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Auf den Flügeln der Fantasie Grenzen überwinden

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Das Titelbild von Paul Maars Buch »Der kleine Troll Tojok«. (Foto: Benekam)

Wie kann man mit dürren Worten einen Mann lobend beschreiben, der seit 50 Jahren Kinderaugen strahlen lässt?«.


Die Frage, die Kunsthistorikerin Hedwig Amann zu Beginn ihrer Laudatio zu Paul Maars offizieller Ausstellungseröffnung im Kultur- und Bildungszentrum Kloster Seeon in den Raum stellte, verdient eine wortgewaltige Antwort: Wer Kind ist oder Kinder hat, der kommt an Paul Maars Kinderbüchern nicht vorbei. Mit ihrem Trommelfeuer aus Sprachgewalt und Sprachfreude sind sie in spracharmen Zeiten eine Rettungsinsel für jene, die erkannt haben, welch hohen Stellenwert gerade Sprache für Kinder im psychosozialen Bereich hat.

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Aufgrund der Corona-Pandemie mussten die Feier-lichkeiten zur Eröffnung um fast einen Monat verschoben werden. Zu Gast war auch der Präsident des Bezirks Oberbayern, Josef Mederer, der bei einer kurzen Begrüßungsrede seinen Dank und seine Hochachtung vor Maars Lebenswerk zum Ausdruck brachte. Die Ausstellung unter dem Titel »Von Samsen und Trollen – eine Bilderreise mit Paul Maar« mit Originalzeichnungen, Texten und Büchern ist bereits seit dem 30. Mai in den Räumen des ehemaligen Klosters Seeon der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden.

Der Maler und Schriftsteller Paul Maar selbst bedankte sich herzlich für die gute Organisation. Besonders lobte er die so ästhetisch gehängten Bilder, zu denen der Veranstalter mit sicherem Griff die dazu passenden Textpassagen aus seinen Büchern herausgesucht hatte. Paul Maar war in bester Begleitung von zwei hochkarätigen Musikern angereist – dem Gitarristen und Perkussionisten Wolfgang Stute und dem Allround-Musiker Konrad Haas, der Querflöte, Saxophon und Keyboard spielt.

Bücher für die eigenen Kinder geschaffen

Zusammen bilden die drei nicht mehr ganz jugendlichen, aber dennoch jung gebliebenen Herren »Das schiefe Märchen-Trio«: Maars Texte in bester musikalischer Begleitung also. Die beiden Vollblutmusiker komponierten zu den skurrilen, ironischen und hintersinnig humorvollen Texten die passenden musikalischen Illustrationen, die in gleich zwei Veranstaltungen am darauffolgenden Tag großen Anklang fanden.

Zur Eröffnung des »Paul-Maar-Wochenendes« im Kloster Seeon und nach einer umfangreichen und sehr gelungenen Laudatio von Hedwig Amann erzählte Paul Maar selbst den anwesenden Gästen davon, wie alles anfing, wie seine schriftstellerische Tätigkeit ins Rollen kam, seinen Lauf nahm und was bis dato noch unter seinen kreativen Händen am Wachsen ist. Seit 1968 schreibt Maar für Kinder. Schuld daran war die Tatsache, dass er zu dieser Zeit keine wirklich guten, niedergeschriebenen Geschichten für die eigenen Kinder fand. Was es nicht gab, erfand er eben selbst – erst nur für die eigenen Kinder, später, im Oettinger-Verlag, für die breite Leserschaft junger Literaturfreunde. Wer Paul Maars Bücher und seine selbst illustrierten Figuren nicht kennt, dem ist ein großes Stück kindlichen Vergnügens entgangen.

Maar dichtet und reimt, er schöpft neue Wörter, spielt mit Worten und jongliert mit deren Bestandteilen, wobei seine Sprache in keinem Moment gehaltvolle Inhalte und seelischen Tiefgang missen lässt. Die Protagonisten seiner Geschichten sind vermenschlichte Tiere, menschliche Charakterköpfe und wundersame Fantasiewesen.

»Das Sams« ist am bekanntesten

Am bekanntesten ist »Das Sams«, das 1973 zur Welt kam – samstags natürlich – klein, dick, sehr frech und aufmüpfig, dichtend und verfressen. Ihm als Gegenfigur stellte Maar den schüchternen Herrn Taschenbier gegenüber, bei dem das Sams sich einnistete. Die glückliche Fügung, dass Paul Maar nicht »nur« als Geschichtenerfinder und Wortakrobat taugt, sondern zudem auch noch trefflicher Illustrator seiner eigenen Fantasie ist (er hat an der Stuttgarter Akademie Malerei und Kunstgeschichte studiert), macht sein Gesamtwerk zum rundherum stimmigen, kunterbunt fantasievollen Kunstpaket im Buchformat. Seine Bücher wurden in 50 Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen und Auszeichnungen gekürt. Des Weiteren verfasste er zahlreiche Erzählungen, Romane, Gedichte, Sprachspiele, Drehbücher und Theaterstücke.

Zusammen mit seinem Verleger Friedrich Oetinger hatte er eine Vision: »Auf den Flügeln der Fantasie alle Grenzen zu überwinden«. Diese kunstvoll bebilderte Fantasiereise ist noch lange nicht zu Ende geträumt. Denn wie Maar verriet, erscheint sein nächstes Buch »Das Sams und der blaue Drache« schon am 20. Juli dieses Jahres im Oetinger-Verlag. Sein Traumziel, Kinder mit anspornenden und positiven Geschichten zu unterhalten, sie fürs Leben zu begeistern, sie zu stärken und ihnen Selbstvertrauen zu geben, das dürfte er aber bereits in mehreren Generationen erfolgreich umgesetzt haben.

Die Ausstellung im Kloster Seeon dauert noch bis zum 25. Oktober. Öffnungszeiten sind täglich von 10 bis 17 Uhr bei freiem Eintritt. Informationen unter www.kloster-seeon.de. Kirsten Benekam