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Anna Hahner holte sich beim 10. Zugspitz Ultratrail neben dem Sieg im Supertrail XL auch den Deutschen Meistertitel. Ihr Erfolgsgeheimnis ist dabei, die Strecke so gut wie möglich zu genießen – auch wenn es gerade überall schmerzt. (Foto: riffraff002)

Anna Hahner ist Deutsche Meisterin im Ultratrail

Anna Hahner hat ein breites Grinsen im Gesicht, als sie als erste Frau nach 82 Kilometern ins Ziel des 10. Zugspitz Ultrails läuft. Doch eigentlich läuft sie nicht. Die 32-Jährige reißt die Hände in Luft und springt über die Ziellinie. Fast so, als spüre sie die 3680 Höhenmeter, die in ihren Beinen stecken, nicht. Die Überseerin sicherte sich mit ihrem tollen Rennen nicht nur den Sieg im Supertrail XL, sondern auch die Deutsche Meisterschaft im Ultratrail – übrigens ihre erste im Berglaufen. 


Eine Überraschung war Hahners Sieg über die Strecke eigentlich nicht. Die Läuferin, die vor etwa zwei Jahren von der Straße in die Berge gewechselt ist, hat derzeit bei vielen Rennen die Nase vorne – nur Anfang Juli bei den ersten European Athletics Off-Road-Running Championships in El Paso auf La Palma lief es für Hahner nicht nach Plan. Auf der knapp 47 Kilometer langen Strecke reichte es für die Läuferin am Ende nur für Platz 23. Doch das ist jetzt hinsichtlich ihres tollen Erfolgs (fast) vergessen.

Zumal die Strecke des Zugspitz Ultrails um einiges länger war als die Strecke auf der spanischen Insel. »Mit den 82 Kilometern habe ich noch einmal ein ganzes Stück draufgelegt. Ich habe in mir gespürt, dass ich Lust auf diese Herausforderung habe und dass ich vom Kopf und Körper bereit dafür bin«, sagt sie in einem Gespräch mit unserer Sportredaktion.

Und bereit dafür war Hahner definitiv. Über die ganze Strecke hinweg lag die 32-Jährige vorne. Mit 9:59:07 Stunden kam sie knapp eine halbe Stunde früher ins Ziel als Meg Lane (Salomon Running Deutschland) mit einer Zeit von 10:28:25 und Annan Jansen (LG 90 Ebersberg Grafing) mit 10:31:29 Stunden.

Gerechnet hat sie mit so einem Spitzenergebnis übrigens nicht. »Dass meine Zeit knapp unter zehn Stunden lag, hat mich selbst überrascht und mein Lächeln beim Überqueren der Ziellinie noch ein bisschen größer werden lassen«, sagt die Sportlerin, die für Adidas Terrex startet. Als Vorbereitung auf den Zugspitz-Ultratrail-Lauf ist sie viele Höhenmeter in den Chiemgauer Alpen gelaufen und hat Doppelbelastungstage gemacht, an denen sie an zwei Tagen hintereinander einen Longrun absolvierte. Gleichzeitig sei sie aber auch schnelle Intervalle gelaufen. »Auch wenn man das bei einem Ultra auf den ersten Blick gar nicht vermutet«, erklärt sie.

Doch neben dem ganzen körperlichen Training sei auch die mentale Einstellung »essenziell« – »je länger die Distanz, desto wichtiger wird sie«, findet Hahner. »Ein 82-Kilometer-Rennen bringt jeden Körper an die Belastungsgrenze, die Frage ist hier, wie man mental damit umgeht.«

Und Hahners Weg war im Prinzip »ganz einfach«: Sie habe versucht, jeden Kilometer zu genießen. »Genießen bedeutet ja nicht, dass es nicht anstrengend war. Das war es nämlich auf jeden Fall.« Sie setze während eines Rennens ganz bewusst ihren Fokus auf positive Dinge und nicht auf den Schmerz. »Ich versuche, in jedem Detail wie zum Beispiel einem Schmetterling am Wegesrand etwas Schönes zu sehen und diese Stimmung auf mich zu übertragen.« Und natürlich half ihr auch die Unterstützung ihres Teams, das an jeder Verpflegungsstation auf sie wartete. »Das gab mir vor und auch nach jeder Station einen großen Energieschub.«

An das Ziel habe sie erst nach der letzten Verpflegungsstation gedacht. Ansonsten hat sie sich während der gesamten Strecke immer nur auf den nächsten Abschnitt konzentriert. So habe sich auch der Weg nicht ganz so weit angefühlt, erzählt sie. Und im Ziel sei die Freude über ihren tollen Erfolg einfach riesig gewesen – ihr Lachen dort ist einfach nur ansteckend.

aha