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Ansporn und Talentförderung für junge Künstler

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Der Gewinner des ARTS-Kulturförderpreises Alexi Tsioris (von links), Marc Stocker von der Middeler Kulturstiftung, Antonio Pedros, Präsident des Lions Club Traunstein, die Vorsitzende von ARTS, Sigrid Ackermann, und Preisträgerin Alexandra Zamosteanu. (Foto: Giesen)

Ein heiter beschwingtes Praeludium von Johann Sebastian Bach spielte die Preisträgerin des diesjährigen ARTS-Kulturförderpreises, Alexandra Zamosteanu zur Einstimmung des Festabends im festlich geschmückten Kulturzentrum Traunstein. Die Vierzehnjährige stellte so gleich zu Anfang schlagend unter Beweis, dass sie den Förderpreis der Traunsteiner Kulturfördervereinigung mit Fug und Recht gewonnen hat.


Weiterer Preisträger ist heuer der 1982 in Athen geborene und seit seinem fünften Lebensjahr in Chieming aufgewachsene Bildhauer Alexi Tsioris. Von ihm war eine groß angelegte Rauminstallation bei der ARTS-Akzente Ausstellung im März dieses Jahres in der Klosterkirche zu sehen gewesen. Wegen der räumlichen Größe seiner Arbeiten waren bei der Preisverleihung nur Fotos von ihnen zu sehen.

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Nach der Begrüßung durch den stellvertretenden Vorsitzenden von ARTS, Thomas Pensler, stellte Oberbürgermeister Christian Kegel, die große Bedeutung des seit 1992 bestehenden ARTS-Kulturförderpreises als »unverzichtbares Instrument der Talentförderung in der Region« heraus. Nachwuchsförderung sei eine wichtige Angelegenheit und Voraussetzung dafür, dass junge Künstler ihr Talent entfalten können, so Kegel. Er sprach ARTS, der langjährigen Vorsitzenden Sigrid Ackermann und seinen engagierten Mitgliedern seinen Dank aus, dass sie mit ihren Veranstaltungen das Kulturprogramm in der Großen Kreisstadt, die sich als »das kulturelle Herz des Chiemgaus« verstehe, so sehr bereichern. Kegel würdigte auch den Lions Club Traunstein und die Middeler Kulturstiftung Breitbrunn, die die Preise seit fünf Jahren sponsern.

Den anerkennenden Worten und Glückwünschen für die Preisträger schloss sich der stellvertretende Landrat Josef Konhäuser auch im Namen von Landrat Siegfried Walch an. Die Arbeit von ARTS trage einen großen und bedeutenden Teil dazu bei, dass es im Landkreis Traunstein eine so facettenreiche Kulturlandschaft gebe. Konhäuser betonte auch das große Engagement des Landkreises für die Förderung der Kultur. In 2013 seien insge-samt rund 600 000 Euro im Bereich Kultur für Musikschulen, Musik- und Denkmalpflege, die Oberbayerischen Kulturtage oder Buch- und Filmprojekte im Landkreis ausgegeben worden.

»Botschafter der Toleranz«

Ein Glanzpunkt der Veranstaltung war der Festvortrag von Professor Dr. Martin Doehlemann. Er lehrte Soziologie an der Fachhochschule Münster im Fachbereich Sozialwesen mit den Schwerpunkten Kultursoziologie und Soziologie der Sozialisation und verfasste mehrere Bücher. Über das zuletzt erschienene »Till Eulenspiegel und Nasreddin Hodscha« – Zwei Schelme aus alter Zeit als Botschafter – sprach Doehlemann bei seinem Fest-vortrag auch anhand vieler humorvoller Beispiele. Er zog Vergleiche zwischen dem Wissen und Wirken der beiden weisen Narren aus dem 14. Jahrhundert und dem Können und Wirken eines Künstlers von heute. Anhand zweier Bilder auf dem Podium, die von dem Traunsteiner Maler, Günther Lehmann stammten, der das Büchlein bebildert hat, zeigte Doehlemann, wie der Künstler die Weisheiten der Narren ins Bild setzte.

Anschließend stellte Judith Bader, Leiterin der Städtischen Galerie Traunstein, den Preisträger Alexi Tsioris vor. Er verbrachte seine Schulzeit an der Reiffenstuel-Realschule in Traunstein, wo sein künstlerisches Talent und eine starke Eigenwilligkeit schon seinem Kunsterzieher Herbert Stahl, dem jetzigem Vorsitzenden des Kunstvereins Traunstein, aufgefallen sind, erinnerte Judith Bader. Ab 2002 absolvierte Tsioris ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München, das er 2009 als Meisterschüler in der Bildhauerklasse von Professor Nikolaus Gerhard beendete. Durch dessen Förderung erhielt er auch ein Stipendium in Japan. 2011 bekam der junge Bildhauer den Kunstpreis der Akademie der Schönen Künste. »Mit ästhetischem Witz, geistreicher Ironie, Intelligenz und spielerischem Zugriff vermittelt uns Alexi Tsioris seine Kritik an dem uns beherrschenden Funktionalismus, seinen Spott für ein mechanistisches, eindimensionales Weltbild und seinen Widerstand gegen eine allein auf Ziele, Resultate und Fortschritt ausgerichtete Realität« beschrieb die Kunsthistorikerin Tsioris´ Anliegen seiner künstlerischen Arbeit.

Sigrid Schlegel, ebenfalls stellvertretende Vorsitzende von ARTS und selbst Musikerin und Musiklehrerin, stellte die junge Pianistin Alexandra Zamosteanu vor. Beide Eltern stammen aus Rumänien, lernten sich aber erst in Deutschland kennen. Als Alexandra drei Jahre alt war, kauften die Eltern ihr auf dem Flohmarkt ein kleines Harmonium als Spielzeug, woraufhin bald ihre besondere Begabung, sich in Klänge zu vertiefen und nach dem Gehör zu spielen, sichtbar wurde. Als Fünfjährige wurde Alexandra nach einem Begabungstest in die Musikschule Traunstein aufgenommen. Seit ihrem 10. Lebensjahr wird sie von der Nürnberger Klavierpädagogin Nanette Goletzko unterrichtet, die seit über zwölf Jahren auch in Ruhpolding Musikseminare veranstaltet. An Wochenenden fährt Alexandra oft zum Unterricht nach Nürnberg und übt während der Woche am Flügel des Annette-Kolb-Gymnasiums in Traunstein, das sie besucht. Sie hat inzwischen an sechs Musikwettbewerben mit Erfolg teilgenommen, sagte Frau Schlegel. Ihre außergewöhnliche Begabung demonstrierte sie dem begeisterten Publikum nicht nur durch die einleitende Fuge von Bach, sondern durch weitere Stücke von Franz Schubert, Sergej Prokofjew und dem 1929 geborenen George Crumb.

Bei der feierlichen Preisverleihung mit Marc Stocker als Vertreter der Middeler Kulturstiftung Breitbrunn und Antonio Pedros, dem Präsidenten des Lions Club Traunstein, überreichte Sigrid Ackermann den von beiden Organisationen gesponserten Kulturförderpreis an Alexandra Zamosteanu und Alexi Tsioris. Mit kleinen Geschenken ehrte die Vorsitzende von ARTS, Sigrid Ackermann, im Anschluss auch Imke von Keisenberg sowie das Traunsteiner Ehepaar Giese für ihr Engagement bei den Traunsteiner Sommerkonzerten. gi