»Auf den großen Vierecken der Welt antreten«

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Er hat hohe Ziele: Raphael Netz vom RFV Aubenhausen (hier auf Sir Davidoff) will sich allmählich in der internationalen Spitze etablieren – und ist auf einem guten Weg dazu: Er wurde heuer Einzel- und Mannschafts-Europameister der Altersklasse U 25. (Foto: Weitz)

Er ist eine der großen deutschen Nachwuchshoffnungen im Dressurreiten: Raphael Netz (RFV Aubenhausen). Der 22-Jährige ging beim Dressurturnier auf Gut Ising folgerichtig auch im Wettkampf »Stars von Morgen« an den Start – und überzeugte dort im Finale mit dem 2. Platz. Mit seinem Hannoveraner-Wallach Exclusive erkämpfte er 914,5 Punkte (70,892 Prozent) und musste sich somit nur Christine Eglinski (RV Waldhauser Hof) auf DSP Fope (924,0 Punkte/71,628 Prozent) geschlagen geben. In der Qualifikation zu dieser S***-Prüfung hatte er sich sogar den Sieg vor Eglinski geholt.


Die Serie »Stars von Morgen« ist grundsätzlich zweigeteilt: Teilnehmen können entweder erfahrene Reiter mit jüngeren Pferden oder jüngere Reiter (U 25) mit erfahrenen Pferden. »Aber ich erfülle sogar beide Kriterien«, lacht Netz.

Überhaupt fühlte sich Netz – wieder einmal – in Ising sehr wohl. »Das ist ein wunderschönes Turnier, und für uns ist es auch nicht weit zu fahren. Es ist hier immer sehr schön und es ist alles gut organisiert.«

Schon jetzt gehört Raphael Netz in der Altersklasse U 25 zur europäischen Spitze – und damit auch weltweit. In diesem Jahr wurde er Einzel- und Mannschafts-Europameister in seiner Altersklasse, zudem wurde er EM-Vize der U 25 in der Kür. Er ist also so gesehen ein »Frühstarter« – was auch für seine gesamte bisherige Reitkarriere gilt. Denn schon mit vier Jahren begann Netz mit dem Pferdesport – und das, »obwohl ich die erste Generation in unserer Familie bin, die reitet«, betont er. »Pferde haben mich einfach schon von klein auf interessiert.« Sehr bald zeigte sich auch, dass er großes Talent besitzt. Schon mit 13 Jahren rückte er ins U-16-Nationalteam auf. Dem Goldenen Reitabzeichen 2018 folgte 2019 die Berufung in den U-21- und U-25-Bundeskader, die Finalteilnahme beim Piaff-Förderpreis sowie der erste Titel in der U 25 als Mannschafts-Europameister. 2020 gab's Silber mit dem Team und Bronze im Einzel – und für ein Halbjahr führte Netz sogar die U-25-Weltrangliste an.

An diese Erfolge konnte er auch heuer wieder anknüpfen – und hofft, dass es noch weiter nach vorn geht. Klar sei: »Ich will in den absoluten Spitzensport reinwachsen und auf den großen Vierecken der Welt antreten«, gibt er offen zu.

Zumindest sind die Voraussetzungen gut. Netz gehört seit etwas mehr als fünf Jahren dem »Team Aubi« beim RFV Aubenhausen an, das von Mannschafts- und Einzel-Olympiasiegerin Jessica von Bredow-Werndl sowie ihrem Bruder Benjamin Werndl angeführt wird.

Als direkte Vorbilder will er diese zwar nicht nehmen, »weil ich versuche, meinen eigenen Weg zu gehen.« Doch er freut sich darüber, dass er so hochkarätige Trainer hat, und ist zugleich begeistert von der »Aubi-Philosophie«: »Wir haben die gleichen Ideale.« Denn wichtig sei ihm und dem Team: »Das Wohl der Pferde steht an erster Stelle.«

»Sie kommen bei uns natürlich viel raus an die frische Luft und bekommen viel Abwechslung geboten. Wir arbeiten außerdem mit Futterexperten zusammen, um den Pferden eine Ernährung zu bieten, die der in der Natur so ähnlich wie möglich ist.« Die Pferde sollen gesund und glücklich sein – einerseits, weil Netz und »die Aubis« ihre Tiere lieben, andererseits aber auch, »weil nur wer sich wohl fühlt, seine besten Leistungen bringen kann.«

Daher wohnt Netz auch auf der Anlage in Aubenhausen, wo er täglich meist ca. zehn Pferde betreut. Als Ausgleichssport betreibt er dabei mindestens einmal wöchentlich Yoga und einmal Personal Training nach dem Programm »Dressur Fit«, das ja von den Aubenhausenern für die Reiter entwickelt wurde. »Das tut sehr gut: Wir sind ja auch Athleten und müssen fit sein. Denn wir müssen den Pferden, die sich toll bewegen, ja auch die Möglichkeit geben, sich voll zu entfalten – und das geht nur mit fitten Reitern.« Dieses Rezept hat sich schon jetzt bestens bewährt - und soll es auch in der Zukunft tun.

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