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Anspruchsvoll und anrührend

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Pianist Matthias Veit (von links vorne), Kammersängerin Helen Donath und Dieter W. Höpfner mit den fünf Meisterkurs-Absolventinnen Inga Lisa Lehr (von links), Henrika Fabian, Nuria Zehrer, Natalia Labourdette Alda und Ylva Sofia Stenberg. (Foto: Gärtner)

Was tut eine Texanerin in Sachrang? Sie gibt einen Meisterkurs. Helen Donath ist weltberühmt als Sängerin – also lehrt sie das Singen. Der Verein »Musik Forum Sachrang« verlor durch den Tod Tom Krauses vor zwei Jahren den langjährigen Kurs-Leiter der Sparte »Gesang«, Helen Donath ist seine Nachfolgerin. Auf den Bassbariton folgte die Sopranistin. Sie will, wie sie beim Abschlusskonzert ihres Meisterkurses in der Pfarrkirche St. Michael hingebungsvoll erklärte, diese besondere »Professur« im schönen Sachrang gerne weiter wahrnehmen.


»Das älteste und schönste Organ der Musik ist die menschliche Stimme.« An dieses Diktum Richard Wagners erinnerte Donath nach dem ersten »Durchgang« der fünf von ihr ausgewählten und betreuten jungen Gesangsstars in spe. Eine Schwedin, eine Spanierin, drei Deutsche. Die jüngste heißt Nuria Zehrer, gerade 17 Jahre alt geworden und kommt aus München. Sie begann, von der Orgelempore aus, mit Arvo Pärts »Vater unser«. O je, dachte wohl mancher Zuhörer im Kirchenschiff, man kriegt die Stimmträgerinnen nicht zu Gesicht, nachdem Inga Gabriel Faurés »Pie Jesu« aus einem Versteck heraus vorgetragen hatte.

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Doch Kurs-Chefin Helen Donath versteht nicht nur viel vom Singen, sondern auch einiges von Dramaturgie: Nach und nach kamen die Künstlerinnen nach vorne, quasi an die Kommunion-Bank. Hier beschenkten sie das Publikum mit ihren anspruchsvoll und raum-stimmig ausgewählten, anrührend und virtuos dargebrachten Liedern, Arien und Duetten (am Ende gar Humperdincks Engelsgesang aus »Hänsel und Gretel«), rissen es, anfangs noch verhalten, mehr und mehr lautstark zu herzlichem Beifall hin.

Ylva Sofia Stenberg für ihr Mozart-«Laudate« und ihre Donizetti-Arie aus »Linda di Chamonix«, Natalia Labourdette Alda für ihre famose Gilda-Klage aus »Rigoletto« und Rosaria-Romanze aus »El Cabo primero«, Henrika Fabian für ihre schlichten Copland-Songs und das Caccini-Ave Maria«. Inga Lisa Lehr begeisterte als Liu nicht minder denn als Pamina, und »Nesthäkchen« Nuria Zehrer, die sich an die »Espresso-Ausgabe« der Bach'schen »Kaffeekantate« wagte, sagte mit Schuberts »Meine Ruh' ist hin, mein Herz ist schwer …« ade. Matthias Veit hatte als Begleiter genug zu tun: von der Klassik bis zur Folklore, vom Kunstlied bis zur Opernarie. Er spiele einen »orchestralen Flügel«, lobte Helen Donath. Womit sie Recht hatte.

Man darf gespannt sein auf die Karriere der Sängerinnen und auf die Einlösung der Zusage von Matthias Veit, nächstes Mal auch »Jungens anzuheuern«. Hans Gärtner

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