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Auf den Hund gekommen

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Ein weggelaufener Hund sorgt für Aufregung: Unser Bild zeigt (von links) Alex (Alfons Noventa), seine Ehefrau Zoé (Margot Maria Paar) und den Freund des Paares, Pavel (Torsten Hermentin). (Foto: M. Heel)

Der Hund ist der beste Freund des Menschen, heißt es. Ein kluges, geselliges Tier, das vieles kann. Das uns sogar das Leben retten kann, falls wir von einer Lawine verschüttet werden. Aber kann ein Hund auch eine Ehe retten? Das war jedenfalls die zentrale Frage, die sich in »Toutou« stellte, einer spritzigen Beziehungskomödie mit Tiefgang, die im gut besuchten Studiotheater des Traunreuter k1 aufgeführt wurde.


Das Stück beginnt damit, dass »Toutou«, eine »grau-goldene« Promenadenmischung, beim Gassi gehen mit Alex (Alfons Noventa) Reißaus nimmt. Und fortan nicht mehr gesehen wird. Was Alex zunächst gelassen nimmt, nicht jedoch seine Ehefrau Zoé (Margot Maria Paar). Immerhin ist Toutou seit sechs Jahren, seit dem Weggang ihres Sohnes nach New York, der Mittelpunkt ihres häuslichen Lebens. Und so dauert es nicht lange, bis sie Alex beschuldigt, dass ihm der Hund eigentlich egal sei.

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Bei der Suche nach ihrem vierbeinigen Liebling kommen dann Dinge zur Sprache, die das Ehepaar bisher unter den Teppich gekehrt hat. Haben sie Toutou etwa nicht gut genug behandelt? Ist er geflüchtet, weil »Hundsein Gefangenschaft bedeutet«, wie Alex meint? Oder ist Alex mit Toutou vielleicht nur deshalb abends spazieren gegangen, um die nette Nachbarin zu treffen?

Die Situation verschärft sich, als Pavel (Torsten Hermentin), ein Freund des Ehepaars, unversehens zu Besuch kommt. Pavel kann Hunde nicht leiden und wirft Alex und Zoé vor, ihr Leben drehe sich nur noch um den »Köter«. »Ein Hund ist ein Hund – und sonst gar nichts!«, schreit er die zwei an, nachdem er erzürnt aufgezählt hat, was ihn an Hunden alles stört: der Geruch, die Schnüffelei, die Haare und nicht zuletzt die ständige Aufmerksamkeit, die sie von einem fordern. Ein Ausbruch, der allen Nicht-Hundebesitzern wohl aus der Seele gesprochen war, Hundeliebhaber dagegen auf die Palme gebracht haben dürfte.

Zwar wird Pavel seine Abneigung gegen Hunde nicht beibehalten, ein Verdienst seiner Freundin Wanda, Alex und Zoé dagegen müssen erkennen, dass die Fürsorge um einen Hund zwar eine wunderbare Sache sein kann, aber keine brüchig gewordene Beziehung zu kitten vermag. Weil es eben zwei Arten von Beziehungen gebe, wie Alex einmal räsoniert: »Die, in denen etwas passiert. Und die, in denen nichts passiert. Ich bevorzuge die, in denen etwas passiert.«

Aber wie lautet der Spruch: Ein Ende ist immer auch ein Anfang, und vielleicht ist der Hund ja doch der beste Freund des Menschen. Etwa dann, wenn er bei der getrennt lebenden Ehefrau sein neues Zuhause hat und von seinem Ex-Herrchen dort jederzeit besucht werden darf.

Sehr gut besetzt und von Susanna Szameit flott und präzise inszeniert, machte diese kurzweilige, raffiniert gestrickte und mit rasanten Wortduellen versehene Produktion des österreichischen Theaters Laetitia (nach einer Vorlage des französischen Autorenpaars Daniel Besse und Agnès Tutenuit) durchgehend Spaß. Es war einfach großartig, wie hier mit leichter Hand ein durchaus ernsthaftes Thema abgehandelt wurde, und dass dies auch vom Publikum so empfunden wurde, bewies der anhaltend kräftige Applaus. Wolfgang Schweiger

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