Angst um Lärmbelastung und Weiderechte

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Die Reiteralm: Übungsgelände, Almgebiet und Paradies für Bergfreunde zugleich. (Foto: Werner Bauregger)

Schneizlreuth – Bereits im Januar befasste sich der Gemeinderat Schneizlreuth mit dem Spreng- und Hochgebirgsübungsplatz der Bundeswehr und der WTD 52 auf der Reiteralm. Neben der Umwidmung eines militärischen Bereichs in einen militärischen Sicherheitsbereich ab Juli 2021 ging es damals auch um die Schaffung eines erweiterten Schutzbereiches um den Sprengplatz auf der Hirschwiese in einem Radius von 1 150 Metern. In der aktuellen Sitzung kam diese Angelegenheit nun noch einmal zur Sprache, da Grundbesitzer, Bauern und Anwohner in Ober- und Unterjettenberg Einschränkungen, Gefahren und Mehrbelastungen befürchten. Bürgermeister Wolfgang Simon leitete diese Bedenken kürzlich im Auftrag auch an die Regierung von Oberbayern weiter.


Werden Freiweiderechte beschnitten?

Wie der Bürgermeister zunächst erläuterte, hat er die Situation vor einigen Wochen noch einmal mit den Betroffenen im Detail besprochen. Als kritisch sehen insbesondere die Weideberechtigten und Waldbesitzer die Tatsache, dass nun für die Bundeswehr und die WTD 52 beantragt wurde, alle Flächen auf der Nordseite der Reiteralm – etwa vom Bereich der Seilbahn der WTD 52 entlang der Zufahrtsstraße bis zur B 305, entlang dieser und danach entlang des Schwarzbachs bis zum Schwarzbachloch – ganzflächig gepachtet werden sollen. Der eigentliche Grund ergibt sich aus dem oben erwähnten vergrößerten Schutzbereichsradius um den Sprengplatz auf der Hirschwiese. Die Betroffenen befürchten nun, dass durch diese Anpachtung ein militärischer Bereich oder später sogar ein militärischer Sicherheitsbereich bis ins Tal entstehen könnte. Zudem wird befürchtet, dass sich auch die Übungsaktivitäten oder die Sprengungen zahlenmäßig erhöhen.

Dies könnte nach Ansicht der Betroffenen im schlimmsten Fall dazu führen, dass die Freiweiderechte am Fuße der Reiteralm beschnitten werden und jetzt genutzte Trinkwasserquellen beeinträchtigt werden oder sogar versiegen würden. Als nicht akzeptabel empfinden es die Ortsteilbewohner auch, dass sie als Grundbesitzer im Anhörungsverfahren offenbar übergangen worden sind.

Nachdem der Gemeinderat den Zuhörern Rederecht eingeräumt hatte, trug als erster Martin Leitner sen. seine Bedenken vor. Er befürchtet, dass die Ausweitung in späteren Jahren Beschränkungen und Verbote, insbesondere im Freiweidebereich, nach sich ziehen werde. Die Oberjettenberger Bauern seien aber ohnehin schon durch den Dolomitabbau stark betroffen. Hanni Bichler erinnerte an den damals harten Kampf gegen den geplanten Truppenübungsplatz, bei dem die Anwohner massiv unter Druck gesetzt worden seien. Dass ein Anhörungsverfahren laufe, habe sie nach Fristablauf erst aus der Zeitung erfahren. Einwände danach geltend zu machen, sei nur noch ausnahmsweise möglich gewesen. Andreas Plereiter, der selber lange als ziviler Angestellter auf der Reiteralm arbeitete, sagte, dass ein militärischer Sicherheitsbereich durchaus Sinn mache, weil von manchen Hinterlassenschaften aus dem Übungsbetrieb doch auch Verletzungsgefahren ausgingen. Seines Erachtens könnte sich durch verschossene Bleimunition oder Patronenhülsen auch eine Beeinträchtigung der Wasserquellen ergeben. Der ehemalige Haiderhof-Pächter Heinz Frommelt erinnerte ebenfalls noch einmal an den mit harten Bandagen geführten Kampf gegen den Truppenübungsplatz. Aus seiner Sicht sollte auf alle Fälle verhindert werden, dass der militärische Sicherheitsbereich später noch einmal vergrößert wird. Die Gemeinde sollte auch darauf drängen, dass Sprengungen auf wenige Zeiträume konzentriert werden, da diese für die Anwohner wie auch für das Weidevieh stark belastend seien. Zudem liegt ihm am Herzen, dass die Klettertouren auf der Reiteralm weiter frei begehbar bleiben.

Bürgermeister versteht Misstrauen nicht

Bürgermeister Wolfgang Simon betonte, dass er alle diese Bedenken verstehen könne und auch ernst nehme. Für ihn sei es aber elementar wichtig, dass die Bundeswehr ihre Soldaten exzellent ausbilden und auf ihre zunehmenden Auslandseinsätze bestens vorbereiten könne. Dazu brauche man auch solche spezialisierten Übungsplätze wie auf der Reiteralm. Seiner Wahrnehmung nach habe die Übungsintensität seit den 1980er-Jahren ohnehin deutlich nachgelassen. Zudem erprobe die WTD 52 auf ihrer Anlage in Oberjettenberg in erster Linie Schutzausrüstungen für Soldatinnen und Soldaten im Einsatz, die genauso wichtig seien, weil sie Leben retten könnten. Insbesondere in der WTD 52, aber auch bei der Gebirgsjägerbrigade in Bad Reichenhall stünden so viele hoch qualifizierte Arbeitsplätze für Gemeindebürger und Fachkräfte aus der Umgebung zur Verfügung, die es zu erhalten gelte. Gemeinderat Christian Bauregger zeigte sich etwas irritiert über den aktuell diskutierte Bereich bis an den Fuß der Reiteralm. Seiner Meinung nach sollte der Schutzbereich auf dem Plateau genügen. In der Januarsitzung sei es lediglich um den Schutzradius gegangen. Gemeinderätin Angelika Eder wollte wissen, ob die Gemeinde bei einer späteren Erweiterung des militärischen Sicherheitsbereichs ein Einspruchsrecht habe. Dies konnte Simon nicht aus dem Stegreif beantworten. Eine Notwendigkeit könnte sich ergeben, wenn massive Veränderungen bei Sprengstoffen oder Kampfmitteln eine Umstellung der Erprobungen zwingend machen.

Zweifel am Mitspracherecht

Gemeinderätin Susanne Danzl mahnte an, dass eine Intensivierung des Übungsbetriebes und von Sprengungen die Bevölkerung in Ober- und Unterjettenberg noch mehr belasten würde, als dies ohnehin jetzt schon durch Hubschrauberflüge, Sprengungen im Dolomitwerk und durch den ständig anwachsenden Schwerlastverkehr auf der B 21 der Fall sei. Gemeinderat Stefan Häusl schlug vor, die bisher geäußerten Bedenken in jedem Fall in einer Stellungnahme der Gemeinde weiterzuleiten. Ob die Gemeinde aber ein wirkliches Mitspracherecht erhalten werde, bezweifelte er. Gemeinderat Wolfram Kagerer bemängelte, dass aus den vorliegenden Karten der wirklich betroffene Bereich nicht ersichtlich sei. Gemeinderat Peter Zitzelsperger regte an, aus diesem Grund den zuständigen Projektverantwortlichen bei der Bundeswehr in den Gemeinderat einzuladen. Dies sah Bürgermeister Simon nicht für erforderlich an. Gemeinderat Sepp Holzner jun. regte an, von den Behörden eine Begründung für die massive Ausweitung einzufordern.

Die Verwaltung wird nun eine Stellungnahme ausarbeiten und diese dem Gemeinderat in der nächsten Sitzung zur Beschlussfassung vorlegen.

Werner Bauregger