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Anmut der Tiere und Menschen in zarten Tönen

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Veronica Rummel-Damian mit dem aus in Inzell entstandenen Skizzen komponierten »Reigen der Kälbchen«. Links hinten das Aquarell »Ankunft ungewiss«. (Foto: Mergenthal)

Zärtlich und voller Leichtigkeit neigen die verspielten Kälbchen, mit lockeren blauen Strichen in ihrer Bewegung eingefangen, ihre Köpfe zueinander. In erdigen Farben, eingebettet von einer in Türkis-Nuancen angedeuteten Landschaft, sind die meditativ in der Weide sitzenden Kühe skizziert. Diese und andere Aquarelle der Münchnerin Veronica Rummel-Damian, teils mit Bezug zu Inzell, sind dort im Ernst-Rappel-Saal im Haus der Gastes noch bis 30. September ausgestellt.


Für die 1948 als Älteste von sechs Kindern eines Arztehepaars geborene Künstlerin wurde Inzell zu einer zweiten Heimat, da ihre Eltern jahrelang ein Ferienhaus in der Gemeinde hatten und zuletzt ganz hier lebten. Ihr Vater Dr. Alfons Rummel ist bereits vor 14 Jahren verstorben, ihre Mutter Dr. Elisabeth Rummel hingegen mit 96 Jahren erst vor kurzem, am 4. Juli. In der Zeit der Betreuung ihrer hochbetagten Mutter im Wechsel mit ihren Geschwistern schöpfte Veronica Rummel-Damian immer wieder Kraft im Hinausgehen ins Freie und Aquarellieren. Ihre Motive fand sie auf den umliegenden Höfen. »Ich habe die Bauern gefragt, ob ich ihre Tiere zeichnen darf«, erzählt sie.

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»Früher war für mich eine Kuh eine Kuh. Jetzt war ich ganz verwundert, was in diesen schweren Körpern für Möglichkeiten der Bewegung sind, des Umgangs miteinander – ebenso bei Pferden«, schildert sie ihre Erfahrungen. »Unendlich viele Skizzen« seien entstanden. Manche davon hat Veronica Rummel-Damian ausgeschnitten und zu Gruppen- oder Begegnungsszenen kombiniert, so beim »Reigen der Kälbchen«.

Innerhalb der Tier-Umrisse ließ sie meist das Weiß und die Weide deutete sie mit feinen Punkten oder flott hingefetzten Strichen in der ganzen Pinselbreite nur dezent an. Etwas Feenhaftes und Schwebendes erhalten ihre Figuren dadurch. Bei der »Kuh mit gelber Glocke« und der »Kuh, die Kinder liebt«, der Favorit aller Kinder, sind die Körper hingegen fein nuanciert in Farbe ausgearbeitet. Die Striche, die den Raum andeuten, schillern zuweilen regenbogenfarben und erinnern an das Zeichen des Bundes Gottes mit seiner Schöpfung nach der großen Flut.

Einige berührende Skizzen entstanden auch auf einem Inzeller Pferdehof. Diesen neuen, transparenten Pferdebildern hat Rummel-Damian etwas statischere, detailliertere Pferde- und Zebra-Zeichnungen aus ihrer Akademiezeit gegenüber gestellt.

Der zweite Themenbereich der Ausstellung ist aus ihrer Serie von Aquarellen, die sie 2016/17 im Eindruck der großen Flüchtlingswelle geschaffen hat. Durch ihre Eltern, die in Indien und Afrika arbeiteten, baute die bildende Künstlerin und Ergotherapeutin schon früh Beziehungen zu diesen Kulturkreisen auf. Menschen aus anderen Ländern empfand sie stets »mehr als Bereicherung unserer Kultur«. Kunst studierte sie in Kinshasa in Kongo, München und Berlin.

Handgeschöpfte Papiere – »an denen kann man länger arbeiten« – hat sie für ihre Menschenporträts mit dem Fokus auf Asylsuchenden zunächst eingefärbt, um dann verschiedene Formen und Farben herauszuarbeiten, in Türkis-, Gelb- und Orangetönen, und am Ende mit einer Tuschefeder zarte, aber markante Umrisse dar-über zu legen. Für ein Weihnachtsbild hielten schon manche Betrachter das Aquarell »Ankunft ungewiss«. Der Mann geht beschützend hinter der Frau, die ein Kind auf dem Arm trägt, wie Josef bei der »Flucht nach Ägypten«. Sorge und Zukunftsangst verkörpern die großen Augen und die aneinander geschmiegten und in sich gekehrten Leiber einer anderen Mann-Frau-Kind-Gruppe in »Unterbrochene Flucht«. Spannung und eine vorsichtige Annäherung mit spitzen Fingern drückt das Aquarell »Begegnung« aus. Ein Mädchen am Wendepunkt von der Kindheit zum Frau-Sein hat die Malerin in »Lebenstanz II« gut getroffen.

Die Künstlerin liebt es, interdisziplinär unterwegs zu sein, arbeitet zum Beispiel mit Tänzern und schreibt auch Gedichte. Einige davon wurden von einem norwegischen und von einem armenischen Komponisten vertont und aufgeführt. Drei Gedichte entstanden auch in Inzell. Einen Einblick in ihre Lyrik gibt Veronica Rummel-Damian in einer Lesung am Samstag, 15. September, um 19 Uhr im Ernst-Rappel-Saal.

Geöffnet ist die Ausstellung von Montag bis Freitag jeweils von 9 bis 13 sowie von 14 bis 18 Uhr und an Samstagen, Sonn- und Feiertagen von 9 bis 12 Uhr. An den Sonntagen ist die Malerin jeweils von 9 bis 11 Uhr anwesend. Veronika Mergenthal

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