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Antonin Dvorák und mehr Kammermusik aus Tschechien

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Das Notos Klavierquartett spielt am 2. September Werke von Schumann, Martinu und Dvorák.

Musik aus Tschechien? Da fallen spontan drei Namen: Smetana, Dvorák, Janácek. Das ist wohl richtig, aber nicht ganz gerecht und nicht weit genug gefasst. Denn neben diesem genannten, alles beherrschenden Musikertriumvirat, das gerne mit dem Begriff tschechische Nationalmusik in Verbindung gebracht wird, gibt es eine Menge bemerkenswerter Komponisten aus diesem an Musik so reichen Land.


Einige davon holen die diesjährigen Traunsteiner Sommerkonzerte aus dem Abseits. Dazu gehören der Bach-Zeitgenosse Jan Dismas Zelenka, weiterhin Frantisek Xaver Richter (wahrer Erfinder des Streichquartetts?), die Leitfigur der tschechischen Moderne, Bohuslav Martinu, die NS-Verfolgten Erwin Schulhoff und Emil Frantisek Burian sowie deren Zeitgenosse Klement Slavicky. Die Reihe ließe sich leicht fortsetzen. Für das siebentägige Festival muss indes die genannte Auswahl reichen, zumal auch mit der Aufführung der drei Großen, allen voran Dvorák, in Traunstein ein wenig Nachholbedarf besteht.

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Im letzten Jahr war das SIGNUM Saxophon Quartett ein Novum bei den Sommerkonzerten, das mit Bearbeitungen und Arrangements klassische Musik in ungewöhntem Klanggewand präsentierte. Ganz ohne Effekthascherei setzte das Ensemble ausschließlich auf neue Aussagekraft. An neue akustische Erfahrungen will auch das Trio Belli–Fischer–Rimmer heranführen. Erstmals kommen die drei Virtuosen nach Traunstein: Das sind der junge, mit Preisen überhäufte Posaunist Frederic Belli, der Schlagzeuger Johannes Fischer (1. Preis ARD-Wettbewerb 2007) sowie der Pianist Nicholas Rimmer (Klavierpartner von Maximilian Hornung im letzten Jahr!).

Eine weitere Triobesetzung ist neu in Traunstein: Das holländische Schulhoff Trio, ein sogenanntes »Rohrblatt-Trio« mit Oboe, Klarinette, Fagott (auch »trio d’anches« genannt.) erhält zeitweise Unterstützung von zwei Basso continuo-Spielern an Kontrabass und Cembalo (Thomas Hartmann aus Chieming). Das Programm im Einzelnen:

2. September: Das mit sechs für ihr Fach wichtigsten Preisen ausgezeichnete Notos Klavierquartett spielt die Quartette von Schumann, Martinu und Dvoráks op. 23. Der Bayerische Rundfunk schneidet das Konzert mit.

3. September: Das Trio Belli–Fischer–Rimmer arrangiert u.a. Kompositionen von Bach, Brahms, Dvorák, Debussy, Bernstein und präsentiert dazwischen eine reizvolle Auswahl von zeitgenössischen Originalwerken für die spezielle Besetzung Posaune, Schlagzeug, Klavier. 4. September: Musik aus Tschechien kompakt und zwar mit dem Zemlinsky Quartett. Die vier Musiker aus Prag gewannen 2010 den wohl wichtigsten Streichquartett-Wettbewerb von Bordeaux. Dieses und weitere Aushängeschilder waren Grund genug, das Ensemble gleich für zwei Konzerte mit Werken ausschließlich tschechischer Komponisten einzuladen. Auf dem Programm stehen zunächst Werke von Richter (op. 15/1), Janácek (Nr. 1) und Dvorák (Nr. 13).

5. September: Als musikalischer Botschafter seines Landes führt das Zemlinsky Quartett an seinem zweiten Abende die Streichquartette von Burian (Nr. 4) und Smetana (Nr.2) auf. Für das Klavierquintett von Dvorák op. 81 hat das Ensemble seinen Landsmann Martin Kasik ausgesucht, Gewinner des Young Concert Artists Competition New York 1999 (fünf Jahre nach Fazil Say). Als Solist spielt er zusätzlich noch Janáceks Solo-Sonate I. X. 1905.

6. September: Das holländische Schulhoff Bläsertrio beginnt seine musikalische Reise in Deutschland (Bach), geht anschließend nach Spanien (Hektor Villa-Lobos), Korea (Isang Yun), Österreich (Werner Pirchner) und verweilt immer wieder in Tschechien, bei Zelenka, Slavicky und Schulhoff.

7. September: Und noch einmal ein Trio. Auch das Van Baerle Klaviertrio kommt aus den Niederlanden. Die drei Musiker gewannen vor zwei Jahren in ihrem Fach den ARD-Wettbewerb, zusätzlich den Publikumspreis. Ihr Konzert mit Werken von Smetana, Willem Jeths (»Chiasmos«) und Mendelssohn (Nr. 1) wird ebenfalls vom Bayerischen Rundfunk mitgeschnitten.

8. September: György Kurtágs »Kafka-Fragmente« werden in ihrer Intensivität mit Schuberts »Winterreise« verglichen. Die literarische Grundlage des Werks sind Tagebuchaufzeichnungen, Briefe und Fragmente aus dem Nachlass Franz Kafkas. Es war der Wunsch der Geigerin Isabel Faust, diesen Liederzyklus zusammen mit Christine Schäfer aufzuführen – ein Wunsch, der in Erfüllung ging. Die Aufführung mit diesen beiden außergewöhnlichen Künstlerinnen bildet den Abschluss der diesjährigen Traunsteiner Sommerkonzerte.

Programmdetails findet man auch im Internet unter: www.traunsteiner-sommerkonzerte.de. Karten können unter Telefon 08 61  /  20 99 67 reserviert werden. Imke von Keisenberg

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