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Anti-Krebs-Gesetz: Von Kranken lernen

Berlin (dpa) - Krebs ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Die Zahl der Krebstoten ist zuletzt um 3000 auf 218 900 Menschen gestiegen. Die Regierung will den Kampf gegen den Krebs durch ein neues Gesetz verstärken - was soll es bringen?

Krebs-Tumor
Die Regierung will der steigenden Anzahl von Krebserkrankungen mit Hilfe eines neuen Gesetzes entgegen wirken. Foto: Jan-Peter Kasper Foto: dpa

Welche Veränderungen sind für die Bürger am konkretesten spürbar?

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Wie bereits bei Brustkrebs sollen ab 2016 die Angehörigen bestimmter Altersgruppen regelmäßig zur Früherkennung von Gebärmutterhals- und Darmkrebs eingeladen werden. Altersgrenzen und Einladungsrhythmus sind noch offen. Menschen ab 50 kommen bei Darmkrebs infrage, bei Gebärmutterhalskrebs Frauen zwischen 20 und 65.

Gibt es skeptische Stimmen zu dem Früherkennungsprogramm?

Früherkennung kann auch zu unnötigen Diagnosen und Therapien führen. So führen Ärzte bei Patienten in der Regel eine Darmspiegelung durch, wenn per Stuhltest Blut entdeckt wird - Komplikationen können die Folge sein. Doch die Senkung der Krankheits- und Todesraten sind ein schlagendes Gegenargument - jährlich könnten laut Regierung bis zu 65 000 Darmkrebsneuerkrankungen vermieden werden.

Was ändert sich in den Kliniken?

In jedem Bundesland soll es ab 2018 Krebsregister geben - mit einheitlichen Standards. Heute gibt es solche Datensammlungen vor allem schon in den ostdeutschen Ländern, aber auch in Bayern. Die Daten möglichst aller Krebspatienten sollen erfasst werden - von der Diagnose über die Therapieschritte bis zu Nachsorge und Rückfällen.

Welchen Nutzen haben die Krebsregister?

Die beste Behandlung soll durch Vergleich ermittelt werden - und zur Richtschnur für alle werden. Außerdem soll geprüft werden können, ob in den einzelnen Kliniken immer gemäß bestehender Leitlinien behandelt wird - als Voraussetzung für Verbesserungen. Die klinischen Krebsregister, die nun flächendeckend erstellt werden sollen, geben ihre Daten an übergreifende bevölkerungsbezogene Register weiter, die Erkenntnisse über das Auftreten von Krebs nach Alter, Geschlecht und Wohnort liefern.

Gibt es Beispiele für den Nutzen solcher Datensammlungen?

Ja. So hat man etwa erkannt, dass nicht bei jeder Brustkrebsoperation alle Lymphknoten im Achselbereich entfernt werden müssen. Auch die Therapien von Kindern mit Krebs konnten mittels eines bereits existierenden Registers verbessert werden. Gelernt haben die Ärzte auch, dass bei Darmkrebs eine Chemotherapie die Erfolgsaussichten einer Operation verbessert.

Warum dürfte es noch einige Jahre dauern, bis die Register überall installiert sind?

Zunächst muss der Spitzenverband der Krankenkassen Standards festlegen. Konkret geht es vor allem darum, welche Daten erhoben werden. Die Bestimmungen zur Einrichtung der Register blieben außerdem Regelungen in den einzelnen Ländern vorbehalten. Den Betrieb der Datensammlungen zahlen die Kassen.

In welchem Turnus werden die Daten ausgewertet?

Erkenntnisse sollen daraus laufend gewonnen werden können. Einmal pro Jahr müssen alle Daten für jedes Bundesland systematisch ausgewertet werden. Der Kassenverband soll alle fünf Jahre einen Bericht über den bundesweiten Stand bei der Registrierung veröffentlichen.

Gibt es Kritik?

Das Gesetz zielt nicht auf Prävention, etwa auf Programme für eine gesündere Lebensweise. Die AOK vermisst einen stärker bundesweiten Ansatz, der Patienten und Ärzten ermöglicht, rasch die beste Therapie und die beste Klinik zu ermitteln. Die SPD hält eine Veröffentlichung der anonymen Daten für geboten, so dass man etwa erkennen kann, ob es in der Nähe bestimmter Fabriken zu vermehrten Krebsfällen kommt. Die Deutsche Krebsgesellschaft spricht hingegen von einem Durchbruch.

Was wird noch geregelt?

Eine Strafregel für Früherkennungsmuffel soll wieder gestrichen werden. Sie besagt, dass Chroniker etwa für Arzneimittel im Fall einer Krebserkrankung mehr zuzahlen müssen, wenn sie bestehende Früherkennungsuntersuchungen nicht regelmäßig in Anspruch genommen haben.

Referentenentwurf

Daten zum Krebs

Todesursachenstatistik

AOK-Kritik

Krebsvorsorge nach Krebsart

Krebsvorsorge der Kassen

Studie zu Sinn von OPs bei Prostatakrebs

Ankündigung Bahr

Nationaler Krebsplan

Krebsregistergesetz