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Anschlag auf Synagoge in Halle: Polizei sucht mögliche Mittäter – Details werden bekannt

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Schüsse in Halle
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Das Videostandbild zeigt die Schüsse von Halle. Foto: ATV-Studio/AP/dpa Foto: dpa
Halle: Zwei Tote bei Schüssen vor Synagoge – Video zeigt angeblichen Täter – Was wir wissen
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Kerzen, Blumen und ein Zettel mit der Aufschrift "In tiefer Trauer Wer schweigt stimmt zu!" vor einem Dönerladen. (Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa)
Synagoge
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Ein Polizist geht zum Eingang der Synagoge in Halle. Am Vortag hatte hier ein schwerbewaffneter Täter versucht, in die Synagoge einzudringen und dort unter Dutzenden Gläubigen ein Blutbad anzurichten. Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa Foto: dpa
Trauer nach Schüssen in Halle
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Trauernde stehen auf dem Marktplatz in Halle hinter brennenden Kerzen. Foto: Swen Pförtner/dpa Foto: dpa
Döner-Imbiss
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Absperrband der Polizei hängt vor dem Dönerladen in Halle. Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa Foto: dpa

Halle/Saale – Beim Angriff auf eine Synagoge und einen Döner-Imbiss hat ein mutmaßlicher Rechtsextremist in Halle an der Saale einen Mann und eine Frau erschossen. Viele Fragen zu der Gewalttat sind noch ungeklärt. Alle Nachrichten zu der vermutlich rechtsextremistischen Tat lesen Sie in unserem Live-Ticker.


Update, 14.20 Uhr:

Nach dem Angriff eines Rechtsextremisten auf die Synagoge und der Tötung von zwei Menschen arbeiten die Ermittler an einem möglichst kompletten Bild der Tathintergründe. Die Wohnung des mutmaßlichen Täters, eines 27-Jährigen Deutschen, sei durchsucht und Beweismittel sichergestellt worden, sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft. Die Bundesanwaltschaft will noch heute beim Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs Antrag auf Erlass eines Haftbefehls gegen den mutmaßlichen Attentäter stellen.

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Quer auf der Landstraße stehende Polizeiwagen versperren die Durchfahrt zum Heimatort des Verdächtigen. Immer wieder müssen Autos auf der Straßen wenden und umkehren. Auch in Landsberg habe es Schüsse gegeben, das ist die einzige Information der Behörden zu dem Örtchen nahe der sächsischen Grenze. Anwohner dürfen ihre Häuser nicht betreten, niemand darf sich dem Ort bis auf 300 Meter nähern, schwerbewaffnete Polizisten durchsuchen Häuser.

Im Laufe des Tages werden in Halle Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundesinnenmister Horst Seehofer erwartet. Auf einer Pressekonferenz am Nachmittag soll der Stand der Ermittlungen vorgestellt werden.

Nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft hat die Tat ein rechtsextremistisches und antisemitisches Motiv. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, sprach von einer «neuen Qualität des Rechtsextremismus in Deutschland». Er beobachte eine politische Entwicklung, die Rechtsextremismus fördere, sagte Schuster dem Deutschlandfunk.

Die CSU gibt der AfD eine Mitverantwortung an der Tat. «Das eine sind diese schrecklichen Gewalttäter, vor denen wir uns schützen müssen, das andere sind auch die geistigen Brandstifter, da sind in letzter Zeit auch einige Vertreter der AfD in unverschämter Weise aufgefallen», sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann im Interview mit dem Sender Bayern 2 des Bayerischen Rundfunks.

Die AfD wehrte sich gegen die Vorwürfe. «Wer dieses entsetzliche Verbrechen missbraucht, um die politische Konkurrenz mit haltlosen Diffamierungen zu verleumden, der spaltet die Gesellschaft und schwächt das demokratische Fundament, auf dem wir stehen», erklärte die Fraktionschefin Alice Weidel.

Nach Einschätzung der Bundesanwaltschaft ist das Bekennervideo eindeutig antisemitisch und rechtsextremistisch. «Er hat geplant, Menschen zu töten», so ein Ermittler. Der mutmaßliche Täter war den Behörden zuvor offensichtlich nicht aufgefallen. Die Bundesanwaltschaft sieht eine staatsgefährdende Tat. Ermittelt wird unter anderem wegen Mordes und Mordversuchs.

Mutmaßlicher Täter
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Das Videostandbild zeigt den schwerbewaffneten mutmaßlichen Täter von Halle. Foto: ATV-Studio/AP/dpa Foto: dpa

Einzelheiten über den vermutlich verletzten Stephan B. aus Sachsen-Anhalt wurden zunächst nicht offiziell bekannt. Derzeit wird das Umfeld des Mannes ermittelt. Der mutmaßliche Täter war am Mittwoch festgenommen worden. Er befindet sich nach Medieninformationen schwer bewacht in einem Krankenhaus.

Nach noch unbestätigten Berichten war der Täter nach den Schüssen in Halle mit dem Auto ins etwa 15 Kilometer entfernte Landsberg geflüchtet, hatte dort in einer Autowerkstatt mehrere Menschen bedroht und sich ein neues Fluchtauto besorgt. Ein Mitarbeiter in der Garage wollte sich nicht zu den Vorfällen äußern, weil er Zeuge sei. Das mutmaßliche Täter-Auto wurde am Donnerstagmorgen nach Informationen eines dpa-Reporters abgeschleppt.

Mit dem neuen Auto baute der Täter den unbestätigten Berichten zufolge einen Unfall und wurde schließlich an der B91 südlich von Halle festgenommen. Ungeklärt ist bislang unter anderem die Identität der beiden Todesopfer und der Verletzten.

Zu unserem Hintergrundbericht: «Trauer, Bestürzung und ein bisschen Wut»

Update, 11.35 Uhr:

Bekennervideo zeigt: Waffe des Angreifers hatte Aussetzer

Nur glückliche Umstände haben offenbar verhindert, dass ein Rechtsextremist in einer Synagoge in Halle ein Massaker anrichtet. Unbestätigt ist bislang, ob ein im Internet aufgetauchtes Bekennervideo und ein angebliches «Manifest» tatsächlich vom mutmaßlichen Täter stammen. Dieser soll das Video in sozialen Netzwerken hochgeladen haben. Es dokumentiert allem Anschein nach den Ablauf der Angriffe in Halle aus Sicht des Attentäters. Die Aufnahmen stammen wohl von einer Kamera, die am Helm des Schützen befestigt war.

Bis zum Morgen gab es aber keine Bestätigung der Behörden dafür, dass es sich bei dem Mann im Video um den Attentäter handelt. Das Video wurde nach Angaben der Streaming-Plattform Twitch von rund 2200 Menschen angesehen, bevor es dann nach 30 Minuten gelöscht wurde.

Eine noch höhere Opferzahl wurde möglicherweise von Defekten an mindestens einer Waffe des Täters verhindert. In dem angeblichen Tatvideo ist zu sehen, wie in mindestens zwei Fällen Ladehemmungen das Leben von Menschen zu retten scheinen. Der Täter setzte eine vermutlich im Selbstbau hergestellte Langwaffe, eine Pistole und Sprengsätze ein.

Der mutmaßliche Rechtsextremist Stephan B. aus Sachsen-Anhalt hatte nach Angaben aus Sicherheitskreisen am Mittwoch gegen Mittag versucht, die Synagoge mit Waffengewalt zu stürmen. Mehr als 50 Menschen hielten sich zu dem Zeitpunkt in dem Gotteshaus auf. Nachdem der Anschlagsversuch scheiterte, soll der 27-jährige Deutsche vor der Synagoge und danach in einem nahen Döner-Imbiss zwei Menschen erschossen und mindestens zwei weitere verletzt haben. B. soll die Tat gefilmt und per Helmkamera live ins Internet übertragen haben, bevor er vom Tatort floh.

Update, 10.37 Uhr:

Was wir wissen

Bei einem antisemitischen Angriff sind zwei Menschen in Halle/Saale erschossen worden. Außerdem wurden nach Angaben von Bundesinnenminister Horst Seehofer mehrere Menschen verletzt. Ein rechtsextremistisches Motiv sei sehr wahrscheinlich. Die aktuelle Erkenntnislage erlaube es aber noch nicht, die Tat abschließend einzuordnen.

Ein schwer bewaffneter Täter hatte am Mittag versucht, in die Synagoge in Halle einzudringen. Er scheiterte jedoch. Er legte bei dem Angriff nach Informationen aus Sicherheitskreisen auch selbstgebastelte Sprengsätze vor der Synagoge ab. Es seien mehrere Schüsse gefallen. In dem Gotteshaus feierten zu dem Zeitpunkt Dutzende Menschen den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur.

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Halle, Max Privorozki, sagte, über die Kamera der Synagoge sei zu sehen gewesen, wie der Täter mit Stahlhelm und Gewehr versucht habe, die Türen aufzuschießen. Außerdem hätten der oder die Täter versucht, das Tor des benachbarten jüdischen Friedhofs aufzuschießen, sagte Privorozki der «Stuttgarter Zeitung» und den «Stuttgarter Nachrichten».

Trauer am Marktplatz
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Blumen und Kerzen liegen auf dem Marktplatz in Halle. (Foto: Marek Majewsky/dpa)

Ein Todesopfer wurde auf einer Straße in der Nähe der Synagoge in der Innenstadt gefunden. Die Frau wurde nach dpa-Informationen vor dem jüdischen Gotteshaus von den tödlichen Schüssen getroffen. Außerdem habe es einen männlichen Toten im oder an einem Döner-Imbiss gegeben. Nach Augenzeugenberichten soll ein Mann in einem Kampfanzug mit einem Gewehr in den Döner-Laden geschossen und einen Besucher getötet haben. Der Imbiss befindet sich rund 600 Meter entfernt von der Synagoge.

Auch im rund 15 Kilometer entfernten Landsberg gab es Polizeiangaben zufolge Schüsse.

Im Universitätsklinikum Halle werden Angaben eines Sprechers zufolge zwei Verletzte behandelt. Dabei handele es sich um einen Mann und eine Frau. Beide hätten Schussverletzungen, seien aber außer Lebensgefahr.

Bei dem mutmaßlichen Täter soll es sich nach dpa-Informationen um den 27 Jahre alten Stephan B. handeln. Es soll deutscher Staatsangehöriger sein. Der Mann war den Behörden ersten Informationen zufolge bisher nicht als Teil der rechtsextremen Szene in Sachsen-Anhalt aufgefallen.

Nach dpa-Informationen deutet alles auf einen Einzeltäter hin. Er wurde am frühen Nachmittag festgenommen. Die Polizei hatte zuvor mitgeteilt, mehrere bewaffnete Täter seien mit einem Auto auf der Flucht. Medien hatten Fotos und Videos veröffentlicht, die aber nur einen maskierten Schützen zeigten. Auch Augenzeugen sprachen nur von einem Täter.

Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen. Sie ermittelt wegen Mordes von besonderer Bedeutung.

Die Stadt Halle sprach am Nachmittag von einer «Amoklage». Erst am Abend gegen 18.15 Uhr hob die Polizei ihre Warnung vor einer akuten Gefährdungslage für die Bevölkerung auf.

Angriff
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Einschusslöcher in der Tür der Synagoge in Halle. Der schwerbewaffnete rechtsextremistische Attentäter hatte versucht, in das jüdische Gotteshaus einzudringen, wo gerade das Fest Jom Kippur gefeiert wurde. (Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa)

Was wir nicht wissen

Der mutmaßliche Täter der Angriffe in Halle/Saale soll in den sozialen Netzwerken ein Bekennervideo hochgeladen haben. Das insgesamt knapp 36 Minuten lange Video liegt dpa vor. Bis zum Abend gab es keine Bestätigung der Behörden dafür, dass es sich bei dem Mann im Video um den Attentäter handelt. Zu sehen ist ein junger Mann mit kahlem Schädel in Kampfmontur.

In dem am Mittwoch verbreiteten Video ist zu sehen, wie offensichtlich in der Innenstadt von Halle geschossen wird. Unter anderem wird gezeigt, wie in einem Döner-Imbiss mehrfach auf einen Mann geschossen wird, der hinter einem Kühlschrank liegt. Die Aufnahmen stammen wohl von einer an einem Helm befestigten Kamera.

Die genaue Zahl der Opfer ist nicht bekannt, ebenso wie die Identität der Getöteten und der Verletzten.

Ob die vor der Synagoge getötete Frau und der beim Döner-Imbiss erschossene Mann zufällig zu Opfern wurden oder vom Täter gezielt angegriffen wurden, ist noch unklar.

Zu den Umständen der Flucht und der Festnahme des mutmaßlichen Täters gab es zunächst keine offiziellen Angaben.

Offen blieb zunächst auch, wie der Täter zu seinen Waffen kam.

Im etwa 15 Kilometer von Halle entfernten Landsberg (Saalekreis) haben am Mittwochabend Polizisten Häuser durchsucht. Im Ortsteil Wiedersdorf waren ebenfalls Schüsse gefallen, wie eine Sprecherin der Polizei Halle der dpa bestätigte. Zu den näheren Umständen des Vorfalls wollte sie zunächst nichts sagen.

Zu unserem Hintergrundbericht: Der Schock von Halle

Halle: Zwei Tote bei Schießerei nahe Synagoge – Täter auf der Flucht – erste Festnahme
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Nach ersten Erkenntnissen sind bei einer Schießerei in Halle an der Saale zwei Menschen getötet worden. (Foto: Sebastian Willnow/dpa)

Die Nachrichten vom Mittwoch

Update, 17.01 Uhr:

Der Generalbundesanwalt zog die Ermittlungen an sich. Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen Mordes von besonderer Bedeutung. Ob es sich um eine antisemitische Tat handelt, sei noch unklar, sagte ein Sprecher. Auch ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte in Berlin, die Hintergründe der Tat seien noch nicht bekannt.

Update, 16.12 Uhr:

Im Universitätsklinikum von Halle werden nach den tödlichen Schüssen zwei Verletzte behandelt. «Ein Patient hat Schussverletzungen, er wird gerade operiert», sagte Klinikumssprecher Jens Müller gegenüber der dpa. Zur Identität der Verletzten konnte er zunächst keine Angaben machen, auch nicht dazu, ob es sich um Männer oder Frauen handelt.
Das Universitätsklinikum habe angesichts der unklaren Lage in der Stadt vorsorglich die Notaufnahme personell verstärkt. Drei Operationssäle stehen zudem zur Verfügung, wie der Sprecher betonte.

Schwer bewaffnete Polizisten durchkämmen derzeit das beschauliche Paulusviertel im Norden von Halle in Sachsen-Anhalt. Etwa 30 Meter von einer Synagoge entfernt liegt eine Leiche, sie ist mit einer blauen Decke bedeckt. Daneben steht ein schwarzer Rucksack, an dessen Reißverschluss eine kleine Stoffente hängt. Nach unbestätigten Informationen von mehreren Medien könnte es sich bei einem der Opfer um eine Jugendliche handeln.

Halle: Zwei Tote bei Schießerei nahe Synagoge – Täter auf der Flucht – erste Festnahme
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Foto: Sebastian Willnow/dpa

Die Polizei hat das Gebiet weiträumig mit Flatterband abgesperrt. Am Himmel über der Innenstadt kreist ein Hubschrauber. Streifenwagen fahren mit Blaulicht durch das Villenviertel und fordern die Anwohner auf, Türen und Fenster geschlossen zu halten. Nach den Schüssen ist die Stadt mit knapp 239.000 Einwohnern im Ausnahmezustand.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff hat die tödlichen Schüsse in Halle als «verabscheuungswürdige Tat» verurteilt. «Es wurden durch sie nicht nur Menschen aus unserer Mitte gerissen, sie ist auch ein feiger Anschlag auf das friedliche Zusammenleben in unserem Land», erklärte er am Nachmittag. Er sei entsetzt über die Tat. «Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen der Opfer.»

Haseloff war am Mittwoch eigentlich zu einer Konferenz mit anderen Kohlevertretern aus ganz Europa nach Brüssel gereist, um über Strukturhilfen zu verhandeln. Nach der Tat entschied er sich, vorzeitig nach Sachsen-Anhalt zurückzukehren.

Update, 15.33 Uhr: Fotos und Videos zeigen mutmaßlichen Schützen

Zwischenzeitlich haben mehrere Medien Bilder des angeblichen Täters veröffentlicht. Die in Halle erscheinende «Mitteldeutsche Zeitung» zeigte ein Foto, auf dem ein dunkel gekleideter Mann mit Helm und Stiefeln zu sehen ist, der ein Gewehr im Anschlag hat. Der Mitteldeutsche Rundfunk zeigte in einem Live-Ticker ein Video, auf dem womöglich derselbe Mann aus einem Auto aussteigt und mehrfach seine Waffe abfeuert.

Update, 15.10 Uhr:

Zum Zeitpunkt der Schüsse nahe der Synagoge war das jüdische Gotteshaus voll besetzt. Das sagte der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Halle, Max Privorotzki dem «Spiegel». «Momentan sind 70 bis 80 Personen in der Synagoge», wurde Privorotzki zitiert. Die Sicherungsvorkehrungen am Eingang hätten «dem Angriff standgehalten», zitierte der «Spiegel» ihn weiter. Derzeit feiern Juden auf der ganzen Welt den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur.

Aussage eines Augenzeugen:

Update, 15.07 Uhr:

Laut dem Bericht eines Augenzeugen soll ein Täter versucht haben, in den jüdischen Friedhof einzudringen. Der Mann habe mehrmals mit einer Schrotflinte und einem Maschinengewehr auf die Tür geschossen. Dabei sei dem Täter ein Mädchen zum Opfer gefallen. Außerdem soll er Granaten unter die Friedhoftür geworfen haben.

Nach den tödlichen Schüssen hat die Leipziger Polizei ihre Kräfte vor der Synagoge der benachbarten Stadt verschärft. Einer dpa-Reporterin zufolge stehen etwa fünf Polizisten vor dem Gebäude in der Innenstadt, davon sind mit Maschinenpistolen bewaffnet.

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Foto: Robert Michael/dpa

Weitere Maßnahmen seien bislang noch nicht getroffen worden, so ein Sprecher. Man wolle das weitere Geschehen abwarten und dann entscheiden. Das für Mittwochabend vorgesehene Lichterfest anlässlich des 30. Jahrestages der friedlichen Revolution in Leipzig finde wie geplant statt.

Auch vor der Synagoge in Dresden wurde nach Angaben der Polizei der Polizeischutz erhöht.

Die Bundesregierung hat sich zu den Ereignissen in Halle geäußert. Regierungssprecher Steffen Seibert spricht von «schrecklichen Nachrichten». Dass es zwei Tote gebe, sei «entsetzlich». Er hoffe sehr, «dass die Polizei den Täter oder die Täter möglichst schnell fassen kann und kein weiterer Mensch in Gefahr kommt».

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff hat einen Besuch bei der EU in Brüssel abgebrochen. Der CDU-Politiker verkürze seinen Aufenthalt und komme eher nach Sachsen-Anhalt zurück, sagte ein Regierungssprecher. Haseloff hatte eigentlich mit Vertretern anderer Kohleregionen aus ganz Europa und EU-Vertretern über den Strukturwandel sprechen wollen. Landesinnenminister Holger Stahlknecht unterbricht wegen der Tat in Halle seinen Urlaub und kehrt nach Magdeburg zurück, wie ein Ministeriumssprecher sagte.

Update, 14.18 Uhr: «Amoklage»

Die Stadt Halle spricht nach den tödlichen Schüssen von einer Amoklage: «Im Zusammenhang mit einer Amoklage hat Oberbürgermeister Dr. Bernd Wiegand den Stab für Außergewöhnliche Ereignisse einberufen», teilte die Stadt vor wenigen Minuten mit. Alle Rettungskräfte der Feuerwehr seien in Alarmbereitschaft versetzt worden.

Ein Opfer der Schüsse liegt bedeckt auf einer Straße gegenüber einer Synagoge in der Innenstadt. Das berichtet ein dpa-Reporter, der das Opfer etwa 30 Meter von der Synagoge entfernt auf dem Boden mit einer blauen Decke bedeckt gesehen hat.

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Foto: Sebastian Willnow/dpa

Erstmeldung, 13.55 Uhr:

Ausnahmezustand in Halle: Unbekannte erschießen mitten in der Stadt zwei Menschen und flüchten. Das Motiv ist noch völlig unklar.

Mehrere bewaffnete Täter befinden sich auf der Flucht, sagte eine Polizeisprecherin gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Die Täter seien mit einem Auto geflüchtet. Eine Person wurde bereits verhaftet. «Bleiben Sie trotzdem weiterhin wachsam», twitterte die Polizei am Nachmittag.

Die Polizei ist mit «starken Kräften im Stadtgebiet» unterwegs. Bürger mit allgemeinen Nachfragen sollten die 115 wählen – und den Notruf nur im Notfall, wie die Polizei via Twitter mitteilte.

Die Polizei forderte die Menschen in Halle dazu auf, in ihren Wohnungen oder an ihrem Arbeitsplatz zu bleiben beziehungsweise sichere Orte aufzusuchen.

Halle: Zwei Tote bei Schießerei nahe Synagoge – Täter auf der Flucht – erste Festnahme
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Foto: Sebastian Willnow/dpa

Augenzeugen in Halle berichteten von einem Täter, der einen Kampfanzug und eine Maschinenpistole getragen haben soll. Demnach soll es auch eine Explosion auf einem Friedhof gegeben haben. Unbestätigten Medienberichten zufolge soll sich der Vorfall in der Nähe einer Synagoge zugetragen haben. Die Gegend im Paulusviertel in Halle wurde großräumig abgesperrt.

Der Bahnhof der Stadt in Sachsen-Anhalt wurde wegen polizeilicher Ermittlungen gesperrt. Das teilte das Unternehmen über Twitter mit. Es komme zu Verspätungen.

Neben den Schüssen in Halle hat es auch Schüsse im rund 15 Kilometer entfernten Landsberg (Saalekreis) gegeben. Das bestätigte eine Sprecherin der Polizei Halle der dpa. Zu den näheren Umständen des Vorfalls in dem Ort östlich von Halle wollte sie zunächst nichts sagen.

Die Hintergründe beider Taten sind völlig unklar. Die Polizei warnte vor Spekulationen.

red/dpa