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Apostelzyklus aus dem Dom von Halle und Stahlskulpturen von Stefan Forler in der Klosterkirche

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»Gesichter der Renaissance« an den Wänden und Stahlskulpturen von Stefan Forler sind noch bis zum 6. November in der Klosterkirche Traunstein zu sehen. (Foto: Giesen)

Eine gerade durch ihre Gegensätze reizvolle Ausstellung der Kulturfördervereinigung ARTS ist bis zum 6. November im Kunstraum Klosterkirche in Traunstein zu sehen. An den Wänden werden großformatige, schwarz-weiße Fotografien aus dem Dom von Halle gezeigt. Es sind die höchst kunstvoll fotografierten Abbildungen der Apostel und Heiligen, die im Dom in mehreren Metern Höhe auf Postamenten stehen.


Geschaffen wurden sie um das Jahr 1520 von dem Mainzer Bildhauer Peter Schroh, der dem künstlerischen Umkreis von Matthias Grünewald und Lucas Cranach angehörte. Diese »Gesichter der Renaissance« lichtete der Fotograf Eberhard Zwicker (1915-1999) in einer kalten Winternacht 1947 ab. Durch die besondere Beleuchtungstechnik wirken die Physiognomien der Heiligen ungemein lebendig, geradezu dramatisch.

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Im Unterschied zu den typisierten Gesichtern der Romanik sind hier – nur einige Jahrzehnte später in der Renaissance – individuelle Charakterzüge zu erkennen. Die großartigen Abbildungen erinnern den Betrachter natürlich unwillkürlich auch an die ursprünglich kirchliche Vergangenheit des Kunstraums Klosterkirche, die 1690 zu dem zugehörenden Kapuzinerkloster gebaut wurde.

In starkem Gegensatz dazu stehen die Installationen des zeitgenössischen Künstlers Stefan Forler, der 1940 geboren in Landau in der Pfalz und München lebt und arbeitet. Der Kunstschmied und Bildhauer, der auch an der Münchner Meisterschule für Metallbauer unterrichtete, lernte unter anderem bei dem im Chiemgau ansässigen Heinrich Kirchner. Während Kirchner aber meist figürlich und mit Bronzeguss arbeitete, verlegte sich Forler auf eine abstrakte, konstruktivistische Herangehensweise mit Stahl.

Für die Ausstellung im Kunstraum Klosterkirche hat Forler ein schlüssiges Konzept entwickelt, das auf diesen besonderen Raum zugeschnitten ist. Zehn aus Stahl geschmiedete, massive Stäbe führen am Boden liegend diagonal durch das Kirchenschiff. Im Chorraum befinden sich zehn vergleichsweise leichte, aus Rundstahl gebogene Quadrate, die als lockere Ansammlung von Einzelelementen eine Gruppe bilden. Je nach Standpunkt des Betrachters erlauben sie einen ganz unterschiedlichen Blickwinkel. Dagegen weist ein einziges monumentales Objekt, benannt »Einzelner« von 1977, auf einem großen Sockel in die offene Höhe des Kirchenraums.

So integriert die Anordnung der Skulpturen im Kirchenraum die besonderen Gegebenheiten der Architektur mit ihrem Grund- und Aufriss, ihren Ecken und Kanten. Es wird ein Spannungsfeld zwischen Quadrat und Rechteck, Linie und Fläche, Dreidimensionalität und Zweidimensionalität, Schwere und Leichtigkeit entwickelt. Die plastischen Formen von Stefan Forler sind auch ohne gegenständliche Bedeutung in den Raum projizierte Realität.

So »bringen sie unsere Bewusstseins- und Wahrnehmungsmuster ins Wanken, schulen unser Auge und unseren Verstand für das Sehen und Reflektieren in Systemen, Ordnungen, Analogien und Gegensätzen«, erklärte die Leiterin der Städtischen Galerie Traunstein, Judith Bader, bei der Vernissage. Die Präsentation Forlers könne so zu einem »Erfahrungsraum der Erkenntnis« werden, wenn der Betrachter bereit sei, sich nicht nur als Teil des Kunstwerks zu begreifen, sondern als Teil der Welt. Unter dem Motto »Kunst im Park« sind derzeit auch am Wochinger Spitz Stefan Forlers »Schachhochstühle« zu sehen.

Die Ausstellung im Kunstraum Klosterkirche ist bis Sonntag, 6. November, dienstags bis freitags von 15 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Am letzten Tag der Ausstellung wird um 15 Uhr ein Ausstellungsrundgang mit dem Künstler Stefan Forler und der Leiterin der Städtischen Galerie, Judith Bader, angeboten. Für Gruppen und Schulklassen sind Führungen nach telefonischer Anmeldung unter der Telefonnummer 0861/164319 möglich. Christiane Giesen