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»Auf der Bühne gibt es keine Zicken«

Berchtesgaden – Sie wird den Jedermann in Berchtesgaden verführen. Nicht mit weiblichen Reizen wie ihre berühmte Kollegin Christine Neubauer. Sondern mit Habgier. Die Salzburgerin Melanie Arnezeder spielt den »Mammon« in der Berchtesgadener Jedermann-Inszenierung. Der »Berchtesgadener Anzeiger« sprach mit der gebürtigen Halleinerin, die einen Teil ihrer Kindheit in Berchtesgaden verbracht hat, über die Premiere in Xanten, Tricks auf der Bühne und giftgrüne Kontaktlinsen.

Schau mir in die Augen, Kleiner: Als »Mammon« hat Melanie Arnezeder den bösen Blick. Fotos: Anzeiger/Fischer

Frau Arnezeder, morgen spielen Sie in Xanten zum ersten Mal mit Christine Neubauer im Jedermann. Schon nervös?

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Melanie Arnezeder: Noch nicht. Das kommt erst, wenn ich hinter der Bühne stehe.

Sie haben also das klassische Lampenfieber?

Arnezeder: Nein. Lampenfieber ist schlecht. Als Schauspieler darf man nicht verkrampft sein. Ich sehe die Aufregung positiv.

Müssen Sie bei Christine Neubauer mit Starallüren rechnen?

Arnezeder: Auf der Bühne gibt es keine Starallüren. Jemand, der Theater spielt, kann nicht zickig sein. Und überhaupt kann mir Frau Neubauer mit Sicherheit ein paar Tipps geben.

Ist der »Mammon« Ihre bisher beste Rolle?

Arnezeder: Alle meine Rollen waren gut. Weil man mit ihnen dazulernt. Aber der Mammon ist schon sehr interessant.

Hat es eine tiefere Bedeutung, dass der Mammon mit einer Frau besetzt ist?

Arnezeder: Nein, der Mammon ist geschlechtslos.

Dieses hautenge Kostüm, was genau stellt es dar?

Arnezeder: Eine Schlange. Denn der Mammon ist hinterlistig. Geld regiert die Welt. Die Idee für das Kostüm stammt übrigens von Regisseur Helmut Vitzthum.

Und die giftgrünen Kontaktlinsen?

Arnezeder: Die waren meine Idee. Die sind so richtig schön dämonisch. Nur in die Sonne darf ich mit denen nicht schauen, sonst muss ich weinen.

Welche Szene gefällt Ihnen im Jedermann am besten?

Arnezeder: Wenn die Werke und der Glaube auftreten. Denn da erkennt der Jedermann, das er bisher in Dunkelheit gelebt hat.

Wie sind Sie zur Schauspielerei gekommen?

Arnezeder: Ich spiele, seit ich 16 bin. Nach dem »Theater der Jugend« in Salzburg bin ich auf die Schauspielschule in Brunneck in Südtirol gegangen und habe dort eine dreijährige Ausbildung gemacht. Danach ging es wieder zurück nach Salzburg, wo ich als freiberufliche Schauspielerin arbeite.

Was erwarten Sie sich von den Aufführungen in Berchtesgaden?

Arnezeder: Ich kenne Berchtesgaden ja ziemlich gut. Der Kurgarten eignet sich hervorragend für den Jedermann. Das passt. Ich bin zuversichtlich.

Keine Angst, dass etwas schiefgehen könnte?

Arnezeder: Irgendwas geht immer schief. Theater ist Chaos.

Wie geht es nach dem Jedermann weiter?

Arnezeder: Ich habe vor Kurzem einen eigenen Theaterverein gegründet. Er heißt »Janus«. Damit spiele ich Grimm'sche Märchen in Schulen. Außerdem sind Auftritte in der »Arge Kultur« geplant. Christian Fischer