Anschluss an Frauenhaus Rosenheim – Schutz vor häuslicher Gewalt

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Symbolbild Foto: Pixabay

Berchtesgadener Land – Der Landkreis Berchtesgadener Land strebt einen Anschluss an das Frauenhaus Rosenheim an, denn er verfügt selbst über keine eigene Einrichtung. Dieser Lösung stimmte der Kreisausschuss des Berchtesgadener Landes in seiner jüngsten Sitzung zu.


Für Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, ist der erste Ansprechpartner die Polizei. Sie übermittelt den Fall mit einem unterschriebenen Fax an den Sozialdienst katholischer Frauen, der dann umgehend mit den Betroffenen Kontakt aufnimmt. »Ein pro-aktiver Prozess, der sich seit fünf Jahren bewährt hat«, sagte Sozialpädagogin Sabine Weiß, Leiterin der landkreisübergreifenden Interventionsstelle. Weiß fährt fort: »Von 50 Frauen, mit denen wir in Kontakt treten, nehmen 46 das Angebot an.« Die Zahl der Betroffenen nehme dabei kontinuierlich zu. Auch der Landkreis Berchtesgadener Land will das Angebot verbessern. Laut dem Sozialgesetzbuch ist der Landkreis dazu verpflichtet, sich zum Schutz für von Gewalt betroffenen Frauen einem Frauenhaus »zuzuordnen«, verfügt man selbst über kein eigenes. Im Sachvortrag hieß es, dass dieser Anschluss in der Vergangenheit aufgrund eines fehlenden Bedarfes nicht weiterverfolgt wurde. Das soll jetzt geändert werden.

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Der Landkreis Berchtesgadener Land soll nun in einen Verbund mit den Landkreisen Traunstein und Rosenheim aufgenommen werden, um die betreffende Zweckvereinbarung mit dem Frauenhaus vom Sozialdienst katholischer Frauen e. V. Südostbayern (SkF) zu finanzieren. Mit dieser Aufnahme ist eine Erweiterung des Platzangebotes im Frauenhaus in Rosenheim verbunden. Für den Landkreis Berchtesgadener Land bedeutet dies einen jährlichen finanziellen Aufwand von 5 000 Euro für eine Beteiligung an den Personalkosten.

Man will zudem ein offenes Beratungsangebot für von häuslicher Gewalt betroffene Frauen schaffen. Deshalb benötigt die Interventionsstelle SkF zum Ausbau der Beratung einen Zuschuss von 19 092 Euro, um die Versorgungslücke für ein spezielles und weiterführendes Beratungsangebot zu schließen. »Dazu bedarf es einer Verdoppelung von 12 auf 24 Wochenstunden für die Landkreise Traunstein und Berchtesgaden. Im vergangenen Jahr wurde dieser Zuschuss mit der Förderzusage vom 24. September 2020 dem SkF zugesagt«, wird im Sachvortrag des Kreisausschusses festgehalten.

»Das Beratungsangebot ist neben dem Anschluss an das Frauenhaus ein weiterer wichtiger Baustein, um das Hilfsangebot für unseren Landkreis für von Gewalt bedrohte Frauen vervollständigen zu können«, wird im Sachvortrag bekräftigt. Kreisrätin Elisabeth Hagenauer (Grüne) signalisierte zwar die Zustimmung ihrer Partei, sieht aber noch viel Handlungsbedarf. »Ein Platz reicht nicht. Gerade in schwierigen Zeiten unter den Corona-Maßnahmen verschlechtert sich die häusliche Situation der Frauen.«

Sabine Weiß vom SkF verweist auf die seelischen Wunden von misshandelten Frauen. »Es dauert häufig sieben Jahre, bevor sich Frauen öffnen und bereit sind, darüber zu sprechen, wenn sich ein Vertrauensverhältnis aufgebaut hat. Finanzielle Hilfe ist aber nur für drei Beratungen vorgesehen, dabei nimmt die Begleitung oft Monate in Anspruch.« Sie verweist auch auf einen Grundsatz, der im Gewaltschutzgesetz verankert ist und lautet: »Wer schlägt, muss gehen – das Opfer bleibt in der Wohnung.«

Gerd Spranger

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