfen sich in den Cloud-Markt vor

München/Orlando (dpa) - Aus seiner Abneigung gegen den deutschen Software-Marktführer SAP macht Oracle-Manager Mark Hurd keinen Hehl.

Oracle - Hauptquartier
Der Hauptsitz des Software-Unternehmens Oracle in Kalifornien. Die Rivalität zwischen Oracle und SAP ist legendär. Foto: Christoph Dernbach Foto: dpa

Natürlich seien die eigenen Datenbankprodukte viel besser und auch im neuen Geschäft mit dem Cloud Computing sei das kalifornische Unternehmen wettbewerbsfähiger als das aus Nordbaden.

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«Für Oracle ist das eine brillante Strategie, dass SAP jetzt ins Rennen bei den Datenbanken investiert», spottet der kantige und etwas hemdsärmelig wirkende Manager vor Journalisten mit Blick auf SAPs neues Paradepferd, die Datenbank-Technik Hana. Er denke nicht, dass der Konkurrent damit sehr erfolgreich sein werde, genau wie in der Cloud.

Die langjährigen Konkurrenten haben ein neues Feld gefunden, auf dem sie sich gegenüber treten können: Die Bereitstellung von Software, Datenbanken und Hardware-Kapazitäten über das Internet.

Die Rivalität zwischen den beiden Software-Ikonen ist legendär. An diesem Tag ist sie besonders deutlich: Wenige Stunden nachdem Hurd am Mittwoch in München vor Kunden und Branchenvertretern in München für sein Cloud-Angebot geworben hatte, stieg SAP-Co-Chef Jim Hagemann Snabe auf der SAP-Konferenz Sapphire Now in Orlando, Florida, auf die Bühne, um Kunden die Vorzüge neuer Anwendungen zu schildern. Purer Zufall, wie Oracle-Deutschlandchef Jürgen Kunz versichert.

Doch die Parallel-Veranstaltungen zeigen, wie sehr sich die beiden Softwarehersteller derzeit bemühen, in einem neuen Markt Fuß zu fassen. Im Cloud-Geschäft sind beide Neulinge. Sie konkurrieren mit etablierten Platzhirschen wie dem Cloud-Anbieter Salesforce.com, aber auch mit Nischenanbietern wie Workplace oder Netsuite, wie IDC-Analyst Phil Carter sagt.

«Beide hatten traditionell großen Einfluss bei IT-Verantwortlichen.» Die Nischenanbieter mit ihren Branchenanwendungen gewinnen aber an Einfluss in den Fachabteilungen. Nur SAP habe das inzwischen erkannt, so Carter.

«Für Applikationen hat SAP eine klarere Strategie», sagt Stefan Ried von Forrester Research. Dem US-Rivalen, der sein Angebot in den vergangenen Jahren mit Hilfe von Übernahmen zusammenstückelte, attestieren Experten in dieser Hinsicht Nachholbedarf. 

«Oracle hat dringenden Bedarf seine zugekauften Anwendungen zu konsolidieren», sagt Ried. «Wenn sie das nicht schaffen, wird auch das Cloud-Geschäft schief gehen.» Denn das Geschäft mit Mietprogrammen lebe mehr als andere von Vereinfachung und Standardisierung.

Umgekehrt habe Oracle ein ausgefeilteres Infrastruktur-Angebot, so Ried. Der US-Konzern bietet Firmen bereits Datenbanken oder Server zur Miete an. SAP hingegen hatte erst vergangene Woche angekündigt, seine Datenbanktechnologie Hana über die Cloud zu vertreiben.

Ob die beiden traditionellen Anbieter langfristig Erfolg in dem neuen Markt haben, wird sich erst noch weisen, glaubt Ried. «Beide brauchen eine Lernkurve mit ihren Kunden», sagt der Forrester-Analyst. Mittelständlern falle es einfacher, einzelne Anwendungen auf Mietsoftware umzustellen. Oracle und SAP bedienten aber vor allem Großkunden. 

Ambitionierte Ziele haben beide: SAP will schon dieses Jahr eine Milliarde Euro Umsatz mit Mietsoftware machen, im ersten Quartal waren es auf das Jahr hochgerechnet schon 900 Millionen Euro. Oracle hat im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben eine Milliarde Dollar (770 Millionen Euro ) an Einnahmen aus dem Cloud-Geschäft erzielt.

«Beide müssen ihr Geschäftsmodell vorsichtig umstellen», sagt Carter. Denn sowohl SAP als auch Oracle stehen vor dem Problem, dass Mietangebote zunächst weniger Gewinn abwerfen als herkömmliche Lizenzverkäufe. Das ist ein wunder Punkt vor allem bei den Walldorfern, die an der Börse kritisiert werden, dass ihre Gewinnmargen hinter denen von Oracle zurückliegen. Oracle-Manager Hurd betonte hingegen, die niedrigeren Margen seien kein Problem. 

Wer das Rennen am Ende macht, ist offen. Gartner-Analyst Donald Feinberg glaubt, dass SAP zurzeit die Nase vorn hat. Doch Oracle ist immer für eine Überraschung gut - allein schon mit Blick auf seine aggressive Strategie beim Zukauf von Unternehmen. Nur eines scheint sicher: Das Geschäft mit der Cloud wird beide Rivalen erheblich verändern und ihren Wettbewerb auf eine neue Stufe heben.

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