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Auch als Priester Mensch geblieben

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Abschied mit Taschentüchern: die Sängerinnen des Katholischen Frauenbundes mit männlicher Unterstützung.
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Lobende Worte und Geschenke für den scheidenden Pfarrer Peter Demmelmair (3.v.l.) gab es beim Abschiedsabend von (v.l.) Kirchenpfleger Dr. Hermann Amann, den Pfarrsekretärinnen Marion Bauer und Evi Stocker, Kolping-Vorstand Thomas Zinner, der stellvertretenden Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Anna Gloßner und Pfarrgemeinderatsvorsitzendem Peter Wörnle. Fotos: Anzeiger/Kastner

Berchtesgaden – Nicht nur die ganze Pfarrgemeinde St. Andreas in Berchtesgaden, sondern auch viele Freunde aus den umliegenden Pfarreien und Ehrengäste waren am Sonntag auf den Beinen, um Pfarrer Peter Demmelmair zu verabschieden. Der Dekan verlässt nach 17 Jahren Berchtesgaden, um sein geistliches Wirken in Bad Tölz fortzusetzen. Beim Abschiedsgottesdienst in der Stiftskirche Berchtesgaden (siehe eigener Bericht) war kein Platz mehr zu bekommen. Anschließend führte der Festzug zum Kongresshaus, wo die Pfarrgemeinde ihrem beliebten Pfarrer vor über 600 Festgästen mit einem bunten Abschiedsabend noch einmal Dank für das in Berchtesgaden Geleistete sagte. Klar wurde dabei, dass man den 53-Jährigen nur ungern ziehen lässt.


Bis auf den letzten Platz mit über 600 Festgästen besetzt war dann auch der Große Saal im Kongresshaus Berchtesgaden, wo Pfarrgemeinderatsvorsitzender Peter Wörnle und Anna Gloßner einen bunten Abschiedsabend mit zahlreichen Darbietungen moderierten. Sogar Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer war unter den Ehrengästen. Schon zur Einstimmung sahen die Gäste eine von Andreas Pfnür zusammengestellte Bildershow mit einem Rückblick auf die 17-jährige Tätigkeit Demmelmairs in Berchtesgaden.

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Kurz und bündig, nicht traurig, dafür unterhaltsam – so hatte sich der 53-Jährige seinen Ehrenabend gewünscht. Fast so war es dann auch – nur mit dem »kurz und bündig« funktionierte es nicht ganz, denn zu viele Freunde wollten dem beliebten Pfarrer mit eigenen Worten und Geschenken Lebewohl sagen. Dazu gehörte auch der evangelische Pfarrer Peter Schulz, der seinem katholischen Kollegen – natürlich – eine Luther-Biografie schenkte. Gleichzeitig sagte Schulz Dank für 17-jährige Begleitung im ökumenischen Geist.

Einer der Höhepunkte war der Auftritt von Marktbürgermeister Franz Rasp und Kaplan Stefan Leitenbacher, die ihre Lobeshymnen auf den Pfarrer in ein kleines Schauspiel verpackten. Als Engel hatten sie dem Pfarrer ein Zeugnis vor dem Herrn auszustellen – das freilich sehr wohlwollend ausfallen musste, obwohl sich der Pfarrer der Chronik nach auch einige Schlitzohrigkeiten geleistet hatte. Dass Demmelmair beim Neuanstrich der Pfarrkirche etwas daneben gelangt hatte, war für die beiden Engel dann halt ein Beweis für »Stilsicherheit und Kunstsinn«. Und dann stellten die beiden Engel noch fest, dass der Pfarrer »seiner Zeit in Friedhofsangelegenheiten um Jahre voraus ist«. Schließlich hatte er einmal einen noch lebenden Ehrenbürger für tot erklärt. Dennoch fanden die beiden Engel am Ende der Chronik nur Positives über Demmelmair: »Er war immer für die Menschen da. Und er ist als Priester auch selbst Mensch geblieben«.

Abschiedsgeschenke hatte sich Peter Demmelmair eigentlich nicht gewünscht. Dennoch ging der Pfarrer freilich nicht mit leeren Händen heim. Kolping-Vorstand Thomas Zinner hatten ebenso ein Präsent dabei wie Kirchenpfleger Dr. Hermann Amann, der Pfarrer Demmelmair im Namen der Dekanate Berchtesgaden und Teisendorf, des Dekanatsrats, des Frauenbunds und vieler Pfarreiangehöriger eine Skitourenausrüstung überreichte. Von Pfarrgemeinderatsvorsitzendem Wörnle gab es ein Erinnerungsbuch mit vielen Widmungen und Bildern, die an die schöne Zeit in Berchtesgaden erinnern sollen.

Freilich gab es den ganzen Abend über viel Musik und Tänze. Man hörte Thomas und Simon Bauer an Saxophon und Flügel, Julia Binek sang – begleitet von Monika Nestle am Flügel – das Lied »Don't cry for me Argentinia« aus Berchtesgadener Sicht, die Sängerinnen des Frauenbundes ließen sich von Justi Bauernfeind an der Gitarre begleiten und die Gruppe »Chorissima« winkte dem Pfarrer nach dem Song »Good bye Sweetheart« sogar mit Taschentüchern hinterher.

Viel Applaus – und wie die anderen Akteure auch Lebkuchenherzen vom Pfarrer – bekamen die Kinder der Grundschule am Bacheifeld, die Peter Demmelmair mit lieben Worten und Schildern »Danke« sagten. Während die Gruppe um Anna Gloßner einen historischen Tanz darbot, demonstrierten Johanna Renoth und ihre Tanzgruppe modernen Hip-Hop, was dem Pfarrer sichtlich gefiel. Zwischendrin wurde es noch einmal mucksmäuschenstill im Saal, als Günter Kaufmann seine emotionalen Bilder vom kirchlichen Leben in Berchtesgaden präsentierte – untermalt von Simon Bauer am Flügel.

»Ich habe hier eine gute Zeit gehabt«, wandte sich Pfarrer Peter Demmelmair noch einmal persönlich an die Festgäste und ergänzte: »Ich konnte mich hier mit euch und durch euch voll entfalten«. In seinem Resümee zeigte sich der Pfarrer auch selbstkritisch, weil ihm »nicht alles geglückt« sei. Doch er freute sich darüber, dass er von zahlreichen Menschen, bei denen er sich persönlich bedankte, immer in seiner Arbeit unterstützt worden sei. Von den vielen Freunden, die Demmelmair namentlich nannte, hob er drei besonders hervor: Diakon Karl Bodinger, seine Haushälterin Gertrud Bötsch und Martha Wörnle, die für eine perfekte Verbindung zwischen Schule und Pfarrei gesorgt habe. Demmelmair bat darum, das neue Team an der Spitze der Pfarrei zu unterstützen, denn »sie werden ihr Bestes geben«. Ein Garant dafür sei nicht zuletzt Kaplan Stefan Leitenbacher, »ein geborener Seelsorger«. Für dieses Lob gab es dann reichlich Applaus.

Dass der Kaplan nicht nur ein guter Seelsorger, sondern auch ein ausgezeichneter Schuhplattler ist, bewies er im Anschluss gemeinsam mit den Trachtlern des GTEV »D'Kehlstoana«. Da rückte der Pfarrer seinen Stuhl noch einmal direkt vor die Bühne, um das Spektakel aus nächster Nähe genießen zu können. Derweil standen die Festgäste im Mittelgang schon Schlange, um sich noch einmal persönlich von Demmelmair zu verabschieden. Das war noch einmal ein Marathon für den scheidenden Seelsorger. Aber Langstreckenläufe ist er ja gewöhnt.

Weitere Bilder vom Abschiedsabend und vom Abschiedsgottesdienst gibt es unter www.berchtesgadener-anzeiger.de. Ulli Kastner