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Auf den Spuren von Paul Preuss: »Es war ein bewegender Moment«

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Der Berchtesgadener Spitzenkletterer Alexander Huber (Dritter von links) freute sich sehr über den Paul-Preuss-Preis. Ihm gratulierten Fritz Petermüller (von links), Walter Angerer der Jüngere, Willi Schwenkmeier, Malte Roeper und Laudator Ernst Vogt. (Fotos: Brenninger)

Die Freude bei Alexander Huber war unübersehbar groß. Der Spitzenbergsteiger aus Berchtesgaden bekam im Carl-Orff-Saal des Münchner Kulturzentrums Gasteig im Beisein seiner Familie den renommierten Paul-Preuss-Preis der Paul-Preuss-Gesellschaft verliehen.


»Ich sehe es als Aufgabe an, das Erbe von Paul Preuss weiterzutragen«, sagte Alexander Huber – stilecht in Lederhose gekleidet – in seinen Dankesworten. »Er war der Vordenker für uns.«

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Die Auszeichnung übergab der Vorsitzende der Gesellschaft, Lutz Maurer. Die Laudatio hielt Ernst Vogt. Der Bayern-1-Redaktionsleiter von »Bayern Freizeit und Bergsteiger« betonte: »Viele sind der Überzeugung, dass der Preis für Alexander längst überfällig gewesen ist – ich auch.«

»Er hat Preuss gelesen und verstanden«

Er erhalte den Preis als Gesamtpersönlichkeit und nicht für eine Einzelleistung. Zudem zitierte Vogt in seiner Laudatio auch Reinhold Messner, der über Alexander Huber einst sagte: »Noch einmal hat er den modernen Alpinismus revolutioniert. Und: Er hat Preuss gelesen und verstanden. Er zeigt Kletterkunst in höchster Dimension.«

Der Geehrte selber brachte seine Bewunderung über den Spitzenkletterer Paul Preuss zum Ausdruck. »Man muss sich mal vorstellen, was das damals für große Herausforderungen waren.« Auch deshalb zog es Alexander Huber in die Brenta – und er stand dort dann wie Preuss ganz oben am Gipfel. »Es war für mich ein bewegender Moment. Ich habe gewusst, dass Preuss hier oben auch vor 100 Jahren gestanden hat.« Preuss sei »der Wegbereiter für uns Freikletterer« gewesen.

Denn schon Preuss verzichtete damals auf Seilsicherungen. Beim Free Solo ist es zudem verboten, Haken als Griff oder Trittersatz zu nutzen. Der Erfolg ist damit einzig und allein im Zusammenspiel mit Körper und Geist möglich.

Viele Ziele gesetzt

Aber auch Alexander Huber selbst setzt immer wieder neue Maßstäbe. Mehrfach sorgte der sympathische Kletterer durch Free-Solo-Begehungen für Aufsehen in der Kletterwelt. Etwa im Jahr 2002, als er solo durch die legendäre Direttissima (VIII+) an der Nordwand der Großen Zinne kletterte oder 2006, als er solo durch die Südwand des Dent du Géant (4013 m) in unmittelbarer Nachbarschaft des Grand Capucin stieg (VII+).

2008 gelang ihm zudem die erste Free-Solo-Besteigung des Grand Capucin am Mont-Blanc, den schwierigsten Berg der Alpen, über die Schweizerführe (6b+) im Auf- und Abstieg. Und Alexander Huber ist immer wieder aufs Neue auf Entdeckungsreisen – und auch wenn die höchsten Berge der Welt schon längst alle bestiegen sind, hob er hervor. »Man muss nur die neuen Möglichkeiten sehen, die einem der Alpinismus bietet.« Und dann schwenkte Alexander Huber aufs Matterhorn um und nahm die gut 600 Zuhörer im Saal mit auf eine beeindruckende Reise. »Die steile Welt der Berge« heißt der neueste Vortrag des Berchtesgadeners, den er in München das erste Mal zeigte.

Mit seinem Seilpartner Dani Arnold machte er sich im Winter also auf Richtung Matterhorn-Nordwand. Der überhängende Teil der Zmuttnase war dort noch unbestiegen. »Es ist ein extrem beeindruckender Berg«, betonte Alexander Huber. Und dem Duo glückte das Kunststück, die Zmuttnase zu überwinden.

Sein nächstes Projekt führte den Kletterer nach Grönland – dort war er mit Musiker Hubert von Goisern unterwegs. Doch eine wunderbare Skitour durch das unberührte Land war dem Kletterer natürlich zu wenig. Er suchte sich ein neues Ziel – und fand es: Er wollte den Ritterknecht am Tupilak (2264 m) bezwingen. Doch im Winter, fast ganz auf sich allein gestellt, nur ein Inuit mit seinem Schlittenhundegespann begleitete ihn in die Nähe seines Ziels, missglückte das Vorhaben noch. Für den Berchtesgadener war das allerdings kein Beinbruch – immerhin schaffte er es rechtzeitig zum Konzert von Hubert von Goisern zurück ins Dorf.

Aber Alexander Huber ließ die Wand auch nicht mehr los – und so kehrte er im Sommer 2016 mit seinen Mitstreitern Mario Walder, Bruno Schneider und Christian Zenz zurück nach Grönland. Und dem Quartett glückte die Kletterei am gewaltigen Ostpfeiler der Wand. »Es war eine beeindruckende Reise«, bilanzierte Alexander Huber.

Erstbegehung direkt vor der Haustür

Aber der dreifache Familienvater ist auch gerne daheim. Ein richtiger Familienmensch eben, der seinen Hof liebevoll bewirtschaftet – aber auch dabei stets seinen Blick in die Berge richtet. Und, ja, wie sollte es anders sein, auch dabei ein neues Ziel entdeckte: die Wetterbockwand am Hohen Göll. Und so schaffte er auch auf dieser anspruchsvollen Klettertour die Erstbegehung. Praktisch direkt vor seiner Haustüre.

Aber man müsse gar nicht so extrem in den Bergen unterwegs sein, machte Alexander Huber den Zuhörern deutlich. »Man muss nur einfach immer wieder in die Natur rausgehen.« Und wer dennoch einmal das Klettern probieren möchte, für den hatte er noch einen Tipp parat – und grinste dabei spitzbübisch: »Immer schön festhalten und ja nicht loslassen.« SB