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Landratsamt Berchtesgadener Land: »Fehlender Brandschutz« – Kritik von ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern

Asylbewerberheim Café »Waldluft« muss schließen

Berchtesgaden – Es war die erste Unterkunft in Berchtesgaden, die Flüchtlinge aufnahm, nun ist das Café »Waldluft« auch die erste Einrichtung, die wieder schließt. Schließen muss. Wegen eines nicht vorhandenen Brandschutzes. Diesen nachzurüsten kostet viel Geld. Aber die Betreiberin ist mittlerweile über 70 Jahre alt. Nun müssen alle Bewohner umziehen. Kritik gibt es seitens der ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer.

Seit mehreren Jahren ist das Café Waldluft für viele Flüchtlinge nicht nur Unterkunft, sondern ein neues Zuhause. (Foto: Archiv/Pfeiffer)

Nein, mit seinem Namen möchte sich Ali (Name von der Redaktion geändert) nicht gerne in der Zeitung lesen. Er ist schon seit Längerem in Deutschland, er spricht die Sprache, fühlt sich angekommen. »Hier ist es toll«, sagt er. Ali wohnt im Café »Waldluft«. »Das ist mein Zuhause«, sagt er. Allerdings nicht mehr lange. Denn das Haus ist in die Jahre gekommen. Früher fanden hier Faschingsveranstaltungen für die Berchtesgadener Jugend statt. Heute ist die »Waldluft« eine Unterkunft für Menschen, die nicht von hier sind. Die eine Chance auf ein neues Leben wollten, sie bekamen – und sich jetzt auf ein neues Zuhause einstellen müssen.

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Bekannt geworden ist das Haus vor allem durch einen Dokumentarfilm, den der Filmemacher Matthias Koßmehl dort gedreht hatte. Er hatte den Alltag in der Waldluft beschrieben, die Betreiberin Flora Kurz, besser bekannt als »Mama Flora«, und die weiteren Bewohner porträtiert. Für seinen Dokumentarfilm wurde Koßmehl mehrfach ausgezeichnet. Den Film gibt es mittlerweile auf DVD zu kaufen.

Was nun bleibt, seien Erinnerungen »an eine schöne Zeit«, sagt Ali. Denn Ende März ist endgültig Schluss. Das Landratsamt hat mehrfach Aufschübe gewährt, monatsweise aufs Neue den Betrieb am Leben gehalten. »Wenn der Brandschutz nicht gemacht wird, muss geschlossen werden«, sagte der Pressesprecher bereits vor Monaten. Und wies auf den fehlenden zweiten Fluchtweg hin, der notwendig sei für einen Weiterbetrieb. Das Obergeschoss des Hauses wurde bereits geschlossen. Die Eritreer, die dort gelebt hatten, mussten es verlassen. Vor allem nach der Brandkatastrophe, die am Pfingstwochenende 2015 in Schneizlreuth sechs Menschen das Leben gekostet hatte, wird besonderes Augenmerk auf den Brandschutz gelegt. Natürlich würde man verlängern wollen, heißt es aus dem Landratsamt, aber nur, wenn in das Haus investiert würde.

Ali ist traurig. Er hat Freunde gefunden, hat sich in den Ort integriert. »Ich kann ohne Angst leben.« Er geht mittlerweile einer Arbeit nach. Den »Waldluft«-Bewohnern wurde die Möglichkeit eingeräumt, sich in Eigenregie Wohnungen zu suchen. So einfach ist das natürlich nicht. Auch nicht für Ali, der weiterhin zu seiner Arbeit kommen muss. Das scheint aber nun mit deutlich größerem Aufwand verbunden zu sein. Weil diejenigen, die noch in der Waldluft wohnen, wohl nach Ramsau ziehen müssen. Dort eröffnet eine neue Asylunterkunft. Direkt bei der Wimbachbrücke. Das dortige Hotel wurde geschlossen und von der Regierung von Oberbayern angemietet.

Kritik kommt von den ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern. Freundschaften sind mittlerweile entstanden. Daniela Kilian, die den Helferkreis gegründet hat, erachtet es als »unsinnig«, das Café »Waldluft« zu schließen. Dort werde gelernt, gelehrt, gespielt, geholfen und gearbeitet. Immerhin seien viele der hier Wohnenden in Lohn und Brot, engagiert in örtlichen Vereinen, alles sei zentral und gut zu erreichen. Die Kosten, die auf den Freistaat zukämen, könnten im schlimmsten Fall ungleich höher ausfallen, als wenn man Geld in die Hand nähme und den Brandschutz ein für alle Mal realisierte.

Ali ist jedenfalls glücklich, dass er in Berchtesgaden, im Café Waldluft, so gut aufgenommen wurde. »Ich bin dankbar für alles.« Kilian Pfeiffer