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Armutsbericht: Deutschland besser dran als EU-Schnitt

Wiesbaden (dpa) - In Deutschland gibt es weniger Arme als im EU-Durchschnitt und die Einkommensunterschiede sind kleiner. Im Vergleich mit ihren direkten Nachbarländern schneidet die Bundesrepublik in dieser EU-Statistik allerdings nicht so gut ab.

Bericht zur Einkommensungleichheit
Den Deutschen geht es etwas besser als dem Rest der EU. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/ Symbol Foto: dpa

Etwa jeder sechste Einwohner Deutschlands (15,8 Prozent) galt 2010 als arm. Das waren 1,1 Prozentpunkte weniger als der EU-Mittelwert, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Mittwoch berichtete.
Das Einkommen des obersten Fünftels der Menschen in Deutschland war 4,5 Mal so hoch wie das des untersten Fünftels. Damit ging hier die Einkommensschere nicht so weit auseinander wie im EU-Schnitt, wo dieser Wert bei 5,1 lag.

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Armut beginnt in Deutschland für einen Single bei 952 Euro Einkommen im Monat. Arm oder von Armut bedroht ist nach der EU-Definition, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung eines Landes zur Verfügung hat - staatliche Leistungen inklusive. In Rumänien liegt diese Armutsschwelle bei 105 Euro im Monat für einen Alleinlebenden und ist damit die niedrigste in der EU - gefolgt von Bulgarien mit 145 Euro. Spitzenreiter ist Luxemburg mit 1626 Euro, gefolgt von Dänemark mit 1319 Euro.

Die niedrigste Armutsgefährdungsquote innerhalb der EU hatte Tschechien (9,8 Prozent). Auch die anderen Nachbarländer Deutschlands schnitten - mit Ausnahme Polens - besser ab als die Bundesrepublik. In den Niederlanden waren 11,0 Prozent, in Österreich 12,6 Prozent und in Dänemark 13,0 Prozent von Armut bedroht. In Frankreich galten 14,0 Prozent als arm. In Luxemburg 13,6 und in Belgien 15,3 Prozent. In Polen waren dagegen 17,7 Prozent von Armut bedroht.

Die meisten Armen gab es nach der Definition in Bulgarien, Rumänien, Spanien und Griechenland. In diesen Ländern war mehr als jeder Fünfte von Armut bedroht. Diese Quote hat sich zudem innerhalb eines Jahres deutlich verschlechtert: In Spanien um 1,1 Punkte auf 21,8 Prozent, in Griechenland um 1,3 Punkte auf 21,4 und in Italien um 1,4 Punkte auf 19,6 Prozent. In Kroatien, das im Juli der EU beitritt, waren 21,1 Prozent der Einwohner von Armut bedroht. In Zypern nur 14,5 Prozent.

Die Einkommensunterschiede waren in den Ländern mit vielen armen Menschen besonders groß. In Spanien war die Ungleichheit mit 6,8 am größten, gefolgt von Lettland und Bulgarien. Am besten schnitten Slowenien und Tschechien ab.

Pressemitteilung und Erläuterungen zur statistischen Methode