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Auf den Kopf gestellt

Auf den Kopf gestellt: Im Selbstversuch den Überschlag getestet. Fotos: Anzeiger/Pfeiffer
Unterwegs mit der Schnapsbrille: Marktschellenbergs 2. Bürgermeister Clemens Wagner.

Berchtesgaden - Autofahren? Kein Problem. Meint zumindest ein Großteil der Besucher. Auf der »Berchtesgadener Automobilausstellung« (BAA) wurden Probanden eines Besseren belehrt - vor allem, wenn es sich um Extremsituationen handelte. Im Fahrsimulator übten Interessenten unvorhergesehene Manöver im Verkehr, im Überschlagfahrzeug probte man das Auf-dem-Kopf-Stehen nach einem Unfall und die Schnapsbrille bekamen all diejenigen auf die Nase, die wissen wollten, was ein paar Bier zu viel anrichten können.


Die Fahrsimulatoren sind am vergangenen Wochenende heiß umlagert. Immerhin können an diesen auch Jugendliche, die noch keinen Führerschein besitzen, Hand anlegen. Sowohl einen Motorradsimulator hat die »Kreisverkehrswacht im Berchtesgadener Land« mit dabei, als auch ein Gefährt, das einen Pkw simuliert.

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Ein Fahrersitz, ein Bildschirm, ein Lenkrad: »Setzen Sie sich mal hin und geben Sie Gas«, sagt der Betreuer. »Und achten Sie auf den Verkehr.« Leichter gesagt als getan. Denn auf dem Bildschirm gerät man immer wieder in Situationen, die überraschen. Da wechselt unverhofft ein Fahrzeug die Straßenseite, ein Pkw nimmt einem die Vorfahrt, Kinder springen hinter geparkten Autos hervor. Als Fahrzeuglenker sollte man eigentlich darauf vorbereitet sein. Trotzdem gelingt es beinahe keinem der Tester, alles richtig zu machen. Ernüchternd ist dann das erreichte Ergebnis. Im Motorradsimulator zeigt sich ein ähnliches Bild.

Gern getragen wird auch der neueste Schrei in Sachen Augen-Accessoires: die Schnapsbrille. »Das ist so, als hätten Sie rund zwei Promille im Blut«, sagt der Verkehrswachtexperte. Das an eine Skibrille erinnernde Etwas verzerrt die Optik. »Jetzt geht's durch den Parcours«, tönt es aus dem Off. Ziel ist es, während man die Schnapsbrille trägt, einen Ball aufzuheben und diesen auf einer runden Vorrichtung abzulegen. Dank schräger Perspektive gelingt das nur mühsam. »Der Alkohol hat krasse Auswirkungen«, meint ein Zuseher. Auch Marktschellenbergs stellvertretender Bürgermeister Clemens Wagner macht den Selbstversuch. Mit Erfolg. Es gelingt ihm schon beim ersten Mal, den Ball aufzuheben und zügig wieder abzulegen.

Mutige verschlägt es vor das Kongresshaus. Dort erwartet sie ein Überschlagssimulator: Ein ausgeschlachteter Smart, der in ein Gestell eingebaut wurde. Über eine Hydraulik lässt sich der Smart rotieren. So, dass er auf dem Kopf steht - inklusive Fahrer. Nicht jeder traut sich in das Gefährt, immerhin möchte die Verkehrswacht hier simulieren, was man tun muss, wenn man einen Verkehrsunfall hatte, das Fahrzeug sich überschlagen hat.

»Setzen Sie sich mal rein und schnallen Sie sich an«, sagt der Verkehrswachtmann. Die Sicherheitsgurte werden festgezurrt, noch fühlt man sich sicher. Ein paar Hinweise folgen, »die Situation könnte jetzt etwas unangenehm werden«, sagt der Experte. »Wir drehen Sie gleich um 180 Grad.« So, dass man auf dem Kopf steht. Eine gefährliche Situation sei das, da man durch die Schwerkraft mit dem Kopf auf das Autodach schlagen kann, dadurch eine Verletzung der Halswirbelsäule droht.

Per Knopfdruck wird die Hydraulik in Kraft gesetzt, das Fahrzeug dreht sich. »Bitte eine Hand auf den Kopf legen, zum Abstützen«, sagt der Einweiser. Dann verharrt das Auto in dieser Position, das Blut schießt einem in den Kopf. »Ruhig bleiben«, so die Anweisung. »Es kann nichts passieren.« Unwohlsein steigt in einem auf. »Jetzt sage ich Ihnen, wie Sie sich im Fall der Fälle befreien könnten, ohne sich zu verletzen.« Dazu muss man die Füße auf die Armaturen stellen und sich aus dem Sitz hochpressen. »Sie müssten sich jetzt wie bei einer Rolle vorwärts verhalten«, sagt der Kreisverkehrswachtler. Erst wenn man die entsprechende Position eingenommen hat, sollte man die Gurte öffnen, da man anderenfalls wie ein Stein auf das Autodach knallen würde. Nach gefühlten drei Minuten des Auf-dem-Kopf-Stehens dreht sich das Fahrzeug wieder zurück in die Ausgangslage, der Kopf ist nun knallrot, nichts steht mehr verkehrt, langsam wird die Sicht wieder klar. »Besser keinen Unfall bauen«, so der Hinweis von einem, der die Situation beobachtet hat. Selbst reinsetzen? »Nein, besser nicht.« Kilian Pfeiffer