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Anspruchsvolle Unterhaltungsmusik und meditative Klänge

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Gestalteten einen tollen Chansonabend: Sängerin Maren Ulrich und Pianist Felix Nagl. (Foto: Janoschka)

Auch wenn die Ruhpoldinger Konzerttage unter der Ägide der Kulturinitiative Ruhpolding heuer bereits zum 12. Mal stattfinden – man muss sie einfach als Geheimtipp empfehlen.


Das außergewöhnliche Programm der zweiten Veranstaltung dieser Konzertreihe im Kulturhaus Nagl enthielt Songs aus der Dreigroschenoper wie die »Ballade der sexuellen Hörigkeit« und den »Barbara Song« oder Gossenlieder wie »Surabay Johnnie«, ebenfalls von Kurt Weill und die »Ballade von der Judenhure Marie Sanders« von Hans Eisler, jeweils nach Texten von Bert Brecht. Auch die »Dame im Schatten« von Michael Nyman nach einem Gedicht von Paul Celan und das »Klagelied der Schönen« von Thorsten Larbig und Friedhelm Kändler bot das Duo mit Sängerin Maren Ulrich und Pianist Felix Nagl mit dem wort-verspielten Namen »Fauxpas de deux« ebenso dar wie das selten gehörte »Amsterdam« von Jacques Brel sowie »Wenn ich mir was wünschen dürfte« von Friedrich Holländer und »Das Lied ist aus« von Robert Stolz.

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Die Stimmen von Straßenmädchen wollten sie zu Gehör bringen. Dementsprechend frivol waren die Texte. Dazu passten die neuen Bilder der Malerin Monika Nagl-E an der Wand des Konzertraums, besonders die in Orange und grün gehaltene Bildfahne mit den vielen, durcheinander laufenden Schriftzügen »Liberté«, (dt.: Freiheit). Doch die Texte der Chansons waren nicht nur anzüglich, sie waren vor allem auch philosophisch-tiefgründig, oft auch bedrückend-ehrlich und schwermütig im Rückblick auf die Geschehnisse der ersten Jahrzehnte im 20. Jahrhundert.

Maren Ulrich studiert Sprechkunst und Jazz-Gesang und ist Stipendiatin mehrerer Stiftungen. Der Pianist Felix Nagl weist nicht nur wichtige Konzerterfahrungen im Bereich Klassik auf, sondern ist auch Experimentalmusiker. Seine Empathie für zeitgenössische Musik bewies er ein weiteres Mal bei seiner tief empfundenen Interpretation der Werke »Kupka: Die Kathedrale« (2007) der tschechischen Komponistin Michaela Pálka-Plachká (*1981) und »Silent Light« (2012) ihres Ehemannes Tomás Pálka (*1978), die den ersten Programmteil einrahmten.

Das Werk »Kupka: Die Kathedrale« für Klavier solo ist inspiriert durch dieses Bild des tschechischen Malers Franz Kupka (1871 bis 1957), das zwei Kirchenfenster der Kathedrale von Chartres in Frankreich zeigt, deren mittelalterliche Darstellungen er kubistisch in Farbparallelogramme aufgelöst hat. Dem Lichtspiel eines riesigen Kristalls entsprechend, setzte der Maler die Farben – vor allem das Blau des berühmten Madonnenfensters – in eine Bildkomposition um.

Diese verwandelte Michaela Pálka-Plachká kongenial in eine meditative Klanginstallation mit reflektierenden Glitzereffekten – mit Klängen, die durch Klaviertasten ebenso wie von einer Karte, die die Saiten anreißt, produziert werden, oder von einem Holzstab, der metallisch-zart auf die Saiten oder stumpf auf das Holz des Flügels geklopft wird. Licht und Klang bzw. Stille spielen auch in »Silent Light« eine Rolle. Klang der Saiten der menschlichen Seele?

Dass Chansons aus alten Tagen und Musik aus neuer Zeit zusammenpassen, bewies das Duo »Fauxpas de deux« mit Bravour. Maren Ulrich rezitierte hinreißend »Traumbild Nr. 8« von Heinrich Heine und verstand es in ihren Chansons hervorragend, mit Gesang- und Sprechkunst durch variable Stimm- und Wortgestaltung spannend-skurrile Geschichten von emotionaler Zerrissenheit zu erzählen oder Broadway-Atmosphäre zu kreieren, etwa in dem mitreißenden »The Life of the Party«. Vor allem aber schlüpfte sie authentisch in eine Rolle und lebte den Inhalt des Chansons mit. Auf diese Weise verstand sie es, die Zuhörer zu berühren und Gänsehaut-Feeling zu vermitteln. Ihr einfühlsamer Begleiter Felix Nagl gab ihr dafür die beseelt-brillante Basis. Gemeinsam entstand so eine ebenso prickelnd-packende, wie kunstvolle Bühnen-Show, die in die Tiefe ging. Das Publikum hatte deutlich Lust auf mehr und erklatschte sich einige Zugaben.

Das nächste Konzert im Rahmen der Ruhpoldinger Konzerttage findet am 11. September, um 19 Uhr in der Pfarrkirche St. Georg in Ruhpolding statt. Das Orchester Pro Musica Salzburg unter der Leitung von Wilfried Tachezi spielt Werke von W. A. Mozart, L. v. Beethoven und J. Brahms. Brigitte Janoschka

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