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Neue Ausstellung »Julius Exter – Magie der Farben« in Feldwies dauert bis 13. September

Atmosphärische Tiefe und unvergleichliche Stimmung

Unbestrittener Höhepunkt der Sommersaison ist auch heuer wieder die große Exter-Ausstellung mit den Originalwerken von Julius Exter im Exter-Kunsthaus in Übersee-Feldwies. Die neue, reizvolle Sonderausstellung ist mit dem passenden Titel »Julius Exter (1863 bis 1939) – Magie der Farben« überschrieben. Aus dem Nachlass des »Farbenfürsten« – wie er von Zeitgenossen wegen seiner unvergleichlich mit leuchtenden, selbst hergestellten Farben genannt wurde – können 17 gut restaurierte Bilder erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt werden, darunter zwei Porträts seiner Eltern, die der Bayerischen Schlösserverwaltung erst kürzlich aus Privatbesitz geschenkt wurden.

»Sonnige Landschaft« ist der Titel dieses Bildes, das wie andere Werke restauriert und neu gerahmt wurde und noch nie zuvor öffentlich zu sehen war. (Foto: Giesen)

Die gesamte Werkschau umfasst – unabhängig von der ständigen Ausstellung mit 31 Originalwerken Exters im Großen Atelier – 72 Bilder, viele davon in kleinem bis mittlerem Format, wie sie wunderbar in Exters ehemaliges Wohnhaus in der Feldwies passen.

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Schon früh löste sich Julius Exter vom rein naturgetreuen Malstil und suchte neue Möglichkeiten, um die Natur auf die Leinwand zu bannen. Nach dem Kauf seines Sommerdomizils, eines kleinen Bauernanwesens in Übersee-Feldwies 1902 rückten das Alpenvorland, sein neu angelegter Garten und der Chiemsee in den Mittelpunkt seines Schaffens. Erst kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs zog er sich aus wirtschaftlicher Not ganz ins Bauernhaus nach Feldwies zurück, wo er sich weiter intensiv mit der ländlichen Umgebung auseinandersetzte.

Neben Landschaftsbildern bevorzugte der Künstler nun einzelne Motive – Kahn, Bach, Waldweg, Blumen und Gewächse im eigenen Garten. Es ging Exter niemals um die fotografisch exakte Wiedergabe von Landschaften oder Einzelmotiven, sondern um die völlig unterschiedlichen Stimmungen, die die Landschaften in den verschiedenen Tages- und Jahreszeiten widerspiegeln. Die Farbe wird zum Stimmungsträger. Badende am Seeufer in gleißendem Sonnenlicht, der Chiemsee vom Wind bewegt, die Berge in warmes Nachmittagslicht getaucht oder als Teil einer kalten Winterlandschaft. Versenkt sich der Betrachter in die Bilder, ist es, als könne er die Temperaturen, die Atmosphäre in der Natur spüren. Durch die Magie des Lichts und den meisterhaften Wechsel von Licht und Schatten haben Bilder wie »Badestrand«, »Akt im See«, »Sonnige Landschaft« eine perspektivische wie auch atmosphärische Tiefe und strahlen eine unvergleichliche Stimmung aus.

Exterhaus seit 35 Jahren auf der Erfolgsleiter

Heuer können das Exter-Kunsthaus und der Trägerverein Exterhaus auf eine 35-jährige Erfolgsgeschichte zurückschauen. Aus ganz kleinen Anfängen mit anfangs ein paar Dutzend Besuchern im Monat entwickelte es sich zu der heutigen, mit jährlich rund 14 000 Besuchern gefragten Museumsgalerie. Zu verdanken ist das vor allem einigen Leuten, die sich regelrecht in das Exterhaus mit seinem ganz besonderen Charme »verliebten«. Allen voran natürlich Monika Kretzmer-Diepold, die von Anfang an im Auftrag der Bayerischen Schlösserverwaltung das Haus betreute, die Ausstellungen organisierte und vor allem auch den wunderschönen historischen Garten des Hauses pflegt.

Er ist so gestaltet, wie er zu Exters Zeiten aussah. Auch Verantwortliche der Bayerischen Schlösserverwaltung, besonders Dr. Elmar D. Schmid, oder vom Staatlichen Hochbauamt in Traunstein setzten sich immer wieder, auch persönlich, in hohem Maße für den Erhalt und die Restaurierung des Hauses ein. Nicht nur außen, sondern auch im Inneren des Hauses können die Besucher zum Beispiel in der original möblierten Studierstube Exters im Erdgeschoss oder Großen Atelier einen Eindruck gewinnen, wie es hier früher aussah. Allein aber schon der Garten und die rund 1400 Topfpflanzen rund um das Haus sind immer einen Besuch wert.

Die Ausstellung »Julius Exter – Magie der Farben« ist bis Sonntag, 13. September, von Dienstag bis Sonntag jeweils von 17 bis 19 Uhr geöffnet. Montags ist geschlossen. Im Kleinen Ateliergebäude findet während der Öffnungszeiten der Ausstellung ein Antik- und Trödelmarkt statt, dessen Reinerlös dem Exter-Haus zugute kommt. Für Gruppenbesuche wird das Haus auch nach telefonischer Voranmeldung unter der Nummer 08642/89 50 83 geöffnet. Christiane Giesen