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Analyse: Schnell und geschmeidig beigelegt

München (dpa) - Die Trillerpfeifen auf den Warnstreik-Demos sind kaum verklungen, da üben sich IG Metall und die Arbeitgeber in München bereits in trauter Zweisamkeit.

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Statt Streikdrohung und Arbeitskampf stehen die Zeichen in der Metall-Industrie auf Harmonie. Foto: Julian Stratenschulte Foto: dpa

Fröhlich und erleichtert präsentieren Verhandlungsführer und Spitzenfunktionäre in einem Münchner Nobelhotel in der Nacht zum Mittwoch einen Tarifvertrag, der den bundesweit 3,7 Millionen Metallern mehr Geld und den Firmen dank einer langen Laufzeit von 20 Monaten Planungssicherheit bringt. Ein Streik ist damit abgewendet, statt Arbeitskampf herrscht Harmonie.

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«Den bayerischen Tarifparteien ist in Rekordgeschwindigkeit und ohne verstaubte Rituale ein Pilotabschluss gelungen», lobt Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger. Erstmals seit 1995 ist der Musterabschluss für die übrigen Tarifbezirke wieder hier verhandelt worden - und nicht wie so oft im Nachbarland Baden-Württemberg. «Bayern ist wieder wer», scherzt Dulger. Und die bayerischen Verhandlungsführer, Angelique Renkhoff-Mücke für die Arbeitgeber und Jürgen Wechsler für die IG Metall, sind sichtlich stolz darauf.

Bereits vor Verkündung der frohen Nachrichten stoßen die Beteiligten auf ihren Erfolg an, die Stimmung ist locker und gelöst. Noch Stunden zuvor hatten beide Seiten vor einem Scheitern gewarnt und betont, wie weit man noch auseinanderliege. Auf Warnstreiks im ganzen Land hatten tausende Metaller Druck gemacht. Doch Arbeitgeber und IG Metall waren sich wohl bereits vor der entscheidenden Runde näher als beide Seiten zugeben wollten. 

«Wie haben Sie das gemacht?», wird Wechsler im Hinblick auf das überraschend schnelle Ende gefragt. Geholfen habe, nicht alles vorher zu verraten, antwortet der Gewerkschafter. Renkhoff-Mücke nickt. Die Chemie zwischen Beiden stimmt. Teilnehmer berichten von einem guten Klima. Früher seien sich in Verhandlungen die Kontrahenten schon mal über den Mund gefahren. Das sei vorbei - und könne auch etwas damit zu tun haben, dass auf Seiten der Arbeitgeber nun eine Frau die Verhandlungen führte. «Sie hat Ahnung von der Sache und vertritt geradlinig ihre Meinung, ohne rumzuplärren», heißt es aus der Gewerkschaft. Die Arbeitgeber pflichten bei: Beide seien «keine Giftspritzen».

«Vielleicht ist es uns gelungen, zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Draht zu finden», sagt Wechsler. Erst zum zweiten Mal saßen Renkhoff-Mücke und er für die bayerische IG Metall am Verhandlungstisch. «Es tut uns als Bayern gut, es tut aber auch der gesamten Branche gut, dass es mehr Bezirke gibt, die in der Lage sind, einen Lohnabschluss zu machen», sagt Wechsler. Auch die Arbeitgeber sehen in dem Pilotabschluss ein Signal. «Mit ihm erhält Bayern wieder die tarifpolitische Bedeutung, die dem Land aufgrund seiner starken Metall- und Elektroindustrie zusteht.»