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»Anwalt der Jugend« tritt ab

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Günter Lehner in seinem Anwesen in der Ramsau. (Foto: Scheidsach)

Berchtesgaden – Nach mehr als drei Jahrzehnten ist Schluss: Günter Lehner wurde am Donnerstag nach 32 Jahren Zugehörigkeit zum Kuratorium der Christophorusschule Berchtesgaden und als Mitglied und Vorsitzender des Elternbeirats von 1980 bis 1993 von ehemaligen Kollegen im Hotel »Intercontinental« am Obersalzberg verabschiedet. In den vielen Jahren hat der 76-Jährige in der pädagogischen Provinz vieles bewegt und galt stets als Unterstützer der Jugendlichen und großzügiger Gönner. Seit 1996 ist er »Partner der Jugend«.


Günter Lehners Zeit am CJD beginnt mit dem Eintritt seiner beiden Söhne in das Gymnasium am Obersalzberg. 13 Jahre gehört Lehner von nun an dem Elternbeirat als Mitglied und Vorsitzender an, ab 1982 dem Kuratorium. Von Beginn an beschäftigte er sich mit dem Leben und den Problemen, die sich hinter einer Schule mit Internat verbergen. Lehner hatte ein offenes Ohr für die Jugendlichen und begegnete ihnen mit Verständnis, Sympathie und Einfühlungsvermögen. Großzügige Spenden waren beim gebürtigen Bad Reichenhaller keine Seltenheit.

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Schmutzige Tische

Als er zum ersten Mal den Speisesaal der Schule betreten hatte, so erinnert sich Lehner im Gespräch mit dem »Anzeiger«, seien ihm die schmutzigen Tische aufgefallen. »Das hat mir gar nicht gefallen. Überall am Tisch war das Essen verteilt«. Daraufhin folgte eine Spende von 150 Tischdecken und das Problem war behoben, denn von nun an landete kein Essen mehr neben dem Teller. »Ich sagte den Kindern immer: Wer etwas möchte, der muss auch etwas zurückgeben. Sie hielten sich daran.«

Zusätzlich half der Gönner auch beim Ablauf der Abiturfeiern und hielt mehrere Abiturreden. So galt Lehner später als »Anwalt der Jugend« und wurde 1996 vom Präsidium des CJD mit der Medaille »Partner der Jugend« ausgezeichnet.

Stifter und Spender

Lehner war jedoch auch anderweitig als Stifter aktiv. So leistete er mehrere Beiträge zur Bekämpfung der Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose und spendete zudem an Kinderkrankenhäuser im Ausland. Die Öffentlichkeit mied Lehner dabei jedoch stets. »Der ideelle und materielle Einsatz ist eine Sache«, sagte Stefan Gauer, ehemaliger Rektor der Christophorusschule Berchtesgaden, bei seiner Laudatio an Lehner am vergangenen Donnerstag, »das Opfer an Zeit eine andere.« Denn trotz beruflicher Verpflichtungen hatte Lehner nie seine Freunde und Schüler in Berchtesgaden vergessen. Noch heute arbeitet der selbstständige Bauingenieur in seinem Büro in München und besitzt ein kleines Haus in der Ramsau.

Die Idee der »Ehrennadel«

Auch die Idee mit der sogenannten »Ehrennadel«, ein Abzeichen, das Lehner über Jahre den Absolventen überreichte, stammte vom früheren Elternbeiratsvorsitzenden. »Ich wollte, dass jeder, der am Obersalzberg sein Abitur abschließt, mit diesem Zeichen eine besondere Bindung zur Christophorusschule bekommt«, erklärt Lehner. CJD-Partnerschulen hätten dem nachgeeifert und versucht, das Ehrenzeichen abzukupfern. »Die Nadel sollte etwas Besonderes bleiben. Ich sagte ihnen: Kommt nicht in Frage, überlegt euch etwas eigenes«, fügt Lehner schmunzelnd hinzu. Als langjähriges Mitglied des Kuratoriums entwickelte Lehner auch ein persönliches Verhältnis zu Arnold Dannenmann, dem Gründungsvater des CJD. »Für mich war das Jugenddorf am Obersalzberg immer das Paradebeispiel, als es Arnold Dannenmann damals gründete«, sagt Lehner, weiß aber auch, »dass durch die rasche Zentralisierung dieser Jugenddorf-Charakter nicht mehr gegeben ist.« Die Verabschiedung war für den 76-Jährigen »eine wirklich tolle Sache«, und auch wenn Günter Lehner nicht mehr dem Kuratorium angehört, scheint sicher, dass er das CJD nicht aus den Augen verlieren wird. Beni Scheidsach

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