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Auf bayerische Art fit werden

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»Immer mit einem Lächeln im Gesicht«: Sportlehrer Markus Weber leitet seit zwei Jahren das Lederhosentraining am Wochinger Spitz in Traunstein. (Foto: Brenninger)

Zum Aufwärmen gibt es ein paar einfache Übungen im Stand, dann in der Hocke, aber gleich danach geht's mit einigen Liegestützen durchaus knackig weiter! »Jeder macht nur das, was auch wirklich geht«, ruft Markus Weber nochmals in die große Runde. Der Sport- und Religionslehrer leitet seit zwei Jahren das Lederhosentraining am Wochinger Spitz in Traunstein.


Und eines merkt man ihm dabei sofort an: Er ist bei der einstündigen Einheit mit Feuereifer und mit Spaß bei der Sache! Und genau das möchte er auch den mitmachenden Sportlern vermitteln. »Die Übungen sollen immer mit einem Lächeln im Gesicht gemacht werden«, sagt Weber, der aktiv noch Fußball beim SB Chiemgau Traunstein in der Dritten Mannschaft spielt. Den Verein hat sich Weber für das Lederhosentraining auch ins Boot geholt, der SB Chiemgau unterstützt nämlich das tolle Engagement seines langjährigen Spielers.

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Das Lederhosentraining initiierte erstmals vor ein paar Jahren der Berchtesgadener Klaus Reithmeier im Englischen Garten in München, seitdem ist es ein Selbstläufer. Das Markenzeichen dabei ist eben, dass der Trainer eine Lederhose trägt. »Die Sportler können natürlich auch gern in Tracht kommen«, sagt Markus Weber, »aber sie müssen nicht.«

Mittlerweile gibt es bayernweit mehrere Standorte für das Lederhosentraining – unter anderem eben auch in Traunstein. Jeden Montag wird an allen Standorten von April bis Ende September von 19 bis 20 Uhr trainiert. Das hat durchaus auch einen praktischen Vorteil: Denn ein Traunsteiner, der etwa in München studiert, kann bei einem Heimatbesuch auch mal eben zum Trainieren an den Wochinger Spitz kommen und kann dort einfach und unkompliziert jederzeit einsteigen. »Und das Training hat durchaus einen Wiedererkennungseffekt«, betont Weber. Schließlich tauschen sich die Standorte untereinander auch aus.

Keine Trainingsgeräte, keine Musik

»Die Teilnahme ist dabei kostenlos und man muss sich auch nicht anmelden«, informiert Weber. Und man brauche zum Mitmachen auch nicht viel, ergänzt er. »Eigentlich nur sein eigenes Körpergewicht, Sportbekleidung, etwas zum Trinken und eventuell ein Handtuch, falls man die Bodenübungen nicht im Gras machen will.« Beim Training werden dann auch keine Trainingsgeräte eingesetzt. »Man kann auch ohne Geräte an sein Leistungslimit gehen«, sagt Weber. Und es gibt auch keine Musik. »Die lenkt nur ab«, erklärt der engagierte Trainer.

Ziel des Trainings ist es, den Teilnehmern den Spaß am Sport zu vermitteln. Der Sportlehrer ist natürlich prädestiniert für diese Aufgabe. Allerdings schüttelt sich Markus Weber die Einheiten auch nicht aus dem Ärmel. Sie sind alle wohl durchdacht und so braucht Weber auch wöchentlich einiges an Vorbereitungszeit für das funktionale Fitnesstraining, das die Sportler auch im Alltag unterstützen soll – etwa, wenn man eine Kiste Getränke kauft. »Wir machen dabei Übungen, die den ganzen Körper ansprechen«, sagt er. »Es werden alle Muskelketten trainiert und nicht nur der Bizeps, damit man in der Disco gut ausschaut.«

Markus Weber weiß dabei nie genau, wie viele Leute zum Training kommen. Das macht ihm aber auch nichts aus. Er zieht die Einheit bei jedem Wetter und auch an Feiertagen durch – für ein, zwei, drei oder eben einer ganzen Schar von Sportlern. »Nur wenn es blitzt und donnert oder hagelt, fällt das Training aus«, sagt er.

Das Wetter ist übrigens auch ausschlaggebend, wie gut das Lederhosentraining besucht wird. An diesem Montag strahlt die Sonne – und so kommen rund 50 Sportbegeisterte zum Wochinger Spitz. Den Übungsplatz findet Weber übrigens herrlich und er ist der Stadt Traunstein auch dankbar für diese Möglichkeit. »Das ist ein schönes Fleckchen und es spricht die Leute an«, sagt Weber – und schon von Weitem sieht man den Platz, an dem trainiert wird: Denn Weber hat direkt neben sich eine Fahne mit der Aufschrift »Lederhosentraining« platziert.

Einige der Sportler sind mittlerweile regelmäßig am Start. »Das sind sozusagen meine Stammkunden«, lacht Weber. Und auch das Alter spielt dabei keine Rolle. »Von jung bis alt ist alles dabei«, freut sich der Trainer. »Das Training ist so ausgelegt, dass ein Spitzensportler auch neben einem Rentner stehen und trainieren kann.«

Und das funktioniert hervorragend! »Jeder steuert sein Training schließlich selbst und man kann natürlich auch jederzeit eine Pause machen«, sagt Weber, »aber in der Gruppe macht es einfach mehr Spaß. Das ist motivierend.« Er betont aber auch, dass er kein Personaltrainer ist. »Ich erkläre den Leuten genau, was bei den einzelnen Übungen im Körper passieren soll. Ich kann aber nicht bei jedem schauen, ob er die Übung auch richtig ausführt.«

Viele Schaulustige am Rand

Eines hat Weber auch schon festgestellt. »Es sind immer deutlich mehr Frauen beim Training dabei«, lacht er. Und es kommen auch immer wieder viele Schaulustige, die sich (noch) nicht trauen, selber mitzumachen. Auch diesmal schauen sich ein paar Interessierte das Training an und sitzen am Rand der schönen Parkanlage auf den Bänken. Einer davon ist auch Professor Dr. Engelbert Thaler, der Gesamtvorsitzende des SB Chiemgau Traunstein. Er begrüßt das Engagement von Markus Weber. »Das Lederhosentraining ist eine sehr schöne Sache«, findet Thaler. »Und Markus macht seine Sache sehr gut.«

Als weiterer Partner ist neben den SBC in Traunstein etwa auch die AOK mit im Boot. »Das Lederhosentraining spricht den Breitensportler an«, betont Michael Maier von der AOK. »Es ist eine gute Möglichkeit für sich etwas Gutes zu tun und sich mit anderen zu treffen.« Noch bis Ende September wird Markus Weber deshalb jeden Montag das Lederhosentraining anbieten – und er ist dabei Montag für Montag mit ganz viel Herzblut bei der Sache. Und er hat bei der Trainingsstunde die ganze Zeit ein Lächeln im Gesicht – und das ist durchaus ansteckend! SB