weather-image
19°

Arbeitnehmer sollen Risikogebiete im Urlaub meiden

4.3
4.3
Traunstein: Heimische Arbeitnehmer sollen im Urlaub Risikogebiete meiden
Bildtext einblenden
Viele Ziele locken im Urlaub – etwa auch der Nationalpark Harz (unser Foto). Arbeitgeber im Landkreis Traunstein empfehlen Arbeitnehmern in Zeiten der Corona-Pandemie, das Ziel mit Bedacht auszuwählen und insbesondere nicht in Risikogebiete zu fahren. (Foto: dpa)

Der Himmel ist blau, die Sonne scheint. Besser hätte der Start in die Sommerferien kaum ausfallen können. Auch im Landkreis Traunstein herrscht allerorten Urlaubsstimmung, Fernweh macht sich breit. Doch heuer ist Vorsicht geboten, die Corona-Pandemie beeinträchtigt die Planungen.


Von Seiten der Arbeitgeber kommen – wie eine Umfrage des Traunsteiner Tagblatts ergeben hat – Empfehlungen: Insbesondere fordern sie die Arbeitnehmer auf, Risikogebiete zu meiden. Auch besondere Maßnahmen ergreifen die Chefs – etwa auch der Gestalt, dass sie Masken für den Urlaub in fernen Landen oder auch Karten zum Wandern in der heimischen Region ausgeben.

Anzeige

»Auf die Wahl des Urlaubsorts hat der Arbeitgeber keinen Einfluss«, erläutert Wolfgang Janhsen, der Leiter der IHK-Geschäftsstelle Rosenheim, die rechtliche Ausgangssituation. Diese Entscheidung treffe der Arbeitnehmer »selbstverständlich alleine«. Auch die Einstufung als Risikogebiet durch das Robert-Koch-Institut (RKI) führe nicht zu einem Reiseverbot. Im Regelfall verhänge das Auswärtige Amt aber Reisewarnungen für Risikogebiete.

»Allerdings ist der Arbeitnehmer nach überwiegender Auffassung in der arbeitsrechtlichen Literatur verpflichtet, von sich aus mitzuteilen, wenn er seinen Urlaub in einem Risikogebiet verbracht hat.« Diese Angaben seien vor allem deshalb wichtig, so Janhsen weiter, damit der Arbeitgeber seine Fürsorgepflichten gegenüber den anderen Mitarbeitern erfüllen könne. »Außerdem sollte sich jeder Arbeitnehmer bewusst sein, dass er, wenn er wissentlich in einem Risikogebiet Urlaub macht, bei einer eventuellen Quarantäne nach Rückkehr seinen Anspruch auf Lohnfortzahlung verlieren kann.«

Laut Janhsen setzen die Unternehmer im Raum Traunstein seit Beginn der Pandemie alles daran, Mitarbeiter, Geschäftspartner und Kunden vor Ansteckungen zu schützen und das Infektionsrisiko im Betrieb möglichst gering zu halten. Die Mitarbeiter haben es jetzt seinen Angaben zufolge selbst in der Hand, ihren persönlichen Beitrag dazu zu leisten. Sie seien aufgefordert, das Urlaubsziel für den Sommerurlaub »mit Umsicht« auszuwählen.

Schutzmasken für den Urlaub

Die Firma Brückner hat ihre 750 Mitarbeiter am Campus Siegsdorf noch einmal auf die geltenden Regeln aufmerksam gemacht. »Bereits Anfang Juli haben wir unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern empfohlen, auch im Urlaub – daheim oder im Ausland – weiterhin die Hygienestandards wie Abstandhalten und regelmäßiges Händewaschen einzuhalten«, sagt Gisela Kayser, die Personalleiterin Brückner Maschinenbau GmbH & Co. KG. Ihren Angaben zufolge erhalten die Kollegen zudem bereits seit geraumer Zeit jeweils 50 Mund-Nase-Schutzmasken monatlich vom Unternehmen, die sie nun auch im Urlaub verwenden können und vor allem auch verwenden sollen.

Die Chefetage habe die Mitarbeiter gebeten, die jeweils gültigen gesetzlichen Vorgaben und entsprechenden Reisewarnungen gemäß den Empfehlungen des RKI zu beachten. »Urlaubsreisen erfolgen auf eigene Verantwortung.« Personalleiterin Kayser betont: »Ein generelles Verbot, in Risikogebiete zu reisen, wurde nicht ausgesprochen. Wir haben jedoch drin­gend empfohlen, dies nicht zu tun.«

Wenn Mitarbeiter ihren Urlaub beenden, aus Risikogebieten zurückkehren und in Quarantäne müssen, dann gilt laut der Personalleiterin folgende Regelung: Falls aufgrund der Tätigkeit kein Arbeiten im Homeoffice möglich sei, müssten Urlaubstage, Gleitzeit oder unbezahlter Urlaub genommen werden. Sollte sich jemand im Risikogebiet mit Corona angesteckt haben, könnte es sein, dass er seinen Anspruch auf Entgeltfortzahlung verliert.

»Wir bitten alle Mitarbeiter um Beachtung der aktuell geltenden Reisebestimmungen und -einschränkungen des Freistaats Bayern«, erläutert Evelyn Tauber das Vorgehen, das die Chefetage der Kliniken Südostbayern AG (KSOB) gegenüber ihren knapp 3800 Mitarbeitern anschlägt. Folglich müssten Personen dann in eine 14-tägige Quarantäne, wenn sie sich innerhalb von 14 Tagen vor der Einreise in einem Risikogebiet aufgehalten haben.

»Wanderpackerl« für den »Urlaub dahoam«

Die Kliniken Südostbayern AG hat sich heuer zum Start in die Urlaubszeit etwas Besonders einfallen lassen: Jeder Mitarbeiter habe, wie die Sprecherin des Unternehmens weiter ausführt, ein »regionales Wanderpackerl« an den Arbeitsplatz bekommen. Neben einem Gruß der Unternehmensleitung mit besten Wünschen für den Sommerurlaub habe es Wanderkarten der Regionen und eine Alutrinkflasche mit KSOB-Logo gegeben. »Wir wollen gerne dazu motivieren, 'Urlaub dahoam' zu machen – schließlich leben wir ohnehin da, wo andere Urlaub machen.«

»Ein Verbot gibt es nicht. Wir bitten unsere Mitarbeiter im Rahmen unserer Fürsorgepflicht aber darum, deren jeweiligem Vorgesetzten wahrheitsgemäß Auskunft darüber zu erteilen, wenn sie sich in den vergangenen 14 Tagen in einem ausgewiesenen Risikogebiet aufgehalten haben.« Und weiter: »Mitarbeiter, die wissentlich in einem entsprechenden Gebiet waren, werden bis zum Vorliegen eines negativen Tests nicht am Patienten eingesetzt.«

Lesen Sie unseren neuesten Bergsteiger Reise- und Ausflugstipp:

Zahlreiche Wander- und Mountainbiketouren in der Sächsischen Schweiz und im Harz – Viel Natur und Kultur